Barcelona für Fans von Borussia Mönchengladbach

Summer Special (Juli 2014)

 
„Vom Lebensstil her war Barcelona das Nonplusultra, 
vom Beruflichen her eine schlimme Erfahrung.“
(Gisela Weisweiler über das Engagement von Hennes Weisweiler in Barcelona)

 

Mönchengladbach-Barcelona
Entfernung (Luftlinie): 1.137 Kilometer
Entfernung Borussia-Park – Camp Nou (Auto): 1.394 Kilometer/Fahrtzeit: 13:50 Stunden (via Lyon) oder 1.513Km/15:09Std via Paris
Anreise per Bahn: 12:51 Std (via Aachen und Paris)
Anreise per Flugzeug: 5x täglich (via Düsseldorf)
Borussia-Fanclubs in Barcelona: Fehlanzeige
Befriedigung deutscher kulinarischer Sehnsüchte in Barcelona: Don Bratwurst (www.donbratwurst.com), deutsches Bier und Würste ohne Ende, dazu wird Bundesliga live im Lokal übertragen: Passeig de Fabra i Puig 374 (Horta) / Chez Müller (www.chezmuller.com), Carrer del Rossello 368, Bier vom Fass (Warsteiner & Franziskaner), Würstchen, Frikadellen & Co
Bevorzugte Wohnadressen für Borussia-Fans, die nach Barcelona ziehen wollen: Calle Sant Rafael, Calle Reus
„Borussen“ in Barcelona: Patrik Andersson, Robert Enke, Udo Lattek, Allan Simonsen, Marc-André ter Stegen, Hennes Weisweiler
„Barceloneses“ bei Borussia: Fehlanzeige

 

Kleines Spanisch-Lexikon für Gladbach-Fans

  • Ich bin Fan von Borussia Mönchengladbach – Soy fan del Borussia Mönchengladbach
  • Als Marco Reus bei uns gespielt hat, nannte man uns das Barcelona Deutschlands – Cuando Marco Reus jugaba con nosotros fuimos el Barcelona de Alemania
  • Allan Simonsen war in Mönchengladbach viel besser als in Barcelona – Allan Simonsen fué mucho mejor en Mönchengladbach que cuando jugó con el Barcelona
  • Wir schwören Stein und Bein auf die Elf vom Niederrhein – Juramos por nuestros muertos por los once del Bajo Rin

 

 

 

©bundesligaindeinerstadt.de

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Als Victor Valdes seine Karriere im Tor des FC Barcelona 2002 begann, war Robert Enke kurz zuvor als Torwarthoffnung nach Katalonien gekommen. Nur wenige Monate und einen geplatzten Traum später verließ Enke den Verein wieder. Im Jahr 2014, als die Zeit von Victor Valdes im Tor des FC Barcelona nach 387 Einsätzen, sechs Meistertiteln und drei Titeln in der Champions League endete, unterschrieb mit Marc-André ter Stegen erneut ein ehemaliger Gladbacher für die Position zwischen den katalanischen Pfosten. In jenem Jahr, in dem Victor Valdes wiederum geboren wurde, holte mit Udo Lattek ein ehemaliger Gladbach-Trainer mit dem FC Barcelona den Europapokal der Pokalsieger. Sein Vorgänger bei Borussia, Hennes Weisweiler, hatte während seines Kurzzeit-Engagements beim FC Barcelona 1975/76 mehr mit Johan Cruyff als mit den Gegnern zu kämpfen. Und während noch nie ein ehemaliger Spieler des FC Barcelona in Mönchengladbach landete, spielten mit Allan Simonsen und Patrik Andersson gleich zwei Mitglieder der Gladbacher „Jahrhundertelf“ in Barcelona. Punktspielvergleiche gab es zwischen Borussia und dem FC Barcelona noch nicht, 1972 verschlug es die Borussia allerdings nach Barcelona, wo die Fohlenelf die „Trofeu“ Joan Gamper gewann. Im UEFA Pokal setzte es 1987 ein 1:4 gegen den Stadtrivalen Espanyol. Und dann gab es noch die Saison 2011/12, in der die Borussia vom Niederrhein dank ihres genialen Trainers und einer grandios aufspielenden Mannschaft den Beinamen „Borussia Barcelona“ (Youtube) erhielt.

 

Für Fans von Borussia Mönchengladbach geht es in Barcelona zu folgenden Stationen in Barcelona: Stadion Camp Nou (1/Hennes Weisweiler) – La Masia (2/Robert Enke) – Hotel Princesa Sofia (3/Udo Lattek) – Ehemaliges Estadi Sarria (4/Espanyol-Borussia 1987) – W-Hotel (5/Marc-André ter Stegen). Gesamtdauer der Tour: 1:30 Stunden (ohne Verweildauer)

 

→ Wir beginnen unsere Barcelona-Tour beim Stadion Camp Nou. Die Heimstätte des FC Barcelona ist mit der U-Bahnlinie L3 leicht erreichbar (Station Maria Cristina). In der Zukunft soll das Camp Nou auch von den Linien 9 und 10 erschlossen werden.

 
Station 1 (Hennes Weisweiler): Camp Nou, Carrer d’Aristides Maillol 12

Camp Nou, ©bundesligaindeinerstadt.de

Camp Nou, ©bundesligaindeinerstadt.de

Drei Jahre bevor Hennes Weisweiler beim großen FC Barcelona anheuerte, stand der Erfolgscoach zum ersten Mal als Trainer am Spielfeldrand des Camp Nou. Im August 1972 nahm Mönchengladbach am Viererturnier um die „Trofeu Joan Gamper“ teil, die der FC Barcelona zu Ehren seines Gründungspräsidenten seit 1966 ausspielen ließ. Gladbach gewann den fünfzehn Kilo schweren Pokal (Manager Helmut Grashoff in Sorge: „Hoffentlich reißt der mit seinem Gewicht nicht ein ganzes Trophäenregal herunter“) als erste deutsche Mannschaft dank eines 3:2-Sieges im Finale gegen ZSKA Sofia. Besonders stach dabei der vor der Saison zur Borussia gewechselte Henning Jensen hervor. Im Halbfinale besiegten die Borussen zuvor Vasco da Gama mit 3:0. Zu einem direkten Duell mit dem FC Barcelona kam es aufgrund dessen Halbfinalniederlage gegen Sofia nicht. Nach dem gewonnenen Finale präsentierte Günter Netzer „80.000 jubelnden Spaniern“ bei einer Ehrenrunde durch das Camp Nou die Trophäe, diese feierten Netzer mit „Wunderbar“-Sprechchören und winkenden Taschentüchern.

Ein Jahr später jubelten die 80.000 im Camp Nou erneut, dieses Mal freuten sie sich jedoch über den Sieg ihrer eigenen Mannschaft. Barcelona gewann das Finale des Gamper Cups gegen Borussia Mönchengladbach am 22. August 1973 im Elfmeterschießen mit 5:3. Der erneute Einzug ins Finale kostete Hennes Weisweiler damals 250 Mark, denn der Gladbacher Coach hatte bei seiner Ankunft mit dem Spielvermittler Jules Ukrainczyk gewettet, dass die Finalpaarung nicht Barcelona vs. Mönchengladbach lauten würde.

1975 kehrte Weisweiler als Trainer des FC Barcelona ins Camp Nou zurück. „Es ist richtig, daß ich in den zwei Jahren in Barcelona von 1975 bis 1977 mehr verdiene als in zehn Jahren Mönchengladbach“, sagte Hennes Weisweiler im Juni 1975 einem Redakteur der Zeit. Eine Million Euro sollen ihm für zwei Jahre in der katalanischen Metropole zugesichert worden sein, was Weisweiler jedoch gerne als „weit übertrieben“ darstellte. Neben der sportlichen Herausforderung, einem internationalen Spitzenteam ein neues Spielsystem zu verpassen, dürften also auch die finanziellen Reize des FC Barcelona ausschlaggebend gewesen sein, um Hennes Weisweiler nach Barcelona zu locken. Hinzu kam, dass Weisweiler mit der Borussia bis auf den Landesmeisterpokal alle sportlichen Erfolge bereits erreicht hatte, die es zu erreichen gab. Die sportliche Herausforderung fehlte also langsam am Niederrhein.

In Mönchengladbach sorgte der Entschluss Weisweilers nach Spanien zu wechseln für wenig Freude. „Helmut Beyer, Helmut Grashoff und Alfred Gerhards reagierten zunächst tiefenttäuscht, wollten ihren Duz-Freund Hennes erst gar nicht gehen lassen, weil die Kündigung viel zu spät kam“, hielt der Kicker im Mai 1975 fest. Wenig hilfreich war es in dieser Situation, dass Weisweiler den Klub vor vollendete Tatsachen stellte, nachdem er sich in Düsseldorf heimlich mit Barcelonas Präsident Agusti Montal Costa getroffen hatte. Doch die Wogen wurden geglättet und so verließ Weisweiler den Niederrhein im Sommer 1975 nach elf äußerst erfolgreichen Jahren in Richtung Südwesten.

Gratulationen zu seinem Entschluss kamen von Günter Netzer, der als erster Ausländer nach der jahrelangen Abschottung der spanischen Liga seit 1973 in der Primera Division bei Real Madrid spielte. Später fanden sich eine Reihe weiterer ehemaliger Fohlen-Spieler in der spanischen Liga wieder, die alle von „Don Hennes“ in Gladbach zu Stars geformt wurden: Uli Stielike heuerte 1977 bei Real Madrid an (bis 1985), Allan Simonsen spielte zwischen 1979 und 1982 bei Barcelona und Rainer Bonhof zog es 1978 für zwei Jahre zum FC Valencia.

Hennes Weisweiler versuchte 1975 sein Glück also beim FC Barcelona, wo er auf Rinus Michels folgte, der ab 1971 den holländischen „Voetbal Total“ und später die beiden niederländischen Superstars Johan Cruyff und Johan Neeskens nach Barcelona brachte. Unter Michels ging es mit Barcelona in der Liga stetig bergauf, die Krönung folgte 1974, als Barca erstmals seit 1960 den Meistertitel holte. Doch 1975 wurde das Team nur Dritter, im Pokal schied man bereits im Viertelfinale aus. Von Hennes Weisweiler erhoffte sich Barcas Präsidium einen Weg zurück an die Spitze. Bei seiner Mission wurde Weisweiler von Lothar Drygalsky begleitet, seines Zeichens Bruder von Weisweilers Konditionstrainer bei Borussia (und späterem Präsidenten) Karl-Heinz Drygalsky. Lothar, der zuvor die Eishockeyspieler der Düsseldorfer EG auf Vordermann brachte, sollte die Kondition von Cruyff & Co in Einklang mit Weisweilers Vorstellungen eines laufintensiven Spiels bringen.

Einen ersten Eindruck davon, was ihn bei Barcelona erwarten würde, bekam Weisweiler im Juni 1975, als er dem FC Barcelona beim Pokalspiel gegen Saragossa (0:0) einen Besuch abstattete. Als Weisweiler auf der Tribüne des Camp Nou erschien, jubelten ihm die Zuschauer zu. Dabei stahl Weisweiler „dem spanischen Minister für Information und Touristik die Schau. Niemand beachtete mehr den kleinen Minister, alle Aufmerksamkeit galt dem deutschen Meistermacher“, schilderte der Kicker die Szene. Schon bei dieser Gelegenheit zeigte sich Weisweiler von der im Spiel an den Tag gelegten Härte überrascht und fragte sich, ob diese vom spanischen Temperament herrühre oder Ausdruck von mangelndem spielerischen Können sei. Dabei werde doch „Fußball gespielt und nicht gekloppt“, so ein erschütterter Weisweiler gegenüber der Zeit.

Auch die schon damals sehr illustre Presselandschaft Barcelonas, zu der unter anderem mehrere Sporttageszeitungen gehören, lernte Weisweiler bereits sehr früh kennen. So wurden in El Mundo Deportivo Gerüchte lanciert, Weisweiler werde nach dem baldigen Wechsel Cruyffs nach Amsterdam (der Vertrag des holländischen Superstars lief nur noch bis 1976) Horst Wohlers aus Gladbach nach Barcelona nachholen. Weisweiler dementierte. Aber spätestens jetzt war allen Beteiligten klar, dass Weisweiler Johan Cruyff für sich gewinnen musste, wollte er mit dem FC Barcelona Erfolg haben.
Weisweiler machte sich daran, das Auftreten der Mannschaft an seine Vorstellungen anzupassen. Er änderte die Ausrichtung des Spielstils, weg vom holländischen System hin zu seinem in Mönchengladbach praktizierten laufintensiven Spielsystem mit schnellem Mittelfeldspiel und langen Kontern und vielen Toren. Für diese sollten der exzentrische Peruaner Hugo Sotil und Johan Cruyff in der Spitze sorgen. Hier schien der Konflikt vorprogrammiert, denn der Holländer pochte mit reichlich Selbstbewusstsein darauf, auf seiner Position im Mittelfeld zu verbleiben, die ihm von Rinus Michels zugedacht wurde.

In Vorbereitung auf die Saison 75/76 ließ Weisweiler sein neues Team in der Sportschule Duisburg-Wedau schwitzen. Nach außen hin schien die Zusammenarbeit zwischen Cruyff und Weisweiler hier bestens zu funktionieren. Der Trainer erklärte, sich in Barcelona „pudelwohl“ zu fühlen und Cruyff betonte, dass „alle unsere Spieler froh sind, dass Hennes Weisweiler zu uns gekommen ist“.
Am 6. September 1975 startete Weisweiler mit seinem Team in die neue Saison, auswärts war man mit 3:2 beim FC Elche erfolgreich. Es folgte ein Heimsieg gegen Salamanca und damit einhergehend die Tabellenführung. Schon überschlugen sich die Medien mit Lobeshymnen auf das „neue“ Barcelona und die bis dato nicht gekannte „Schlagkraft“. Weisweilers Plan, mehr Tore zu schießen, schien aufzugehen. Zwei Spiele mit mindestens drei eigenen Toren hintereinander waren dem FC Barcelona zuletzt im November 1974 geglückt.

Eine Niederlage am 3. Spieltag gegen Bilbao wurde in die Kategorie „Betriebsunfall“ einsortiert, da man zwar verloren hatte, aber Johan Cruyff nach mitunter schwachen Leistungen in der Vorsaison unter Weisweiler zu alter Stärke wiederzufinden schien. Doch in der Folge gelang es Weisweiler und seinem Team nicht, sich in einen Lauf zu spielen. Während Real Madrid bald einsam an der Tabellenspitze thronte, stand Barcelona zu Weihnachten nur auf Platz vier, hinter dem Erzrivalen aus der Hauptstadt sowie Atletico Madrid und Hercules Alicante. Ein Grund für die bescheidenen Resultate (sieben Siegen standen drei Remis und vier Niederlagen gegenüber): Die harte Spielweise der Gegner, mit der die katalanischen Ballkünstler nicht zurechtkamen. „Von Anfang an hatten es die Gäste mehr auf die Beine ihrer Gegenspieler als auf den Ball abgesehen. Trainer Hennes Weisweiler resümierte nach dem Spiel konsterniert: ‚Destruktiver Fußball, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Bei solchen Gegnern können wir mit einem Unentschieden noch zufrieden sein’“, notierte der Kicker im November nach einem 1:1 gegen Alicante.

Aber immerhin gelang es Weisweilers Team, dem Rivalen aus Madrid die erste Saisonniederlage beizufügen. Mit 2:1 gewann man vor eigenem Publikum und konnte so den Rückstand auf den Tabellenführer auf drei Punkte reduzieren. Nach einem erneuten Sieg gegen Elche konnte sich Barca am 18. Spieltag sogar als erster Real-Verfolger auf Platz zwei setzen. Doch die Konstanz blieb auch weiterhin aus, vor allem auswärts hatte Weisweilers Team zu kämpfen. Seit dem 1. Spieltag gelang der Truppe auf fremden Plätzen kein Sieg mehr. „In Spanien ist die Angst vor Auswärtsspielen noch größer als in Deutschland. Das ist hier mein größtes Problem. Die Spieler selbst arbeiten hat und willig wie in Deutschland. Sie sind auch in der Lage, 90 Minuten zu kämpfen und zu rennen. Ihre Einstellung ist hervorragend – bis auf die Angst vor Auswärtsspielen. Die Aufgabe, das zu ändern, beschäftigt mich am meisten“, verdeutlichte Hennes Weisweiler das Problem.

Erschwerend kam das nur bedingt professionelle Verhalten von Barcelonas Stürmer Hugo Sotil hinzu. Um dessen ausschweifendes Privatleben in den Griff zu bekommen, heuerte der Verein nicht nur einen Privatdetektiv an, der dem Peruaner auf Schritt und Tritt folgen sollte. Man holte auch die halbe Familie aus seiner peruanischen Heimat nach Barcelona, um „seinen Lebenswandel zu zügeln“. Doch offensichtlich ohne Erfolg, denn im Januar erhielt der Spieler eine Strafe seitens des Vereins aufgebrummt, weil er vom Privatdetektiv vor einem Meisterschaftsspiel in Saragossa im Hotelzimmer mit einer „jungen Dame“ erwischt wurde.

Im neunten Monat seiner Amtszeit spitzte sich die Situation für Weisweiler in Barcelona zu. Das Publikum hatte immer weniger Verständnis für die schwachen Auswärtsauftritte und das oftmals nur mäßige spielerische Niveau im Camp Nou und pfiff das Team aus. Lokale Sportzeitungen sprachen zudem nun bereits von einem „Kleinkrieg“ zwischen Weisweiler und Johan Cruyff. Nachdem Weisweiler Cruyff öffentlich kritisiert hatte, revanchierte sich dieser und beklagte sich über Weisweilers Spielsystem: „Ich spiele ja gern im Sturm, wie Weisweiler es will, aber ich will beweglich bleiben.“

Am 8. Februar 1976 kam es schließlich zum vorläufigen Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen den beiden. Beim Meisterschaftsspiel in Sevilla (0:2) wagte es Weisweiler als erster Trainer, Cruyff auszuwechseln. „Cruyff hat einfach schlecht gespielt. Ein Fehler von ihm führte sogar zu einem Tor“, rechtfertigte sich Weisweiler. Cruyff habe zudem zu viel Zeit vor dem eigenen Strafraum verbracht und sich zu wenig um das Spiel gekümmert. Barcelonas Präsident Montal Costa stellte sich hinter Weisweiler und erklärte, dass der Vertrag von Cruyff im Sommer nicht verlängert werde. Doch Fans und Medien sowie Oppositionelle innerhalb des Vereins stellten sich auf Cruyffs Seite und lobten die Leistung des Holländers gegen Sevilla in den Himmel. Fans riefen zudem zu Demonstrationen auf, um den Vorstand davon abzubringen, mit Cruyff zu brechen. Auch ein Auswärtssieg in Granada (2:0), bei dem Weisweiler Cruyff trotz gegenteiliger Ankündigung spielen ließ, konnte die Wogen nicht glätten. Und auch als Barcelona am folgenden Wochenende gegen Spitzenreiter Atletico Madrid gewann, kam der Verein nicht zur Ruhe. Im Gegenteil, öffentlich wurden bereits mögliche Nachfolger für Weisweiler diskutiert.

Die nach wie vor wenig konstanten Ergebnisse in der Meisterschaft halfen Weisweiler nicht, die Kritiker auf seine Seite zu ziehen. Die Stimmung kippte endgültig, als Barcelona im Halbfinale des UEFA-Pokals im Camp Nou gegen Liverpool 0:1 verlor. Am 2. April knickte der Präsident schließlich ein und ließ öffentlich verlautbaren, dass der Vertrag mit Johan Cruyff entgegen der Abmachung mit Hennes Weisweiler doch verlängert werde. Für den deutschen Erfolgstrainer ein Schlag ins Gesicht, den er mit seiner Kündigung quittierte. Während Weisweiler sich in den Urlaub an die Costa Brava zurückzog, übernahm mit Laureano Ruiz eine „Marionette von Johan Cruyff“ (Kicker) interimistisch das Traineramt. Doch auch Ruiz konnte die Saison nicht mehr retten, Barcelona scheiterte international an Liverpool und national an Real.

Als Nachfolger von Hennes Weisweiler kehrte im Sommer 1976 Rinus Michels nach Barcelona und somit zu Johan Cruyff zurück. Michels und Cruyff verließen den Verein gemeinsam zwei Jahre später, weder in Meisterschaft noch auf internationaler Ebene erreichte der Verein in dieser Zeit einen Titel, gewann lediglich 1978 die Copa del Rey. Ein Jahr später erklärte Johan Cruyff zu den Hintergründen des Streits zwischen ihm und Weisweiler: „Ich habe Barcelonas Vereinsführern gesagt, dass ich meine Laufbahn beenden würde, wenn man mir die Freigabe verweigern sollte. Denn ein weiteres Jahr unter Weisweiler hätte ich nicht ausgehalten. Aber glücklicherweise hat sich das Problem in meinem Sinne gelöst.“

So blieb die Amtszeit Weisweilers in Barcelona eine kurze Episode in den Biographien des Vereins und des Trainers. 15 Siege standen 5 Unentschieden und acht Niederlagen gegenüber. Was in Barcelona blieb, war immerhin der Ruf Weisweilers, ein Händchen für die Entwicklung junger Spieler zu haben. So rechnete Don Balon 1978 vor, dass Michels während seiner sechsjährigen Zeit in Barcelona nur einen Spieler in die erste Mannschaft gebracht habe und gleichzeitig 23 neue Spieler verpflichtet hätte, während Weisweiler in seinen zehn Monaten gleich sieben Spieler aus der zweiten Reihe in der Kampfmannschaft integriert habe, darunter mit Antonio Olmo einen späteren spanischen Nationalspieler. Und einen Titel holte Weisweiler mit dem FC Barcelona dann doch: Im August 1975 gewann er – wie drei Jahre zuvor mit der Borussia vom Niederrhein – die Trofeu Joan Gamper (2:1 im Finale gegen Feyenoord Rotterdam).

„Vom Lebensstil her war Barcelona das Nonplusultra, vom Beruflichen her eine schlimme Erfahrung“, fasste Weisweilers Witwe Gisela später in einer Weisweiler-Biographie (Hennes Weisweiler, Werkstatt) die Zeit in Barcelona zusammen.

 

Das Stadion Camp Nou ist seit 1957 die Heimstätte des FC Barcelona und bis heute das größte Fußballstadion Europas (99.000 Plätze). Im Rahmen der Camp Nou Experience können Besucher an spielfreien Tagen sowohl das Stadion als auch das vereinseigene Museum besichtigen. www.fcbarcelona.com/camp-nou

 

Hennes Weisweiler (*1919 in Lechenich) verbrachte seine aktive Karriere als Spieler in Köln und wurde 1948 sowie erneut 1955 Trainer beim 1. FC Köln bzw. bei SC Viktoria. Ab 1964 amtierte Weisweiler als Trainer bei Borussia Mönchengladbach. Bis 1975 feierte er drei Meistertitel, einen Pokalsieg sowie 1975 den Gewinn des UEFA-Pokals. Nach seiner Zeit in Barcelona feierte er weitere Erfolge mit dem 1. FC Köln, New York Cosmos sowie Grashopper Zürich. Am 5. Juli 1983 verstarb Weisweiler, den die Stadt Mönchengladbach später mit der Adresse „Hennes-Weisweiler-Allee“ beim Borussia Park ehrte, an einem Herzinfarkt.

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: TV-Beitrag über den Konflikt zwischen Hennes Weisweiler und Johan Cruyff (span.) / Barcelonas 2:1-Sieg über Real Madrid am 28.12.1975 (span.)

 

→ Wir verlassen das Stadiongelände und halten uns rechts. Über die Avinguda de Joan XXIII, entlang des Camp Nou, erreichen wir nach wenigen Minuten „La Masia“ (Landhaus), den früheren Sitz der Jugendakademie des FC Barcelona. Wegzeit: 10 Minuten

 
Station 2 (Robert Enke), La Masia, Avinguda de Joan XXIII

La Masia, ©bundesligaindeinerstadt.de

La Masia, ©bundesligaindeinerstadt.de

Nach der Gladbacher Katastrophensaison 1998/99 (Abstieg als Tabellen-18.) verließ Robert Enke die Borussia und folgte Jupp Heynckes zu Benfica Lissabon. Schon bald etablierte er sich bei den Portugiesen als Stammtorwart, wurde sogar Kapitän des Teams. Mit Benfica spielte Enke vorne mit, für den Titel reichte es jedoch in seiner ersten Saison in Portugal nicht. Heynckes musste 2000 seinen Hut nehmen, ihm folgte ein damals international noch weitgehend unbekannter Jose Mourinho. Enke blieb auch unter Mourinho Stammkeeper und mit seinen guten Leistungen schrieb er sich in die Notizbücher der Scoutingabteilungen großer Klubs wie Manchester United. Im Jahr 2001 hätte Enke sogar auf die Insel wechseln können, doch Trainer Alex Ferguson hatte ihm lediglich den Posten des Ersatztorwarts hinter Fabien Barthez in Aussicht gestellt. „Ich wollte aber spielen“, sagte Enke später zur Kölnischen Rundschau.

In der Saison 2001/02 wurde Enke mit Benfica Vierter, nach wie vor hatten mehrere Vereine Interesse an einer Verpflichtung des nun 25-jährigen gebürtigen Thüringers, sowohl aus Portugal als auch aus Spanien kamen Anfragen. Auch aus Barcelona erreichte eine Anfrage Enkes Berater Jörg Neblung. Doch diese kam nicht vom FC Barcelona, sondern von Espanyol. Aber Neblung wusste, dass auch der FC auf Torwartsuche war und so wurden Kontakte in Richtung Camp Nou geknüpft. Mit Espanyol waren die Verhandlungen bereits fortgeschritten, es gab sogar bereits einen fix und fertig formulierten Vertrag. Doch dann tauchten in spanischen Medien Vorwürfe von Espanyol-Präsident Daniel Sanchez auf, wonach Neblung den Vertrag auch dem FC Barcelona vorgelegt habe, um die finanziellen Forderungen in die Höhe schrauben zu können. „Ich habe die Schnauze voll und fühle mich von Robert Enke und seinen Beratern veräppelt”, zitierte die Rheinische Post Sanchez im April 2002. Enkes Berater dementierte Gespräche mit dem FC Barcelona nicht, die Vorwürfe Espanyols bezeichnete er jedoch als „Ballyhoo“.

Das Wechseltheater zog sich weiter in die Länge und so vergingen April und Mai, ohne dass Robert Enke Gewissheit über seine weitere sportliche Zukunft erhielt. Unter anderem die Klärung der finanziellen Rahmenbedingungen verzögerte den Transferdeal mit dem FC Barcelona ein ums andere Mal. Am 1. Juni schrieb die Berliner Zeitung, dass „der Ex-Gladbacher bei den Spaniern für drei Jahre“ unterschrieben habe. Enke bekomme dafür eine Million Euro netto jährlich und vier Millionen Euro Handgeld. Am Tag danach wurde die Transfermeldung widerrufen. Die Rheinische Post vermeldete am 3. Juni gar, der Wechsel sei endgültig geplatzt, da Barcelona anstelle Robert Enkes den uruguayischen WM-Torwart Fabian Carini ausgeliehen habe.

Für Beobachter, die den FC Barcelona und seine Transferpolitik über längere Zeit verfolgen, waren diese Wendungen keine Überraschung. „Das alles hat bei Barca längst schlechte Tradition: Seit dem Portugiesen Vitor Baia, hat der schillernde Klub mehr Torhüter eingesetzt als andere Vereine Balljungen: für viel Geld engagierte Ausländer ebenso wie weitgehend unbekannte und hochgejubelte Leute aus dem eigenen Nachwuchs“, schrieb der Tagesspiegel später. Zwei Tage später wurde der Transfer Enkes zu den Katalanen als perfekt gemeldet. Enke würde zum FC Barcelona wechseln, wo mit Roberto Bonano und einem damals unbekannten Nachwuchstorhüter namens Victor Valdes bereits zwei Torhüter unter Vertrag standen.

Enke kam zu einem FC Barcelona, der all seine Hoffnungen auf den 26-jährigen Patrick Kluviert, die Nachwuchshoffnung Xavi und den mit viel Vorschusslorbeeren ausgestatteten Argentinier Juan Roman Riquelme legte. Der Verein befand sich (wieder mal) im Umbruch, wollte nach dem enttäuschenden vierten Platz in der Vorsaison oben angreifen und nach 1998 endlich wieder den Titel in der Primera Divison nach Barcelona holen.

Seine Einsatzchancen bezeichnete Enke als intakt, obwohl er vor allem in Stammkeeper Bonano, immerhin Ersatz-Torwart der argentinischen Nationalmannschaft bei der WM 2002, große Konkurrenz hatte. „Ich bin zwar kein Kahn, der überall automatisch Stammspieler wäre, denn dazu fehlt mir die internationale Erfahrung. Aber ohne andere Torhüter schlecht reden zu wollen, glaube ich, dass meine Chancen ganz gut stehen“, so Enke zur Kölnischen Rundschau.
Wenige Tage vor dem Saisonstart in der Primera Division widmeten sich so manche deutschen Medien aber lieber mit seiner Tierliebe, als mit Enkes sportlicher Situation. „Sieben Hunde hat der Tierfreund bei sich aufgenommen“, vermeldete beispielsweise das Hamburger Abendblatt.

Für das erste Saisonspiel, die Qualifikation in der Champions League gegen Legia Warschau beorderte Barca-Trainer Louis van Gaal weder Roberto Banano noch Robert Enke, sondern Nachwuchskeeper Victor Valdes zwischen die Pfosten. Enke war „irritiert. Victor Valdes war noch ein Junge, ohne die Erfahrung eines Erstligaspiels, athletisch alles andere als ausgereift“, schreibt Ronald Reng in seiner Robert Enke Biografie (Ein allzu kurzes Leben, Piper). Auch die ersten Spiele in der Liga absolvierte Valdes. Van Gaal schien sich für den gebürtigen Katalanen entschieden zu haben, der auch seine Lehrjahre beim FC Barcelona verbrachte.

Einen schweren Dämpfer erhielt Enkes Standing im Verein durch die Pokalpleite beim Drittligisten CF Novelda, bei der Enke seine Pflichtspielpremiere feierte. Die spanischen Medien machten Enke für zwei der drei Gegentore verantwortlich, kritisierten aber auch Louis van Gaal. „Das alte Laster zeigte sich wieder, vor allem das unerklärliche Loch in der Abwehr, das de Boer und Reizinger öffneten; in dem sie sich und Enke in seinem Debüt selbst begruben“, schrieb El Mundo Deportivo.  Barcelona gelang es in der Hinrunde der Saison 2002/03 zwar in der Champions League aufzuzeigen, man blieb sowohl in Vor- als auch in Zwischenrunde insgesamt zwölf Spiele ungeschlagen. In der Meisterschaft lief es für den ehrgeizigen Klub aber nicht wie erhofft, zu Weihnachten stand man nur auf Platz zehn.

Enke kam in der Liga nicht mehr zum Einsatz, durfte nur in sportlich eher bedeutungslosen Spielen der Champions League zwischen den Pfosten stehen: Sieben Wochen nach Novelda hielt Enke den Kasten beim 1:0 in Brügge sauber. „Riquelme entschied ein Spiel, in dem Iniesta und Enke brillierten“, schrieb El Mundo Deportivo. Doch Enke wurde für die gute Leistung nicht belohnt, auch eine solide Leistung beim 3:1-Sieg gegen Galatasaray brachte ihn nicht näher an einen Stammplatz. Im Gegenteil. Statt im Camp Nou das Tor zu hüten, blieb Enke nur das Training auf dem direkt neben dem Stadion gelegenen Trainingsplatz La Masia. „Der FC Barcelona trainierte auf einem Fußballplatz, über den sich die meisten Bezirksligisten beschwert hätten, deutlich schmaler und kürzer als die üblichen Maße. Eckbälle konnten sie dort nicht üben. Der Platz war Barcas Markenzeichen“, beschreibt Ronald Reng La Masia.

Im Dezember 2002 wurde der 25-Jährige seitens des FC Barcelona bereits anderen Vereinen angeboten. Gemeinsam mit dem Ex-Gladbacher Patrik Andersson, der in dieser Saison aufgrund einer hartnäckigen Knieverletzung kein Spiel für die Katalanen absolvieren konnte. Andersson war es auch, den Enke-Biograf Ronald Reng im Interview mit sport.es als einen der wenigen Freunde Enkes in Barcelona nannte.

An der unbefriedigenden sportlichen Situation Enkes konnte auch der Rauswurf Louis van Gaals Ende Januar nichts mehr ändern, unter dem neuen Trainer Radomir Antic gelang es ihm ebenfalls nicht, sich in die Startelf zu spielen. Zwar wurde er am 24. Spieltag gegen Osasuna in der 70. Minute für den verletzten Roberto Bonano eingewechselt, doch gelangen dem Gegner in den letzten zwanzig Minuten zwei Tore zum 2:2-Ausgleich. Dabei wurde Enke vor allem der Treffer zum 2:2 angelastet, als er einen Distanzschuss nicht festhalten und Rivero für Osasuna einschießen konnte. „Enke schenkte Osasuna einen Punkt“, schrieb As im März 2003. Dass auch Bonano mit der Gesamtsituation nicht wirklich souverän umgehen konnte, zeigte sich beim 1:1 gegen Real Valladolid am folgenden Spieltag, als Bonano den Ausgleich für den Gegner per Eigentor verschuldete. Barcelona schloss die Saison schließlich auf dem sechsten Platz ab. Am letzten Spieltag zog man an Athletic Bilbao (trainiert von Jupp Heynckes) vorbei und sicherte sich zumindest die Qualifikation für den UEFA Cup.

„Wenn ich merke, ich komme nicht weiter, dann werde ich wechseln, gerne auch in die Bundesliga“, sagte Robert Enke schon am 11. März 2003 zum Kölner Stadtanzeiger. Enke verließ Barcelona im folgenden Sommer, doch erst zog es ihn zu Christoph Daum nach Istanbul. Über eine weitere Station auf Teneriffa kehrte Enke erst 2004 wieder in die Bundesliga (Hannover 96) zurück.
„Die Leute hatten ihn schon nach Novelda abgeschrieben. Es passiert oft bei Barca, ein Fehler, und die Presse hakt den Torwart ab, das Publikum ruft ‚weg mit ihm!‘. Wir hatten nach Zubizarretas Rücktritt ein Jahrzehnt hinter uns, in dem kein Torwart gut genug für Barca schien, und dieser Reflex setzte gleich nach Novelda wieder ein: Der ist es auch nicht“, wird Enkes Rivale Victor Valdes in Ronald Rengs Enke-Biographie zitiert. Valdes zeigt sich darin auch überzeugt, dass Enke „als Torwart damals vom Niveau über mir stand. Wäre Novelda nicht passiert, wäre Robert ein sehr guter Torwart für Barca geworden.“

 

Robert Enke (1977-2009) kam über Carl Zeiss Jena 1996 zu Borussia Mönchengladbach, wo er in der Saison 1998/99 den Durchbruch schaffte, nachdem sich Uwe Kamps zu Beginn der Saison schwer verletzte. Enke kam auf 32 Einsätze in der Liga und stand auch bei den beiden historischen Niederlagen gegen Leverkusen und Wolfsburg (2:8, 1:7) zwischen den Pfosten. Auch weil er nicht wusste, ob er trotz des wieder gesunden Uwe Kamps Stammtorhüter bleiben würde, wechselte Enke anschließend nach Lissabon. Insgesamt absolvierte Enke für Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 196 Ligaspiele. Zwischen 2007 und 2008 stand er achtmal im Tor der Nationalmannschaft. 2009 nahm sich Enke als Folge einer Depression das Leben.

 

La Masia war früher der Sitz der Jugendakademie des FC Barcelona. Hier wurden unter anderem spätere Stars wie Lionel Messi, Josep Guardiola oder Xavi ausgebildet. 2011 verlegte der FC Barcelona die Jugendakademie in einen Vorort.

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: Dokumentation über Robert Enke (span., Ausschnitte vom Spiel in Novelda und Interviewsequenzen mit Marco Villa) / FC BarcelonaTV zum Tod von Robert Enke / NDR-Dokumentation „Ich kann ja nur Fußball“

 

→ Wir folgen der Avinguda de Joan XXIII bis zum Placa de Pius XII. Auf der rechten Seite befindet sich das Hotel Princesa Sofia, in dem Udo Lattek 1982 den Triumph im Europapokal der Pokalsieger mit dem FC Barcelona feierte. Wegzeit: 5 Minuten

 
Station 3 (Udo Lattek), Hotel Princesa Sofia, Plaça de Pius XII 4

Hotel Princesa Sofia, ©bundesligaindeinerstadt.de

Hotel Princesa Sofia, ©bundesligaindeinerstadt.de

„Lattek, machen Sie dat mal“, hat Hennes Weisweiler während seiner Zeit als Ausbildner an der Sporthochschule Köln gerne mal zu Udo Lattek gesagt, wenn er nicht selbst die Übungsstunden abhalten wollte. „Dann habe ich den Unterricht gemacht“, so Lattek, dessen Verhältnis zu Hennes Weisweiler nicht immer ganz ohne Spannungen war. Legendär zum Beispiel Hennes Weisweilers Kommentar zur Verpflichtung Latteks als sein Nachfolger bei Borussia Mönchengladbach: „Borussia wird wieder Meister, das wird auch der Udo Lattek nicht verhindern.“ Nachdem Weisweiler 1976 bei Barcelona gescheitert war, probierte Lattek fünf Jahre später „dat mal“.

Doch zurück ins Jahr 1975. Fast schien es so, als ob Udo Lattek seinem Vorgänger im Traineramt von Borussia Mönchengladbach für dessen Wechsel zum FC Barcelona dankbar war. Immerhin blieb Lattek nach seinem Rauswurf bei den Bayern, die Weihnachten 1974 nur auf Platz vierzehn standen, auf diese Weise Rot-Weiss Essen erspart. Dem damaligen Erstligisten aus dem Ruhrgebiet stand Lattek für die Saison 75/76 im Wort. Doch das Gladbacher Angebot erschien dann doch weitaus reizvoller. Mit den Fohlen holte er anschließend zwei Meistertitel und 1979 den UEFA-Pokal, bevor er für zwei Jahre nach Dortmund ging.

1981 erhielt Lattek zum bereits zweiten Mal das Angebot, den FC Barcelona zu übernehmen (einige Monate zuvor lehnte er noch ab). Der 46-Jährige war nach elf Jahren Bundesliga (Bayern, Gladbach, Dortmund) froh über einen Tapetenwechsel, zumal die Zeit in Dortmund durch den Tod seines Sohnes Dirk überschattet wurde, der an Leukämie verstarb.

Als Lattek 1981 nach Barcelona kam, wartete der Verein seit 1974 auf einen nationalen Meistertitel. Als stärkste Konkurrenz erwiesen sich die beiden großen Hauptstadt-Vereine Atletico und Real. 1981 wurde zudem überraschend San Sebastian Meister, Barcelona belegte in der Endabrechnung nur Platz fünf, holte aber immerhin mit der Copa del Rey den nationalen Pokalwettbewerb.

Barcelonas Führung gab Lattek somit den Gewinn der Meisterschaft als Ziel vor. Bauen konnte er dabei auf einen Weggefährten aus alten Gladbacher Tagen: Allan Simonsen, der 1979 für 1,3 Millionen Mark vom Niederrhein ans Mittelmeer gewechselt war und gemeinsam mit Bernd Schuster im Finale der Copa del Rey dafür sorgte, dass der Pokal in den Trophäenschrank des FC Barcelona wanderte. Auf seine Zeit in Spanien hatte sich Lattek gewissenhaft vorbereitet. „Als er ankam, sprach er perfekt Spanisch, und das machte auf uns alle einen großen Eindruck“, erinnert sich Bernd Schuster.

Die Saison 1981/82 entwickelte sich für Lattek sehr positiv. Nachdem sein Team am 13. Spieltag beim Lokalrivalen Espanyol mit 4:0 gewann, stand man zum ersten Mal auf dem ersten Platz. Mit drei Spieltagen Unterbrechung sollte sich daran bis April nichts mehr ändern. Gewonnen wurden auch die Duelle gegen Atletico und Real Madrid. Mitte März, Barcelona hatte soeben „im besten Spiel der Saison“ 2:1 gegen Saragossa gewonnen, konnte bei fünf Punkten Vorsprung (Zwei-Punkte-Regel!) auf San Sebastian eigentlich schon der Meistersekt kaltgestellt werden. Doch gleich im Spiel darauf geschah etwas ungewöhnliches: Zum ersten Mal seit Januar verlor Barcelona gegen Valencia wieder ein Spiel (0:3). Diese Niederlage hielt Rinus Michels, Barcelonas letzten Meistertrainer nicht davon ab, Udo Lattek sein Vertrauen auszusprechen: „Ich glaube, dass der Club mit Udo Lattek einen Trainer für viele Jahre verpflichtet hat. Die Mannschaft ist in hervorragender Form und meines Erachtens schon Meister“.

Vielleicht lag genau darin das Problem, denn auch die Mannschaft war sich ihrer Sache wohl bereits zu sicher. Denn aus den folgenden drei Spielen holte Lattek mit seinem Team nur einen mickrigen Punkt und zu allem Übel kam auch noch eine schwere Verletzung Bernd Schusters hinzu, dessen Saison dadurch vorzeitig beendet wurde. Am vorletzten Spieltag musste Barcelona zu Real nach Madrid, wo mit Uli Stielike seit 1977 ein weiterer ehemaliger Schützling Latteks aus Gladbacher Zeiten als Libero spielte. Und ausgerechnet Stielike wurde nach dem 3:1-Sieg Reals und seinem verwandelten Elfmeter von den Zuschauern in Madrid für seine hervorragende Leistung gefeiert. „Da blieb dem Uli nichts anderes übrig, als nach dem Beispiel der berühmten Stierkämpfer eine Ehrenrunde im Stadion zu laufen und sein Trikot unter die jubelnde Menge zu werfen“, notierte der Kicker wenige Tage später. Durch ein Unentschieden in Osasuna zog San Sebastian gleichzeitig an Barcelona vorbei.

Vor dem letzten Spieltag lag Barcelona punktgleich mit Real Madrid einen Punkt hinter San Sebastian. Die Basken mussten am letzten Spieltag zu Hause gegen UEFA-Cup Anwärter Athletic Bilbao antreten, Barcelona spielte in Camp Nou gegen den Tabellensechsten Betis Sevilla. Da Real Madrid auswärts 2:3 gegen den Mittelständler Racing Santander verlor, entscheid sich das Titel-Duell zwischen Barcelona und dem Titelverteidiger San Sebastian. Mit dem glücklicheren Ende für San Sebastian, dass das baskische Duell gegen Bilbao mit 2:1 für sich entschied. Dabei hätte San Sebastian auch ein Unentschieden für die Verteidigung des Meistertitels gereicht, denn Barcelona kam nach einer 2:0-Führung nicht über ein Remis (2:2) gegen Sevilla hinaus. Und so landete Barcelona zwar immerhin vor Real Madrid, aber der lang ersehnte Meistertitel in der Primera Division war dahin.

Dass der Trainerstuhl von Udo Lattek nicht bedrohlich wackelte, lag einzig und allein am Einzug der Katalanen in das Finale des Europapokals der Pokalsieger, das noch dazu im heimischen Stadion ausgetragen wurde. Nachdem Latteks Team im Viertelfinale den 1. FC Lokomotive Leipzig (u.a. mit Torwart-Legende René Müller) eliminiert und sich im Halbfinale knapp gegen Tottenham durchgesetzt hatte, lautete der Gegner im Finale Standard Lüttich, seines Zeichens frischgebackener belgischer Meister. Das Finale wurde für den 12. Mai 1982 angesetzt.

Lattek war sich seiner kniffligen Situation bewusst, zeigte sich aber mittelfristig doch optimistisch. „Ich habe mit dem Vorstand schon Pläne für die neue Saison geschmiedet. Schließlich haben wir in der Meisterschaft die beste Platzierung seit zehn Jahren erreicht. Und ich glaube, daß der Vorstand gelernt hat. Früher hatten immer die Spieler recht und die Trainer wurden gewechselt. Das hat sich geändert“, so Lattek im Kicker. Eine Hoffnung, die sich am Ende seiner Karriere beim FC Barcelona als nicht richtig herausstellen sollte. Das Sportmagazin war sich trotzdem sicher: „Wenn Latteks Elf nicht den Pokal gewinnt, wird Udo wohl wieder den geheimen Fluchtweg benutzen müssen, den er kennenglernt hatte, als ein Saison-Vorbereitungsspiel gegen den 1. FC Köln mit 0:4 in die Binsen gegangen war.“

Mit Allan Simonsen, aber ohne den verletzten Bernd Schuster ging Barcelona also in das Europapokalendspiel und Simonsen sollte zu einem der entscheidenden Akteure an diesem Abend werden. Denn der Däne, der schon im Final-Rückspiel um den UEFA-Pokal 1975 gegen Twente für Gladbach zweimal traf, glich die Führung der Belgier kurz vor der Pause aus. In der 63. Minute bereitete er zudem per Freistoß den Siegtreffer zum 2:1 durch Quini vor. Schiedsrichterlegende Walter Eschweiler war laut Spielbericht an diesem Abend gezwungen „sehr kleinlich zu pfeifen“, da die Partie von beiden Teams sehr hart geführt wurde. Wohl auch deshalb fielen alle drei Tore nach Freistößen.

Udo Lattek wurde durch den Finalerfolg zum ersten (und bis heute neben Giovanni Trapattoni einzigen) Trainer, der alle drei europäischen Pokalwettbewerbe gewann (Landesmeister-Cup 1974 mit dem FC Bayern, UEFA Cup 1979 mit der Borussia). Auf der anschließenden Siegesfeier im Saal „Katalanien“ des Hotels Princess Sofia wurden Lattek und sein Team begeistert gefeiert. Keine zehn Monate später wurde der deutsche Coach in Barcelona vor die Tür gesetzt.

Seiner Entlassung war eine 0:2-Heimniederlage in der Meisterschaft gegen den Tabellenletzten aus Santander sowie ein eher blamables 0:0 im Europapokal-Viertelfinale gegen Austria Wien vorangegangen. Und – was wohl noch schlimmer wog – eine Auseinandersetzung mit dem zur Saison 82/83 nach Barcelona gekommenen Jahrhunderttalent Diego Maradona. Als dieser eines Tages zu spät zur Abfahrt des Teambusses kam, ließ Lattek den Bus kurzerhand ohne den Argentinier abfahren. „Daraufhin ist Maradona zum Präsidenten und hat ihm erklärt, dass er mit mir nicht zusammenarbeiten könne“, erinnerte sich Lattek später. Es hatte sich also nichts geändert: Auch im Jahr 1983 besaßen die Spieler beim FC Barcelona große Macht. Eine Erfahrung, die auch Hennes Weisweiler zuvor beim FC Barcelona machen musste.

 

Udo Lattek (*1935 in Boze) spielte für Leverkusen, Wipperfürth und den VfL Osnabrück. Zwischen 1965 und 1970 war er unter Helmut Schön Co-Trainer der Nationalmannschaft, anschließend führte er den FC Bayern bis 1975 zu drei Meistertiteln und dem Titel im Europapokal der Landesmeister (1974). Nach seinem Engagement beim FC Barcelona kehrte Lattek zum FC Bayern zurück (83-87), weitere Trainerstationen waren der 1. FC Köln und Schalke 04. Im Jahr 2000 rettete Lattek zusammen mit Matthias Sammer Borussia Dortmund vor dem Abstieg. Insgesamt gewann Lattek drei Europacuptitel, acht deutsche Meisterschaften sowie drei deutsche Pokaltitel (darunter 1984 mit dem FC Bayern im Elfmeterschießen gegen Borussia Mönchengladbach).

 

Das 5-Sterne-Hotel Princesa Sofia gehört zur Expo Hotel Group und verfügt über 500 Zimmer. Teil des Hotels ist auch ein „bayrischer“ Biergarten, der Erdinger Weißbier vom Fass (0,3l: 3,75 Euro) sowie Leberkäse (5,90 Euro) und verschiedene Wurstspezialitäten anbietet. www.princesasofia.com

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: Hennes Weisweiler und Udo Lattek 1975 gemeinsam bei „Dalli Dalli“  / Udo Lattek gewinnt mit dem FC Barcelona 2:0 gegen Real Madrid (27.11.1982)  / Zusammenfassung des 1982er Europapokal-Finales zwischen Barcelona und Standard Lüttich mit Schiedsrichter Walter Eschweiler (span.) / Rückspiel UEFA-Supercup Aston Villa-FC Barcelona 26.1.1983 

 

→ Auf dem Weg zum ehemaligen Stadion von Espanyol Barcelona gehen wir die Avinguda Diagonal entlang (wir passieren rechts den Jardin Jaume Vicens i Vives mit seinen Tierskulpturen) und biegen links in die Carrer de la Caravella la Nina. Diese gehen wir hoch bis zur Av. De Sarria, in die wir rechts einbiegen, um gleich wieder links in die Carrer de Ricardo Villa einzubiegen, an deren Ende sich rechts das Gedenkschild an das ehemalige Stadion von Espanyol Barcelona befindet. Wegzeit: 20 Minuten

 
Station 4 (Espanyol-Borussia 1987): Ehemaliges Estadi Sarria, Carrer de Ricardo Villa

Gelände des ehemaligen Estadi Sarria, ©bundesligaindeinerstadt.de

Gelände des ehemaligen Estadi Sarria, ©bundesligaindeinerstadt.de

In Mönchengladbach schrieb man das Jahr eins nach Jupp Heynckes, der im Sommer als Trainer zum FC Bayern nach München wechselte. Er hinterließ 1987 eine Gladbacher Mannschaft, die wieder mal einen Neuanfang starten und trotzdem vom bisherigen Co-Trainer Wolf Werner auf Europacup-Kurs gehalten werden sollte. Die Vorsaison beendete Gladbach hinter Bayern und dem HSV als ausgezeichneter Dritter, wodurch die Borussia in der Saison 1987/88 für den UEFA-Cup qualifiziert war. Seit 1984 spielten die Gladbacher kontinuierlich im UEFA-Cup, herausragend (in mehrfacher Hinsicht) blieb unter anderem das Aufeinandertreffen mit Real Madrid in der Saison 85/86 in Erinnerung (0:4 Auswärtsniederlage nach 5:1-Sieg im Hinspiel).

Neben Heynckes verließen die Borussia im Sommer 1987 auch Uli Borowka und Ewald Lienen sowie mit Uli Sude auch ein alter Torwart-Haudegen, der in der Saison 1986/87 vom damals 22-jährigen Uwe Kamps auf die Ersatzbank gedrängt wurde. Neu an den Bökelberg kamen mit Stefan Effenberg eine große Zukunftshoffnung sowie mit Eric Willaarts ein hochgehandelter Stürmer aus den Niederlanden.

In die Saison 86/87 startete die Borussia sehr ordentlich. Durch zwei Tore von Uwe Rahn wurden am 6. Spieltag unter anderem Jupp Heynckes mit seinen Bayern nach Hause geschickt. Nach dem 8. Spieltag (2:0 gegen Homburg mit Gregor Quasten) befand sich die Elf vom Niederrhein auf Platz drei, nur ein Punkt hinter Tabellenführer Bremen. Als nächstes stand das Hinspiel in der ersten Runde des UEFA-Pokals gegen Espanyol Barcelona auf dem Programm, das in der Vorsaison Dritter der Primera Division wurde.

Ein starker Gegner gleich in der ersten Runde, das rief in Mönchengladbach keine große Begeisterung hervor. „Im UEFA-Cup hat es die Borussen knüppeldick erwischt, Espanyol Barcelona heißt der Gegner. ‚Warum wurden wir eigentlich gesetzt, wenn wir gleich so einen dicken Brocken kriegen‘, schimpfte Wolf Werner“ via Fohlenecho. Wenig Freude hatte man am Bökelberg auch mit der Nachricht, dass das Heimrecht getauscht werden musste, da auch der FC Barcelona am 16. September sein Europacupspiel in Barcelona austrug. Doch so leicht wollten sich die Borussen dann auch wieder nicht geschlagen geben: „Torwart Uwe Kamps macht sich und den Kameraden Mut: ‚Letztes Jahr hatten uns viele vor der ersten Runde gegen Partizan Belgrad auch schon abgeschrieben‘.“

Abgeschrieben werden musste die Borussia nach der 0:1-Heimniederlage (vor 19.000 Zuschauern) gegen Espanyol zwar noch nicht, doch hatte sich die Ausgangslage nicht gerade verbessert, zumal die Borussen im Rückspiel auch auf Hans-Günter Bruns verzichten mussten, der sich in der 88. Minute eine unnötige Rote Karte einfing (Werner: „Das hat unser Konzept etwas durcheinander gebracht“). Immerhin einer dürfte an diesem Tag zufrieden gewesen sein: Wolfgang Greven durfte sich zum ersten Mal neben Rolf Göttel als Stadionsprecher versuchen. Greven, der später den Job von Göttel ganz übernehmen sollte, war bis dato durch eine Moderation des ZDF-Fernsehgartens mit Illona Christen aufgefallen.

Vor dem Rückspiel gegen Espanyol unternahm die Borussia eine Factfinding-Mission, um den Gegner im Stadtderby gegen den FC Barcelona zu beobachten. Mit einer Privatmaschine der „Borussia Air“ und durch Unterstützung von Allkauf flogen Trainer Wolf Werner und sein Assistent Gerd vom Bruch nach Barcelona. Und obwohl Espanyol mit 2:0 gegen den FC Barcelona gewann, zeigte sich Werner im Anschluss optimistisch. „Wir fahren nicht nach Barcelona um zu verlieren. Ich habe Espanyol zuhause gesehen und meine, dass wir durchaus noch Möglichkeiten haben“.

Am 30. September stand im Estadi Sarria das Rückspiel auf dem Programm. Große Hoffnungen ruhten auf Uwe Rahn, der im Hinspiel aufgrund zweier gelber Karten aus der Vorsaison nicht spielen durfte. Dagegen fiel der etatmäßige Rechtsverteidiger Bernd Krauss aufgrund seines Trainingsrückstandes nach einer Achillessehnenverletzung weiterhin aus. Doch schon nach der ersten Halbzeit stand fest, dass Borussia an diesem Abend aus dem Europapokal ausscheiden würde. Espanyol führte mit 2:0 und die Borussen wirkten nicht so, als ob sie dem Gegner auf dem völlig durchnässten Rasen des Estadi Sarria Paroli bieten könnten. Kurz nach der Pause erhöhte Espanyol durch einen Doppelschlag auf 4:0. Das 4:1 durch Uwe Rahn in der 60. Minute diente nur noch der Ergebniskosmetik. Vor allem Uwe Kamps erwischte an diesem 30. September 1987 einen rabenschwarzen Tag. Beim ersten Treffer verschätzte er sich beim Rauslaufen kolossal und auch beim vierten Tor missglückte ihm ein Ausflug als Libero, den wohl nicht mal Manuel Neuer bei der WM 2014 gewagt hätte. So mancher Spieler versuchte im Nachhinein dem schlechten Wetter die Schuld für die hohe Niederlage zu geben: „Unverständlich dass der Schiedsrichter das Spiel nicht abgebrochen hat“, wird Hans-Jörg Criens im Buch „Magische Nächte“ (Werkstatt Verlag) zitiert.

Am Ende der Saison verpasste die Borussia mit Platz sieben die Qualifikation für den UEFA Cup. Wolf Werner sollte es bis zu seiner Entlassung im November 1989 nicht mehr vergönnt sein, mit der Borussia nochmals international anzutreten. Erst mit dem Pokalsieg 1995 qualifizierte sich Gladbach wieder für den Europapokal.

 

Die Gladbacher Aufstellung am 30. September 1987 in Barcelona: Uwe Kamps – Kai-Erik Herlovsen, Thomas Herbst, Hans-Georg Dreßen, Thomas Krisp (46. Günter Thiele) – André Winkhold, Christian Hochstätter, Dirk Bakalorz, Michael Frontzeck – Uwe Rahn, Hans-Jörg Criens

 

Das Estadi Sarria wurde 1923 eröffnet und bot rund 44.000 Zuschauern Platz. Das Stadion war einer der Austragungsorte der Weltmeisterschaft 1982 und war bis zu seinem Abriss 1997 Heimstätte von Espanyol Barcelona. Heute befinden sich an dem Ort Büro- und Wohnbauten, der Verein trägt seine Heimspiele seit 2009 im Estadi Cornellà-El Prat aus. Zwischenzeitlich spielte Espanyol im Olympiastadion. Das Estadi Sarria bei www.stadiumguide.com.

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: Zusammenfassung des UEFA-Pokalspiels / Sprengung des Estadi Sarria
→ Wir gehen zurück zur Avinguda Diagonal, in die wir rechts einbiegen und zur U-Bahn Haltestelle Maria Cristina gehen. Mit der grünen Metro L3 (Fahrtrichtung Trinitat Nova) geht’s von der Haltestelle Maria Cristina zur Station Passeig de Gracia, dort nehmen wir die gelbe L4 (Fahrtrichtung La Pau) bis Barceloneta. Entlang der Passeig Joan de Borbo geht’s bis zur Strandpromenade und weiter zum weithin sichtbaren W-Hotel am Ende des Kais. Wegzeit: 55 Minuten

 

 

Station 5 (Marc Andre ter Stegen), W-Hotel, Plaça de la Rosa dels Vents 1

W-Hotel, ©bundesligaindeinerstadt.de

W-Hotel, ©bundesligaindeinerstadt.de

Drei Wochen vor seinem neunzehnten Geburtstag debütierte Marc-André ter Stegen am 10. April 2011 im Tor von Borussia Mönchengladbach. Lucien Favre warf das Gladbacher Eigengewächs anstelle von Logan Bailly in den Kampf gegen den Abstieg – ausgerechnet in einem Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Doch wie schon der junge Robert Enke in der Saison 98/99, der für den verletzten Uwe Kamps eingesprungen war, rechtfertigte auch ter Stegen das Vertrauen seines Trainers und hielt den Kasten bis auf einen Gegentreffer sauber. Am Ende siegte Gladbach 5:1 und ter Stegen half in den kommenden Spielen und in der Relegation gegen den VfL Bochum tatkräftig dabei mit, die Borussia vor dem sicher geglaubten Abstieg zu bewahren.

Ter Stegen war auch eine der tragenden Stützen, die dafür sorgte, dass Gladbach in der folgenden Saison 2011/12 überragend in die Runde startete. Und so fiel Anfang September – die Borussia stand nach dem vierten Spieltag auf Tabellenplatz fünf – in einem Interview mit der Westdeutschen Zeitung ein Satz, der darauf schließen ließ, wohin die Reise ter Stegens eines Tages gehen würde. Auf die Frage, welcher Verein ihn fasziniere, antwortete der Torhüter: „Ganz klar FC Barcelona. Das ist Fußball in Vollendung. Superschnell, technisch hochstehend, effizient. Da schaut man sich gerne etwas ab, aber diese Perfektion als Mannschaft zu erreichen, ist sehr, sehr schwer, fast unmöglich.“ Keine drei Jahre später war für ter Stegen bereits klar, dass auch er Teil dieser katalanischen Perfektion werden würde.

Mit Mönchengladbach spielte er insgesamt drei erfolgreiche Jahre, nicht nur in der Bundesliga, sondern auch international 2012/13 in der Qualifikation der Champions League sowie in der Europa League. Die guten Leistungen gingen auch an Bundestrainer Jogi Löw nicht vorbei und so kam ter Stegen zu bis heute vier Einsätzen mit dem Bundesadler, die jedoch nicht immer ganz pannenfrei abliefen (Schweiz & USA). Doch ter Stegen relativierte jene Kritiker, die ihm anschließend das Format für große Auftritte absprachen mit ausgezeichneten Leistungen in der Bundesliga. Und diese Leistungen waren es, die internationale Scouts auf ihn aufmerksam werden ließen, darunter auch die Späher des FC Barcelona.

„Ich hab dem Verein unheimlich viel zu verdanken und…“. Die Stimme von Marc Andre ter Stegen kam ins Stocken, als er im Januar 2014 nach dem Training im Borussia Park den Reportern erklärte, dass er seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach nicht verlängern würde. Für die Borussia bedeutete dies, dass der Verein im Sommer 2014 die letzte Möglichkeit hatte, mit einem Verkauf ter Stegens eine ansprechende Ablöse zu kassieren. Ein Wechsel ter Stegens im Sommer war also beschlossene Sache. Allein seine neue sportliche Heimat wollte (oder durfte) ter Stegen noch nicht verraten. Und so begleiteten die Gerüchte um ter Stegens neuen Verein die Gladbacher Borussia während der kompletten Rückrunde der Saison 2013/14. Es dauerte bis zum 19. Mai, bis der Wechsel des gebürtigen Gladbachers für rund zwölf Millionen Euro zum FC Barcelona tatsächlich öffentlich bekannt gegeben wurde.

Am 22. Mai ging es für ter Stegen, seine Freundin Daniela und seinen Berater Gerd vom Bruch mit Flug VY 1895 von Düsseldorf nach Barcelona. „Die Nervosität hält sich noch in Grenzen. Spätestens jetzt habe ich aber realisiert, dass es mit meinem Traumklub wirklich geklappt hat“, diktierte ter Stegen während dem Flug einem Reporter der Bild ins Mikrofon. Seine erste Bleibe in Barcelona fand ter Stegen im mondänen W-Hotel am Strand von Barcelona.

Ter Stegen wird in die (großen) Fußstapfen von Victor Valdes treten. Der 32-jährige, der bereits Anfang 2013 bekannt gab, seinen im Sommer 2014 auslaufenden Vertrag in Barcelona nicht verlängern zu wollen, passte perfekt zum Spiel Barcelonas mit seiner sehr hoch stehenden Abwehrreihe. Um dieses System durchhalten zu können, braucht Barcelona einen mitspielenden Torwart, der das Spiel gut antizipieren kann und sich nicht vor einer 1:1-Situation mit einem Gegenspieler scheuen darf. Eigenschaften, die ter Stegen in Mönchengladbach immer wieder gezeigt hat, wo er für seine Mitspieler stets anspielbar war und oft als elfter Feldspieler agierte. Ter Stegen könnte also gut zu Barcelona passen, vielleicht besser als Robert Enke zehn Jahre zuvor, der Probleme damit hatte, in die von Louis van Gaal geforderte Rolle eines mitspielenden Torwarts zu schlüpfen.

Erinnerungen an den Wechsel Robert Enkes nach Barcelona wurden aber spätestens wach, als bekannt wurde, dass der FC Barcelona mit Claudio Bravo von Real San Sebastian einen weiteren Spitzentorhüter verpflichtete. „Er hat doch immer gewusst, dass wir noch einen Torwart holen werden“, erklärte Barcelonas Sportdirektor Andoni Zubizarreta anlässlich der Präsentation Bravos in Richtung ter Stegen. Für Bravo, immerhin chilenischer Nationaltorwart, der eine starke WM spielte, überwies Barcelona ebenfalls eine zweistellige Millionensumme. Auf ter Stegen, der Mitte Juli erstmals mit Messi, Xavi & Co trainiert, wird also ein harter Konkurrenzkampf zukommen. „Denn stößt Bravo dazu, gerät vermutlich auch ter Stegens sicher geglaubter Status ins Wanken. Wer ist die Nummer eins des FC Barcelona, diese Frage gelte es dann wohl zu klären. Wie die spanischen Blätter berichten, soll nämlich keinesfalls sicher sein, dass ter Stegen in der neuen Saison den Stammplatz im Tor hat“, schrieb die Welt.

Immerhin, in Andoni Zubizaretta dürfte ter Stegen einen gewichtigen Fürsprecher haben. Dieser zeigte sich anlässlich der Präsentation ter Stegens davon überzeugt, dass ter Stegen sich in Barcelona durchsetzen kann: „Dieses traditionsreiche Tor zu hüten, ist eine schwierige und komplizierte Aufgabe. Marc-André ist ein reifer, charakterstarker Spieler, der sehr wenige Fehler macht. Genau das ist eine Bedingung für einen Torwart in Barcelona.“

Die Stadt Barcelona begutachtete ter Stegen wenige Tage später schon mal gemeinsam mit seiner Freundin aus der Luft. Das Rundflugunternehmen Cathelicopters postete ein Foto ter Stegens kurz vor dem Abflug auf Instagram. Und spanische Internetportale freuten sich bereits über ter Stegens Freundin Daniela als Nachfolgerin für Victor Valdes Frau Yolanda Cardona.

 

Marc-André ter Stegen (*1992 in Mönchengladbach) spielte seit 1996 für die Borussia. Seit 2009 hütete er in 108 Ligaspielen das Tor der Borussia in der Bundesliga. Deren Profis wählten ihn 2011/12 zum besten Torhüter der Liga. Ab der U16 durchlief ter Stegen alle Nachwuchsmannschaften des DFB, mit der U17 wurde er 2009 Europameister. Im Mai 2012 debütierte er beim 3:5 gegen die Schweiz in der A-Nationalmannschaft.

 

Das von Ricardo Bofill entworfene W-Hotel gehört zur Starwood-Gruppe und verfügt über 473 Zimmer und 67 Suiten. Das 99 Meter hohe Gebäude wurde 2009 eröffnet und kostete rund 260 Millionen Euro. Eindrücke vom Hotel unter www.freshpalace.com.

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: MAtS verkündet Abschied von Borussia Mönchengladbach / MAtS hält im Länderspiel gegen Argentinien einen Elfmeter seines jetzigen Mannschaftskameraden Lionel Messi / Abschied vom Borussia Park am 3. Mai 2014 / MAtS Präsentation in Barcelona / „Behind the Scenes“ mit ter Stegen in Barcelona

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

 

 

Weitere Orte in Barcelona mit Bezug zu Borussia Mönchengladbach

Flughafen Barcelona, El Prat de Llobregat: Am 22. Mai 2014 landete Marc-André ter Stegen um 12:15 Uhr auf dem Flughafen Barcelona, um sich wenig später im Rahmen einer Pressekonferenz als neue Nummer 1 des FC Barcelona präsentiert zu werden.

Las Rambles: Über den Prachtboulevard fuhr Udo Lattek mit Barca-Vizepräsident Joan Gaspart und der Mannschaft nach dem gewonnenen EC-Finale 1982. Weil so viele Fans auf der Straße waren, brauchte der Tross fast drei Stunden pro Kilometer.

Placa de Catalunya: Hier feierte Robert Enke gemeinsam mit seiner Frau Theresa den Jahreswechsel 2002/03.

Placa Sant Jaume: Im und vor dem Rathaus feierte der FC Barcelona am 13. Mai 1982 mit seinen Fans den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. Im Zentrum des Jubels: Allan Simonsen. Der ehemalige Gladbacher trug entscheidend zum Gewinn des Pokals bei. Bevor der Däne 1979 Mönchengladbach für eine Ablösesumme von 1,6 Millionen Mark verließ, streute der 26-Jährige seinem Ex-Klub noch Rosen: „Einen so gut geführten Klub wie Borussia Mönchengladbach finde ich wahrscheinlich nirgends auf der Welt mehr.“ In Barcelona war Simonsen, der später von den Barca-Fans „Simonet“ gerufen wurde, nicht von Anfang an bei allen willkommen, da für ihn mit Johan Neeskens aufgrund der Ausländerklausel ein bei den Fans überaus beliebter Spieler den Verein in Richtung USA verlassen musste. Trotz der schwierigen Umstände zeigte sich Simonsen im Sommer 1979 selbstbewusst: „Ich bin sicher, daß ich mich dort durchsetzen werde. Wenn ich erstmal da bin und mich mit den Spielern unterhalten habe, regelt sich alles von alleine“, sagte der Däne im Kicker. Er sollte Recht behalten, mit dem FC Barcelona gewann er neben dem Europapokal der Pokalsieger 1982 auch 1981 die Copa del Rey. Für Barcelona traf Simonsen in 71 Spielen 53 mal.

Passeig Olimpic 17-19, Estadi Olimpic Lluis Companys: Im für die Olympischen Spiele 1992 modernisierten Stadion absolvierte Patrik Andersson am 13. Dezember 2003 sein vorletztes Spiel für den FC Barcelona. Der ehemalige Gladbacher (1993-99) wechselte 2001 vom FC Bayern zum FC Barcelona und blieb bis Ende 2003 in Katalonien. Patrik Andersson war der erste Spieler des FC Barcelona, der nach dem Rücktritt Pep Guardiolas vom aktiven Fußballsport die Nummer 4 trug. Über seine Zeit in Barcelona sagte Patrik Andersson in einem Interview im Jahr 2010: „Ich bin sehr froh darüber, dass ich die Chance bekam in Barcelona zu leben und zu arbeiten. Ich mag die Stadt mit ihren Bergen und dem Meer sowie dem Stadtzentrum. Vor allem wusste ich den Pulsschlag der Stadt sowie die kulinarischen Vorzüge zu schätzen. Barcelona ist eine Stadt, die mir sehr am Herzen liegt.“

 

 

Nützliche Barcelona-Links
www.tmb.cat – Website der Öffis in Barcelona
www.barcelona.de – Nützliche Informationen rund um euren Barcelona-Aufenthalt
www.callejero-barcelona.es – Stadtplan mit Straßenverzeichnis

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