Berlin für Fans von Borussia Mönchengladbach

(Stand: Juni 2014)

 

 

„Mir scheint, die Berliner Luft bekommt mir ausgesprochen gut.“
(Wolfgang Kleff nach seinem erfolgreichen Saisonstart mit Hertha BSC. 
Am Ende der Saison 1979/80 stieg er mit der Alten Dame ab)

 
Mönchengladbach-Berlin
Entfernung (Luftlinie): 500,77 Kilometer
Entfernung Borussia Park-Olympiastadion (Auto): 594Km/Fahrtzeit: 6:08 Std
Bahn: 4:49 Std (1x Umsteigen)
Flugzeug: 1:10 Std via Düsseldorf
Bus: 8:10 Std (meinfernbus.de, direkt) oder 9:20 Std (flixbus.de)
Offizielle Gladbach-Fanclubs in Berlin (5): Spreeborussen (www.spreeborussen.de, Vereinslokal Poruzzi, Tegeler Weg 24), Block B (www.block-b-berlin.com), Berliner Fohlen 07 (www.berlinerfohlen.de), Berlin-Borussen 2002 (www.berlin-borussen.jimdo.com), Stimbergfohlen
Bevorzugte Wohnadressen für Gladbach-Fans, die nach Berlin ziehen wollen: Borussiastraße, Borussenstraße, Am Nordpark
„Borussen“ in Berlin: Alexander Baumjohann, Rainer Bonhof, Sebastian Deisler, Wolfgang Kleff, Peer Kluge, Jos Luhukay, Hans Meyer, Ludwig Müller, Marcel Ndjeng, Gregor Quasten, Uwe Rahn, André Winkhold, Andrej Woronin
„Berliner“ bei Borussia: Nico Brandenburger, Karl-Heinz Drygalsky, Lucien Favre, Raffael, Nando Raffael, Thorben Marx, Ibrahima Traore, Christian Ziege

 

 

Auf sieben Stationen geht es für Gladbach-Fans durch Berlin. ©d-maps.com/bundesligaindeinerstadt.de

Auf sieben Stationen geht es für Gladbach-Fans durch Berlin. ©d-maps.com/bundesligaindeinerstadt.de

Der Austausch zwischen Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC funktioniert in den vergangenen Jahren beim Trainerpersonal hervorragend. War in Berlin Not am Mann, schickte Borussia Hans Meyer als Retter an die Spree. Steckte Gladbach in Not, rettete Ex-Hertha Trainer Lucien Favre das Team. Und zuletzt führte mit Jos Luhukay ein erfahrener Gladbach-Aufsteiger in die 1. Bundesliga. Doch schon lange vor diesen drei Trainern unterstützten ehemalige Gladbacher den Berliner Fußball mit Rat und Tat – mal mit mehr Erfolg (Luggi Müller) und mal mit bescheidenem Output (Rainer Bonhof, Uwe Rahn). Grund genug, einen Blick auf die Spuren von Gladbacher Protagonisten in der Berliner Fußballgeschichte zu werfen, die darüber hinaus auch noch einen so illustren Namen wie Wolfgang Kleff und eine Reihe denkwürdiger Spiele auf Berliner Boden bereit hält.

 

 

Für Fans von Borussia Mönchengladbach geht es auf sechs Stationen durch Berlin: Titiseestraße (1/Ludwig „Luggi“ Müller), Hotel Adlon (2/Lucien Favre & Raffael), Hotel Esplanade (3/Pokalsieg 1995), Angerburger Allee (4/Wolfgang Kleff & Gregor Quasten), Olympiastadion (5/Tasmania 1966 & Inter 1971), Wiener Caffeehaus (6/André Winkhold), Stadion An der Alten Försterei (7/Ausflugstipp/Hans Meyer)
Gesamtdauer der Tour: 3:45 Stunden (ohne Verweildauer, inkl. Ausflugstipp)

 

→ Los geht’s bei der ehemaligen Wohnadresse von Luggi Müller in der Nähe der S-Bahnstation Waidmannslust.

 
Station 1 (Ludwig „Luggi“ Müller): Titiseestr. 35 (Reinickendorf)

Wohnblock Titiseestraße 35, ©bundesligaindeinerstadt.de

Wohnblock Titiseestraße 35, ©bundesligaindeinerstadt.de

Es war im Februar 1973, als Ludwig „Luggi“ Müller in einer Pan Am-Maschine von Berlin nach Nürnberg von einer Stewardess angesprochen wurde. „Sind sie nicht der Mann, der vor langer Zeit mit geschientem Bein Berlin nach Düsseldorf flog? Ihren Namen weiß ich zwar nicht mehr, aber ich weiß, dass sie Fußballer sind“, erinnerte sich später ein mitfliegender Redakteur des Kicker. Luggi Müller bestätigte der „hübschen Stewardess“, dass es sich bei ihm tatsächlich um besagten Fußballer handele.

Das geschiente Bein Luggi Müllers war ein Andenken an Roberto Boninsegna und sein recht hartes Einsteigen in den Schlussminuten des Wiederholungsspiels im Landesmeisterpokal 1971 (siehe Station 5 dieser Tour). Müller, den Hennes Weisweiler gemeinsam mit Klaus-Dieter Sieloff als tragende Stütze des Gladbacher Spielsystems bezeichnete, fiel daraufhin aufgrund eines Schien- und Wadenbeinbruchs mehrere Monate aus.

Als Mönchengladbach am 30. Mai 1972 zu Gast im Berliner Olympiastadion war (Hertha gewann 2:1, Heynckes traf für die Borussia), war immer noch nicht absehbar, wann Luggi Müller, der sich derweil im heimatlichen Haßfurt fit hielt, wieder ins Training einsteigen würde können. Es erschien sogar fraglich, ob Müller jemals wieder Bundesliga spielen könnte. Auch aus diesem Grund blieb die Borussia abwartend, was einen weiteren Verbleib Müllers am Bökelberg betraf. Zumal das Management der Fohlen kurz zuvor mit Peter Mayer einen ganz ähnlichen Fall im Kader hatte. Mayer hatte sich 1968 im Training in der Sportschule Duisburg-Wedau einen ähnlichen Bruch zugezogen und konnte 1 ½ Jahre kein Spiel für die Borussia machen. Im Sommer 1970 musste er schließlich seine Karriere beenden. Ähnliches befürchtete man wohl nun auch im Fall Luggi Müller. „Der Gladbacher Vorstopper, der sich zum Zeitpunkt der Verletzung in der Form seines Lebens befand, wiegt sich in dem Glauben, mit Gladbach für eine Saison verlängert zu haben. ‚Der Chef und ich haben doch Vertrag für ein Jahr gemacht und mit Geschäftsführer Grasshoff kommen wir auch klar.‘ Diskussionen wird es auf jeden Fall noch geben, denn der klevere Geschäftsmann Helmut Grashoff kauft keine Katze im Sack“, schrieb der Kicker über die Ausgangslage im Sommer 1972.

Noch im September 1972 gab sich Müller optimistisch, Ende des Monats im UEFA-Cupspiel gegen Aberdeen in Nürnberg zum Einsatz zu kommen; bis auf einen Muskelkater habe er keine negativen Folgen des Trainings gespürt. Doch durch die ebenfalls wieder fitten Wittkamp und Sieloff herrschte ein Überangebot auf Müllers Position. Und mit seinen 31 Jahren war der Haßfurter auch nicht mehr der Jüngste – viel Geld würde die Borussia bei einem Verkauf Müllers einige Jahre später wohl nicht mehr lukrieren.

Und so konkretisierten sich die Verhandlungen mit Hertha BSC über einen Wechsel in die damals noch geteilte Spree-Metropole. Doch auch die Berliner, deren Abwehr in der abgelaufenen Saison nicht den besten Eindruck hinterließ, wollten nicht die Katze im Sack kaufen. Ein mehrtägiger Trainingstest sollte entscheiden, ob der Wechsel tatsächlich zustande kommt. „Ich werde ihn scharf rannehmen, dem Luggi sollen die Augen tränen“, erklärte Herthas Langzeittrainer Helmut Kronsbein. Müllers Bein bestand den Test, der unter anderem daraus bestand, hintereinander zwanzig Medizinbälle zu schlagen.

Doch nun spießte es sich an der Ablöseforderung. „’Schade‘, meinte Luggi. ‚ich hatte es von Herrn Grasshoff schriftlich für die Transferliste, daß für mich 60.000 DM verlangt werden. Jetzt werden plötzlich 175.000 Mark gefordert, weil geglaubt wird, die Berliner werden das schon zahlen, weil sie mich unbedingt brauchen’“, zeigte sich Müller enttäuscht. Die 60.000 DM rief Gladbach noch im Glauben aus, Müller werde zu Schweinfurt, Nürnberg oder einem anderen unterklassigen Verein wechseln. Kurzzeitig spielte Müller sogar mit dem Gedanken, seine Karriere zu beenden und sich seinem heute noch bestehenden Textilgeschäft im heimatlichen Haßfurt zu widmen. Doch die Vereine einigten sich schließlich doch noch (kolportierte Ablösesumme: 66.000 DM + Handgeld für Luggi Müller in Höhe von 70.000 DM) und so bestritt Müller am 7. Oktober, ausgestattet mit einem Einjahresvertrag, sein erstes Pflichtspiel für Hertha BSC (1:1 in Bremen). „Ich habe das Angebot von Hertha durchaus dankbar angenommen. Ich wollte mich einfach auch noch einmal selbst bestätigen. Die ganzen Gazetten schrieben damals schon etwas vom Ende einer Karriere, also sagte ich mir, denen zeige ich es noch mal“, erinnerte sich Luggi Müller später in einem Interview mit Gilbert Blecken.

Seine Heimspielpremiere feierte Müller eine Woche später gegen Braunschweig und erstmals seit April blieb die Hertha in einem Spiel ohne Gegentor (3:0-Sieg). Für seine gute Leistung wurde Müller anschließend vom Kicker in die Elf des Tages gewählt. „Die Berliner staunten, denn ihre Hertha war im Vergleich zu den bisherigen Heimspielen nicht wiederzuerkennen. Eine Mannschaft mit Selbstvertrauen, ohne Ausfälle, spielerisch einfallsreich und kämpferisch stark. Es fing bei Torwart Wolter an, der mit dem überragenden Luggi Müller als Ausputzer vor sich eine souveräne Leistung bot. Wie Müller jeden Zweikampf gewann, stets richtig stand und die Abwehr „kommandierte“, das war absolute Klasse“, notierte der Kicker am 16. Oktober 1972.

In seiner ersten Saison für die Hertha absolvierte der sechsfache Nationalspieler alle folgenden 29 Spiele und erzielte als Elfmeterschütze auch vier Tore. Nach einem schlechten Start (2:8 Punkte aus den ersten fünf Saisonspielen, in denen Müller noch nicht Teil der Berliner Elf war) beendete die Hertha die Saison auf Platz 13. Im Frühjahr 1973 war Müller für die Hertha schon eine so wertvolle Stütze geworden, dass sich die Vereinsoberen um eine Verlängerung des einjährigen Vertrags bemühen wollten. Knackpunkt: Luggi Müllers Frau Margot. Der Spieler selbst war nicht „ganz abgeneigt, aber das letzte Wort hat meine Frau“, wird Müller im Kicker zitiert. Seiner Frau hatte Müller in Aussicht gestellt, dass das Jahr in Berlin seine letzte Spielerstation sein werde.

Die Argumente des Vereins überzeugten offensichtlich, denn Müller blieb bis 1975 bei der Hertha. Den Wert Müllers für sein Team wusste auch Trainer Helmut Kronsbein zu schätzen, für ihn entwickelte sich Luggi zum Musterbeispiel eines verantwortungsbewussten Profis. Daran änderte sich auch nichts, als bei Müller im Herbst 1973 der Schlendrian einzuziehen drohte und Kronsbein sich bemüßigt fühlte, öffentlich eine Standpauke für Müller anzukündigen. Doch das Verhältnis renkte sich wieder ein, auch wenn Kronsbein gegenüber seinem Team immer wieder zu jenseitigen Methoden griff. Einmal soll der alte Trainerhaudegen heimlich in einem Nebenraum die Gespräche der Spieler mit einem Abhörgerät mitverfolgt haben.

Nach drei Jahren in Berlin und insgesamt elf Saisonen in der Bundesliga für Nürnberg, Gladbach und Hertha, beendete Müller seine aktive Profikarriere im Sommer 1975. „Meiner Frau hatte ich damals versprochen, mit dem Fußball aufzuhören wenn unser Sohn in die Schule kommt. Und wenn ich etwas verspreche, dann halte ich das auch. Wolfgang Holst wollte mich ja noch für zwei weitere Jahre halten, aber ich habe ihm gleich gesagt, dass er sich da nicht zu bemühen braucht“, so Luggi Müller im Gespräch mit Gilbert Blecken. Das schon organisierte Abschiedsspiel im Olympiastadion musste Müller jedoch ausfallen lassen, denn die Spieler des FC Bayern, die ihr Kommen bereits zugesagt hatten, erhielten vom Vorstand keine Freigabe für den Ausflug nach Berlin. Bereits reservierte Hotelzimmer und das geplante Festbankett im Hotel Schweizerhof mussten wieder abgesagt werden. Zu groß war die Angst, ohne die Spieler des FC Bayern vor leeren Rängen spielen zu müssen.

Die Befürchtungen um Müllers Gesundheit, die das Gladbacher Management hegte, waren ganz und gar unbegründet: Müller absolvierte weitere 97 Ligaspiele für die Hertha ohne Unterbrechung und erzielte dabei insgesamt zehn Elfmetertore. In seiner letzten Saison für die Hertha wurde Müller – hinter der Borussia vom Niederrhein – gar Vizemeister.

Mit seinem Engagement bei der Hertha endete auch die Zeit des Müller’schen Nomadenlebens, denn sowohl während seiner Zeit in Gladbach als auch in Berlin flog Müller meist Montags nach dem Spieltag zurück in seine Heimat, um sich um das Geschäft zu kümmern. In dieser Zeit hielt er sich unter anderem mit Gymnastik und Sauna fit. Mittwochs musste sich Müller dann fürs Training wieder bei seinem Verein einfinden. Während Weisweiler damit kein Problem hatte („der war längst nicht so streng wie ihm nachgesagt wurde“), habe diese Regelung laut Müller „Trainer Kronsbein beinah verrückt gemacht, denn die meiste Arbeit mit der Mannschaft wurde ja am Montag oder Dienstag gemacht“.

Die guten Erfahrungen mit Luggi Müller animierte die Hertha wohl dazu, mit Rainer Bonhof einen ähnlichen Versuch zu unternehmen. Bonhof kam im Winter 82/83 für 420.000 D-Mark vom 1.FC Köln nach Berlin, um als Libero Ordnung in die wackelige Abwehr zu bringen. Nach sechs Spielen (3 Remis, 3 Niederlagen) war jedoch Schluss für Bonhof, in Folge einer Verletzung musste er die Fußballschuhe an den Nagel hängen. Herthas damaliger Präsident Wolfgang Holst erinnerte sich später in der Berliner Morgenpost: „Ich habe seinerzeit Luggi Müller geholt, den viele nach einem Beinbruch schon abgeschrieben hatten, und der spielte hier wunderbar. Ein paar Jahre später hole ich Rainer Bonhof und er verletzt sich. Alle, die mich nicht mögen, haben gelacht.“

Ein derartiges Schicksal blieb der Hertha und ihrem Präsidenten 1977 erspart. Da war man sich bereits mit Horst Köppel handelseins, doch der geborene Schwabe in Diensten der Borussia brach sich drei Tage vor Vertragsabschluss im Training Schien- und Wadenbein. Dabei hatte sich Köppel „schon so auf Berlin gefreut“.

 

Ludwig Müller (*1941 in Haßfurt) wurde 1968 mit dem 1. FC Nürnberg unter Trainer Max Merkel Deutscher Meister. In der folgenden Saison stieg Müller mit dem Club überraschend ab, woraufhin er zur Borussia nach Mönchengladbach wechselte. 1970 und 1971 wurde Müller mit Gladbach Meister, traurige Berühmtheit erlangte er in seinen Gladbacher Jahren nicht nur durch das Foul von Roberto Boninsegna, sondern auch durch einen vergebenen Elfmeter in der 2. Runde des Landesmeisterpokals, als Müller im Elfmeterschießen gegen den FC Everton 1970 den entscheidenden fünften Elfmeter vergab. Von den Fans des 1. FC Nürnberg und Hertha BSC wurde Müller in die jeweilige Jahrhundertelf gewählt. Als erst dritter Fußballer erhielt er Ende der 1977er das Bundesverdienstkreuz verliehen.

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: Rainer Bonhof 1982 zu Gast im Olympiastadion

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

 

→ Wir gehen die Titiseestraße entlang bis zum Zabel-Krüger-Damm und biegen in diesen links ein. In der S-Bahnhaltestelle Waidmannslust nehmen wir die S1 in Richtung Potsdam Hbf und steigen bei der Haltestelle Brandenburger Tor aus. Von dort ist es nur ein kurzer Fußmarsch bis zum Hotel Adlon. Wegzeit: 40 Min

 
Station 2 (Lucien Favre & Raffael): Hotel Adlon, Unter den Linden 77 (Mitte)

Hotel Adlon, ©bundesligaindeinerstadt.de

Hotel Adlon, ©bundesligaindeinerstadt.de

Anfang Juni 2007 vermeldete es die Berliner Presse: Ein gewisser Lucien Favre werde neuer Trainer bei Hertha BSC. Favre, der für Hertha sogar die Chance auf die Champions League mit seinem Ex-Verein FC Zürich sausen ließ, sollte der Alten Dame nach sechs Trainern in fünf Jahren endlich wieder zu Kontinuität und Stabilität verhelfen. Doch bevor er sein Amt antrat, erkundete Lucien Favre erstmal die Stadt Berlin. „Brandenburger Tor, Checkpoint Charlie, Mauer, Reichstag und Schweizer Botschaft“, all diese Orte besuchte Favre gemeinsam mit seiner Frau damals. Und auch dem Berliner Zoo wurde ein Besuch abgestattet, „wir haben Knut besucht, als er noch klein war“, erzählte Favre im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Die Marschrichtung für sein Engagement bei der Hertha war klar: Den Verein stabilisieren und mittelfristig weiterentwickeln. Gesagt, getan. Favre führt Hertha BSC in seiner ersten Saison auf Platz zehn. Der Saisonstart verlief recht holprig, selten gelangen dem Klub zwei Siege am Stück (Gladbach-Fans kennen dieses Phänomen aus der Saison 2012/13). Die Rückrunde verlief da schon weit besser und das hat mit einem Spieler zu tun, der Gladbach-Fans ebenfalls ein Begriff ist: Raffael, der im Januar 2008 für rund fünf Millionen Euro vom FC Zürich nach Berlin wechselte und schon damals als absoluter Wunschspieler Favres galt. Nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Rückrundenspielen leitete die Hertha mit einem Auswärtssieg beim amtierenden Meister in Stuttgart die Trendwende ein und es begann eine Serie von sechs ungeschlagenen Spielen, auf die im April eine zweite Serie mit sechs ungeschlagenen Spielen folgte. Raffael trug entscheidend zum Erfolg des Teams bei und schoss in der Rückrunde vier Tore und bereitete sechs weitere Treffer vor.

In dieser Art ging es auch in der folgenden Saison 08/09 weiter, in der Hertha lange ganz oben mitmischte. Mehrere Spieltage lag Hertha auf Platz eins, noch vor den Bayern und dem späteren Überraschungsmeister aus Wolfsburg. Selbst am 32. Spieltag wies Hertha unter Lucien Favre nur einen Punkt Rückstand auf den Platz an der Sonne auf. Doch aus den letzten beiden Spielen holte die Hertha nur einen Punkt, am 34. Spieltag verlor das Team gar sang- und klanglos beim Tabellenletzten Karlsruher SC. Hertha beendete die Saison nur auf Platz vier und verpasste somit die Qualifikation für die Champions League. „Hertha BSC fällt es schwer, Platz vier als Erfolg zu werten. Denn es wurde nicht nur eine Menge Geld verspielt, sondern auch viel Gefühl“ kommentierte anschließend der Tagesspiegel. „Man muss aufpassen, dass man nach diesem Spiel nicht die Freude über die Saison verliert“, wurde Herthas Präsident Werner Gegenbauer zitiert.

Lucien Favre schraubte daraufhin die Ziele für die folgende Saison hinunter, zumal Hertha BSC den Etat aufgrund der verpassten CL-Qualifikation reduzieren musste. „Ich möchte eine Mannschaft aufbauen, die regelmäßig um Platz drei bis acht spielen kann“ erklärte Favre, nachdem in den Monaten zuvor sich so mancher Berliner auch traute, öffentlich von der Meisterschaft zu träumen. Ein einstelliger Tabellenplatz für die Hertha wäre phantastisch, zumal man nicht immer das Glück haben könne, dass Konkurrenten um das internationale Geschäft wie Bayer Leverkusen, Schalke oder Werder Bremen eine schlechte Saison erwischen, betonte Favre.

Nach der Saison verließen mit Pantelic, Simunic und Woronin wichtige Leistungsträger den Verein, die Floskel des „verlorenen Rückgrats“ machte die Runde. Dazu herrschte im Verein aufgrund des Abgangs von Manager Dieter Hoeneß Unruhe und zwischen Coach Lucien Favre und Neuzugang Arne Friedrich schien das Verhältnis schon vor Beginn der Saison nicht zum Besten zu stehen. Trotz allem zeigte sich das gewohnt kritische Umfeld in Berlin zuversichtlich, was die Aussichten für die Saison 2008/09 betraf. „Wahrscheinlich ein einstelliger Tabellenplatz. Wenn alles passt, eine Überraschung unter den ersten Fünf. Bestimmt kein Abstieg“, lautete die Prognose im Tagesspiegel.

Vom einstelligen Tabellenplatz war die Hertha neun Plätze entfernt, als sich der Hauptstadtclub nach sechs Niederlagen aus den ersten sieben Saisonspielen (darunter ein 1:2 gegen Michael Frontzecks Mönchengladbach) von Lucien Favre trennte. „Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat am Montag, 28. September 2009, das Trainerteam Lucien Favre und Harald Gämperle mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Das Training der Bundesliga-Mannschaft wird interimsmäßig von U-23-Coach Karsten Heine geleitet“, hieß es in der knappen Aussendung des Vereins, die nach einer 1:5-Niederlage in Hoffenheim an die Presse geschickt wurde.
Hoeneß-Nachfolger Michael Preetz erklärte die Entscheidung damit, dass sich „alles verkehrt hat, was in der letzten Saison geklappt hat“. Doch nicht nur Lucien Favre, der zu Beginn des Jahres seinen Vertrag bis 2011 verlängert hatte, stand im Zentrum der Kritik. Auch Arne Friedrich wurde aufgrund seiner schwachen Leistungen kritisiert. „Beim 1:5 in Hoffenheim war der Nationalspieler zum wiederholten Mal ein Totalausfall. Das von ihm verantwortete Abwehrzentrum war für Vedad Ibisevic die Spielwiese, auf der er seine Wiedergeburt als Torjäger zelebrierte. Dreimal traf der Bosnier, jedes Mal ehrfürchtig eskortiert von Arne Friedrich. In der Klubführung fragt man sich und mittlerweile auch Friedrich immer lauter, welchen Interessen er dient“, schrieb der Tagesspiegel. Im Gegensatz zu Favre durfte Friedrich auch weiterhin in Herthas Team wirken, der Trainer ist in der Regel nun mal das schwächste Glied einer kriselnden Fußball-Equipe.

Es dauerte acht Tage, bis sich Lucien Favre nach seiner Entlassung zu Wort meldete. Für den 6. Oktober 2009, 10 Uhr, lud Favre Journalisten zu einer privaten Pressekonferenz in das Hotel Adlon in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores ein. Was folgte, betitelte die Welt anschließend mit „Die Selbstmontage des höflichen Monsieur Favre“.

Im Wintergarten des Hotels erklärte Lucien Favre sich und seine Situation und laß dabei den Großteil seiner vorbereiten Statements vom Papier ab. „Niemand hat gegen den Trainer gespielt, inbegriffen Arne Friedrich. Von Anfang an, als ich nach Berlin gekommen bin, habe ich zu viele Kompromisse gemacht. Kompromisse sind Fehler. Es war eine Frage von Zeit, dass ich gegen eine Mauer fahre“, so Favre. Bei Dieter Hoeneß bedankte sich der Schweizer, auch wenn die Welt damals mutmaßte, dass Ex-Manager Hoeneß Favre intern „in Misskredit“ bringen wollte.

Stolz zeigte sich Favre auf das Erreichte: „Meine Erfahrung in der Bundesliga war für mich phantastisch, letzte Saison war super. Die Rückrunde war phantastisch.“ Dennoch sei es aufgrund der Abgänge und der Verletzungen (so fiel unter anderem Raffael ab dem 3. Spieltag aus) eine schwierige Situation gewesen. Dem Klub, der bis zur Winterpause kein weiteres Spiel mehr gewinnen und am Ende der Saison absteigen sollte, traute er trotz allem den Weiterverbleib in der Bundesliga zu. „Ich habe keine Sorge, Hertha wird nicht absteigen, wenn alle verletzten Spieler wieder da sind.“

Für die Berliner Zeitung wirkte Favre bei der von seiner Schweizer Berater-Agentur organisierten Pressekonferenz („ein kurioser Auftritt“) fremd gesteuert und schlecht beraten. Hertha BSC reagierte auf die Pressekonferenz seines bis dato lediglich beurlaubten Ex-Trainers mit einer fristlosen Kündigung. Im Februar 2010 einigte sich Favre mit der Hertha im Rahmen eines Schiedsverfahrens des DFB laut Berliner Zeitung auf eine Abfindungszahlung von 450.000 Euro. Rückblickend bezeichnete Favre anlässlich seines ersten Spiels als Gladbach-Coach in Berlin im Kicker die Pressekonferenz im Adlon als „Fehler“.

Seine Zukunft umschrieb Favre damals im Adlon wie folgt: „Ich will im Ausland bleiben, in einer der großen Ligen, in einem Klub, der Ambitionen hat und der etwas gewinnen will.“ Es sollte siebzehn Monate dauern, bis Lucien Favre wieder in einer großen Liga auftauchen sollte. Am Valentinstag des Jahres 2011, am 14. Februar, gab Borussia Mönchengladbach die Verpflichtung des Schweizers als Nachfolger von Michael Frontzeck bekannt. Es sollte eine bis heute andauernde Liebesbeziehung werden, zu der seit 2013 auch erneut Favres Lieblingsspieler Raffael gehört.

Lucien Favre (*1957 in Saint Barthélemy/CH) spielte während seiner aktiven Karriere unter anderem gemeinsam mit Karl-Heinz Rummenige bei Servette Genf. Dort beendete der Mittelfeldregisseur 1991 nach insgesamt neun Jahren seine aktive Karriere (24 Einsätze in der Nationalmannschaft, 1 Tor). Der Schweizer Fußballer des Jahres 1983 startete seine Trainerkarriere 1991 beim FC Echallens. Über Yverdon, Servette und den FC Zürich (Cupsieger 2005, Meister 2006 und 2007) kam Favre 2007 zu Hertha BSC. Seit Februar 2011 trainiert der Schweizer die Gladbacher Borussia.

Das Hotel Adlon wurde 1907 eröffnet und galt damals als eines der besten Hotels der Stadt, in dem zahlreiche prominente Gäste abstiegen und das auch von Kaiser Wilhelm II. geschätzt wurde. Bis das Haus in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs ausbrannte, konnte es seine Stellung in Berlin halten. Während der folgenden Jahre des DDR-Regimes wurden ein übriggebliebener Seitenflügel als Hotel sowie als Internat genutzt. Nach der Wende wurde das Hotel 1997 von der Kempinski-Gruppe wiedereröffnet. 2013 erzählte eine dreiteilige ZDF-TV-Produktion die Geschichte des Hauses. Web: www.kempinski.com

Passend dazu auf Youtube gefunden: Lucien Favre im Gespräch mit Axel Kruse (2008)Hertha verlängert Vertrag mit Lucien Favre bis 2011 / Heine wird Interimstrainer bei Hertha BSC / Zusammenschnitt der Adlon-PK

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Reichstag (www.bundestag.de, Platz der Republik 1, 5 Min.)
  • Bundeskanzleramt (www.bundesregierung.de, Willy-Brandt-Straße 1, 10 Min.)
  • Siegessäule (Straße des 17. Juni/Großer Stern, 15 Min.)
  • Brandenburger Tor (Pariser Platz)
  • Gedenkort Weiße Kreuze für bei Fluchtversuchen an der Berliner Mauer ums Leben gekommene Personen (5 Min.)
  • Forum Willy Brandt (www.willy-brandt.org, Unter den Linden 62-68, 5 Min.)

 

→ Vom Brandenburger Tor gehen wir die Ebertstraße entlang bis zum Reichstag und steigen in den Bus Nr. 100 ein (Fahrtrichtung Zoologischer Garten) bis zur Station Lützowplatz. Von dort gehen wir zum Spreeufer und folgen dem Lützowufer bis zur Hausnummer 15. Wegzeit: 20 Minuten

 
Station 3 (Pokalfinale 1995): Grand Hotel Esplanade, Lützowufer 15 (Mitte)

Grand Hotel Esplanade, ©bundesligaindeinerstadt.de

Grand Hotel Esplanade, ©bundesligaindeinerstadt.de

Das Halbfinale des DFB-Pokals im Jahr 1992 wird kein Borussia-Fan so schnell vergessen: Elfmeterkiller Uwe Kamps räumte die Leverkusener im Elfmeterschießen am Bökelberg fast im Alleingang aus dem Weg. Was danach im Endspiel im Berliner Olympiastadion gegen Hannover 96 folgte, soll hier nicht weiter thematisiert werden. Vom Halbfinale des DFB-Pokals im Jahr 1995 spricht dagegen heute kaum noch jemand (1:0 gegen Kaiserslautern n.V.). Kein Wunder, denn das anschließende Finale entschied die Borussia für sich.

Am Tag nach dem Halbfinale setzte ein lange nicht mehr gesehener Ansturm mit Kartenbestellungen in der Geschäftsstelle der Borussia ein. 14.750 Tickets erhielt die Borussia vom DFB, die Karten wurden bis zur Verteilung vorsorglich in einem Banksafe aufbewahrt. „Wir kommen leider nicht daran vorbei, viele Anhänger enttäuschen zu müssen“, zeigte sich Manager Rolf Rüssmann in der Rheinischen Post zerknirscht. 3.000 der Karten gingen fix an das Fanprojekt, außerdem erhielt auch jedes Vereinsmitglied (Mitgliederstand 1995: 3.500) eine Karte fürs Finale. Weitere 15.000 Karten gingen an die „treuen“ Dauerkarteninhaber, es blieben also nicht mehr viele Karten für den freien Verkauf über. Die leer ausgegangenen Fans wichen daher auf Reiseveranstalter aus, die Tickets in Kombination mit Berlin-Reisen anboten. „Ich traute meinen Augen kaum. Als ich die Tür morgens aufschloß, strömten plötzlich jede Menge Leute in unseren Laden“, zeigte sich Gert Kartheuser vom First Reisebüro in der Bismarckstraße vom Ansturm überrascht.

Die Borussia reiste am Vortag nach Berlin und bezog ihr Quartier im Hotel Alpinia in Berlin-Mariendorf. Für Peter Wynhoff war es eine besondere Fahrt in die wiedervereinigte Stadt, denn „Glatze“ wurde in Berlin geboren. Seit 1989 spielte Wynhoff für die Borussia, zuvor kickte er in Berlin für den Spandauer SV und die Reinickendorfer Füchse. „Den Pokal im Olympiastadion in den Händen zu halten muß ein unbeschreibliches Gefühl sein, denn hier bin ich zu Hause. Ich fahre aber nicht mehr gerne nach Berlin, obwohl meine Verwandten noch hier wohnen“, sagte Wynhoff vor dem Finale zur Berliner Zeitung. Als Begründung sagte Wynhoff, dass es ihm in Berlin nach der Wiedervereinigung „viel zu voll“ geworden sei und er nur noch zu Weihnachten auf Besuch nach Berlin komme.

Ziemlich voll dürfte es auch beim Fest in den BKA-Zelten am heutigen Potsdamer Platz gewesen sein, das Borussias Fanprojekt gemeinsam mit dem Fanclub Spreeborussen organisierte. Weitere Fan-Treffpunkte waren der Kudamm, die Gedächtniskirche und der von Christo verhüllte Reichstag. Als das Spiel um 18 Uhr von Schiedsrichter Eugen Striegel (er leitete an diesem Tag sein letztes Fußballspiel) vor 75.000 Zuschauern (darunter 40.000 Gladbach-Fans) angepfiffen wurde, fehlte übrigens eine Gladbach-Ikone im Stadion. Berti Vogts verzichtete auf seine Eintrittskarte und hielt sich vom Ort des Geschehens fern. Der Grund: 1992 war Vogts im Stadion, als Borussia das Finale gegen Hannover 96 im Elfmeterschießen verlor. Ob Vogts‘ Fehlen schließlich der Grund für Gladbachs Sieg 1995 war oder vielleicht doch die gute Leistung der Mannschaft – einerlei. Am Ende zählte für Team, Trainer und Fans ausschließlich das Ergebnis und das sprach eine klare Sprache.

Für die drei Tore gegen den Vfl Wolfsburg, der in der Saison 1994/95 nur knapp den Aufstieg in die 1. Bundesliga verpasste, sorgten Martin Dahlin in der 13. Minute nach einem Freistoß von Thomas Kastenmaier, Stefan Effenberg in der 61. Minute (Vorarbeit: Heiko Herrlich) sowie Heiko Herrlich nach einem „brillianten“ Zuspiel von Peter Wynhoff. Nach sechzehn Jahren holte Borussia Mönchengladbach wieder einen Titel an den Niederrhein. Unter den Borussen brach kollektive Freude aus, lediglich Ersatztorhüter Jörg Kässmann wurde am Jubeln gehindert, da ihn Zivilpolizisten für einen auf das Feld gestürmten Fan hielten und vorübergehend in ihre Gewalt brachten. Erst ein Hinweis auf die an seinen Füßen befindlichen Fußballschuhe und Zeugenaussagen von Mitspielern, die glaubwürdig versichern konnten, Kässmann auch das ein oder andere Mal während des Trainings und auf der Busfahrt nach Berlin gesehen zu haben, konnten die Polizisten davon überzeugen, dass Kässmann tatsächlich auf den Rasen und nicht auf die Zuschauerränge gehörte.

Der von Kapitän Michael Klinkert in den Berliner Nachthimmel gehobene DFB-Pokal markierte am 24. Juni 1995 den Höhepunkt des sportlichen Zwischenhochs, das Borussia Mönchengladbach in den 1990ern erleben durfte. „Als ich die Trophäe in die Höhe strecke, explodiert die Masse von Menschen im Olympiastadion. Ein ohrenbetäubender Lärm, ich hab‘ eine Gänsehaut“, erinnert sich Michael Klinkert. „Der alte Zopf ist ab, für uns hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Die Netzer, Vogts oder Wimmer sollen unvergessen bleiben, aber jetzt sind Effenberg, Herrlich und Dahlin die Stars“, freute sich Bernd Krauss nach dem Pokaltriumph. Ein mögliches Scheitern gegen Wolfsburg hatte Krauss nicht eingeplant. „Ich hab den Jungs gesagt, wir fahren da jetzt hin, hauen Wolfsburg weg, feiern ein bisschen und dann fahren wir mit dem Pokal wieder zurück. Ich habe da erst gar keine Bedenken aufkommen lassen, immerhin waren wir zu der Zeit super in Form“, erzählt Krauss. Nachsatz: „Aber das hätte natürlich auch in die Hose gehen können“, so Krauss, der schon 1992 als Co-Trainer dabei war und somit wusste, wie sich eine Finalniederlage gegen einen Zweitligisten anfühlt.

Nach dem Schlusspfiff ahnte Krauss wohl schon, was nun auf ihn zukam, denn er überreichte Handy, Feuerzeug und Portemonnaie zwecks sicherer Verwahrung Mannschaftsarzt Kurt Wiggering. Während sich Christian Hochstätter und Uwe Kamps gemeinsam auf den Weg zur Dopingkontrolle machten, beförderten die Spieler Bernd Krauss in voller Montur ins Entmüdungsbecken. Kalla Pflipsen ließ den Champagner quer durch die Kabine spritzen.

Bevor sich das Team an die Heimfahrt an den Rhein machte, wurde noch ausgiebig in Berlin gefeiert. Nach der Party im Stadion ging es für das Team erst zum obligatorischen Auftritt im Aktuellen Sport-Studio des ZDF und anschließend zum Empfang in das Hotel Esplanade am Landwehrkanal. Auf dem Weg dorthin kam der Bus wegen jubelnder Fans immer wieder zum Stillstand. „Der Bus fährt auf der Kantstraße Richtung Kudamm, vor uns eine Polizeieskorte. Wir reißen die Plastikluken aus dem Busdach. Martin, Uwe, Kalla und ich klettern durch die schmale Öffnung auf das Busdach, mit dem Pott natürlich. Plötzlich Stillstand. Die Fans in den Wagen vor uns halten mitten auf der Fahrbahn, trotz Polizei, egal“, wird sich Peter Wynhoff später erinnern.

Im schwarz-weiß-grün geschmückten Festsaal des Hotels angekommen, versuchte sich Stefan Effenberg mit der Frau von Trainer Krauss an einer eigenen Version von „Marmor, Stein und Eisen bricht“. „Das dürfte das Eis gebrochen haben, danach war Stimmung im Saal“, erzählt Bernd Krauss im Gespräch mit bundesligaindeinerstadt.de. Krauss selbst hat von der Feier übrigens nicht viel mitbekommen, da er die meiste Zeit mit Udo Lattek außerhalb des Festsaals verbracht hat. Den Spruch des Abends lieferte zur Freude des Trikotsponsors der Präsident höchstpersönlich: „Ich glaub‘, ich bin bediebelt“, wird Karl-Heinz Drygalsky im Buch „Unser Pokalsieg ’95“ (Powerplay Verlag) von Ralf Grengel und René Hiepen zitiert.

 

Die Gladbacher Aufstellung im Pokalfinale 1995: Kamps – Kastenmaier, Klinkert, Andersson, Neun – Hochstätter (66. Fach) – Effenberg, Pflipsen, Wynhoff (88. Stadler) – Herrlich, Dahlin. Auf dem Weg ins Pokalfinale wurden folgende Vereine ausgeschaltet: Greifswalder SC, Kickers Offenbach, FSV Mainz 05, Schalke 04, 1. FC Kaiserslautern

Bis zum 2. Weltkrieg befand sich das Grand Hotel Esplanade am Potsdamer Platz, bei Luftangriffen wurden große Teile davon zerstört. Das heutige Grand Hotel Esplanade (7 Geschosse, 394 Zimmer) wurde 1988 am Lützowufer eröffnet.
Der Innenbereich entspricht heute nicht mehr dem Stand, wie ihn die Borussia zur Pokalfeier 1995 vorfand, im Jahr 2007 erfolgte eine Umgestaltung. Web: www.esplanade.de

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: Elfmeterschießen Pokalfinale 1992 /  Zusammenfassung der Tore des 95er Pokalfinales / Kurz nach dem Schlusspfiff im Stadion / Empfang der Pokalsieger am Alten Markt

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Bauhaus-Archiv Museum für Gestaltung (www.bauhaus.de, Klingelhöferstrasse 15, 5 Min.)
  • Freunde von Botschaftsgebäuden werden im gegenüber dem Landwehrkanal befindlichen Viertel voll auf ihre Kosten kommen
  • Folgt man dem Lützowufer, wird auf der anderen Kanalseite das Verteidigungsministerium sichtbar (Bendlerblock mit Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Stauffenbergstraße 18, 10 Min.)

 

→ Es geht zurück zur Bushaltestelle Lützowplaz, von dort fahren wir mit der Linie 100 weiter bis zur Haltestelle Zoologischer Garten Bhf. Dort nehmen wir die S5 in Richtung Spandau und fahren bis zur Haltestelle Pichelsberg, von dort gehen wir die Schwindter Allee entlang und biegen rechts in die Angerburger Allee ein. Wegzeit: 45 Minuten

 

 

Station 4 (Wolfgang Kleff & Gregor Quasten): Angerburger Allee 17 (Charlottenburg-Wilmersdorf)

Wohnblock in der Angerburger Allee, ©bundesligaindeinerstadt.de

Wohnblock in der Angerburger Allee, ©bundesligaindeinerstadt.de

Zweimal in seiner Karriere stieg Torhüter Wolfgang Kleff mit einem Team ab. Einmal am Ende seiner Karriere, als er (gemeinsam mit Christian Kulik und Klaus Toppmöller) als 40-Jähriger den FSV Salmrohr nicht vor dem Gang in die Drittklassigkeit bewahren konnte. Und einmal mit Hertha BSC in der Saison 1979/80.

In sieben seiner elf Spielzeiten bei Borussia absolvierte Wolfgang Kleff zwischen 1968 und 1978 alle 34 Ligaspiele für Borussia Mönchengladbach. In der Saison 1978/79 kam der damals 32-Jährige, auch aufgrund einer doppelseitigen Leistenoperation, hingegen nur noch auf einen Einsatz. Coach Udo Lattek vertraute in dieser Saison, die Gladbach nur auf Platz Zehn abschloss, dem sechs Jahre jüngeren Wolfgang Kneib. Auch in den beiden Europacup-Finalspielen gegen Roter Stern Belgrad hütete Kneib das Tor der Borussen. Für Kleff Grund genug, sich über einen Ortswechsel Gedanken zu machen. „Wenn ich auch glaube, meine Leistung gehalten zu haben, so hat doch meine sportliche Karriere einen Knick. Grashoff kann mir keinen weiteren Vertrag garantieren. Ich werde nicht bis zum letzten Tag warten und ‚bitte bitte‘ sagen. Also gehe ich auf jeden Fall ins Ausland“, erklärte Kleff im Kicker. Nachtragend sei er nicht, zumal Kneib ja seine Zukunft noch vor sich habe.
Was genau Kleff im Gespräch mit dem Kicker unter „Ausland“ verstand, ist nicht überliefert, Gerüchte rangen sich um ein Engagement in Chicago.

Geworden ist es dann mit Hertha BSC Berlin ein Verein, der zumindest einen gewissen exterritorialen Charakter vorweisen konnte. Der Transfer mit der in der Vorsaison auf dem 14. Platz gelegenen Hertha wurde im Juni 1979 in trockene Tücher gebracht, Kleff wurde für eine Ablöse von 150.000 D-Mark Nachfolger des nach Schalke zurückgekehrten Norbert Nigbur. Kleff sollte der viertschlechtesten Abwehr der Bundesliga zu mehr Stabilität verhelfen.

Bei Hertha musste sich Kleff aber erst mal gegen den zweiten Torhüter Manfred Werner beweisen, der zuvor in drei Spielzeiten kein einziges Ligaspiel für die Hertha zwischen den Pfosten stand und nun seine große Chance witterte. Um den internen Konkurrenten auszustechen, schonte sich Kleff im Training nicht. „Ich komme mir vor wie ein Langstreckenläufer. Meine Muskeln sind so beansprucht, dass ich nach einem Schussversuch sofort eine schmerzhafte Verhärtung bekam. Aber ich quäle mich, weil ich noch einmal auf mich aufmerksam machen will. Mein Ziel ist es, in der Bundesliga erneut Fuß zu fassen“, gab sich Kleff motiviert. Den vereinsinternen Kampf gegen Werner hatte Kleff spätestens nach dem ersten Bundesligaspiel gegen Braunschweig gewonnen (0:0), in dem Kleff von den Medien Bestnoten erhielt. „Gewonnen hat für Hertha auf jeden Fall die Hintermannschaft den Punkt: mit einem Kleff in Superform“, hielt der Kicker damals fest.

Den ersten Saisonsieg feierte die Hertha ausgerechnet gegen Kleffs Ex-Klub Borussia Mönchengladbach (3:1 am 5. Spieltag). Zuvor hatte sich Kleff noch über die damals schon sehr aufmerksame Berliner Medienlandschaft beschwert. „Geht von uns mal einer in ein Lokal zum Essen, dann heißt es gleich: ‚Da sieht man, wie ihr euch in Form haltet. Da sind Niederlagen kein Wunder.’“ Mit dem Sieg gegen Gladbach hielt Hertha Anschluss in der Tabelle. Das sportliche Zwischenhoch sollte auch am folgenden Spieltag anhalten, als die Hertha bei den Bayern ein 1:1 erreichte und Kleff erneut für seine Leistung bejubelt wurde. Einhelliger Tenor: Sollten Hertha in dieser Saison ernste Abstiegssorgen plagen, am Torwart würde es bestimmt nicht liegen. Und Kleff, der auch ein bisschen Stimmung in die Berliner Truppe brachte, zeigte sich mit seiner Entscheidung für die Hertha sehr zufrieden. „Mir scheint, die Berliner Luft bekommt mir ausgesprochen gut“, so Kleff.

Doch die Luft wurde für die Hertha zunehmend dünner, am Ende der Hinrunde fand sich der Klub mit lediglich elf Punkten (nach heutiger 3-Punkte-Rechnung 14 Punkte) hinter Duisburg und Braunschweig am Tabellenende wieder. Auffallend: In den bis dato neun verlorenen Spielen fing sich Kleff fast immer mindestens zwei Tore (Highlights: 0:5 gegen Stuttgart, 1:4 Dortmund, 1:3 Uerdingen, 0:5 HSV, 0:4 Kaiserslautern). Auch nicht gerade stabilitätsfördernd: Im Dezember wurde nach der Entlassung von Kuno Klötzer und dem kurzen Gastspiel von Hans Eder mit Helmut Kronsbein bereits der dritte Hertha-Trainer der Saison 79/80 präsentiert.

Mit neuem Elan sollte es in die Rückrunde gehen, um den drohenden Abstieg doch noch zu verhindern. Doch der neue Schwung war schnell wieder dahin, denn in der 2. Runde des DFB-Pokals kam die Hertha am 12. Januar 1980 vor eigenem Publikum gegen den Oberligisten (3. Leistungsstufe) TuS Langerwehe nicht über ein 0:0 hinaus, sodass ein Wiederholungsspiel notwendig wurde. Kleff reiste mit seinem Team also in die Eifel, wo das Spiel für den 29. Januar angesetzt wurde.

Die Hertha ging standesgemäß durch Hans-Joachim Förster in Führung und hatte eine Reihe weiterer guter Torchancen, doch kurz nach der Pause gelang dem Gastgeber der Ausgleich. In der 88. Minute fiel schließlich vor 10.000 Zuschauern der 2:1-Siegtreffer für Langerwehe durch Andreas Stump. Herthas Libero Wolfgang Sidka hatte sich den Ball ein bisschen zu weit vorgelegt, „da hab ich ihm dem Ball vom Fuß gespitzelt“, schilderte der Torschütze gegenüber den Aachener Nachrichten die spielentscheidende Szene. Am „verdutzten“ Wolfgang Kleff vorbei sei der Ball dann ins Tor gerollt. Für Langerwehe ein Volksfest („da war Karneval in jeder Kneipe“), für die Hertha ein moralisches Desaster, das schwer auf dem Team lasten sollte.

Der Rest der Bundesliga-Saison war ein Auf und Ab, hohe Siege wechselten sich mit hohen Niederlagen (1:4 in Mönchengladbach) und obwohl Torhüter bei deftigen Niederlagen in aller Regel nicht viel Lob abbekommen, erhielt Wolfgang Kleff selbst nach einer 0:4-Niederlage im Mai gegen Fortuna Düsseldorf noch gute Noten. Zu diesem Zeitpunkt war für Kleff jedoch schon klar, dass er die Hertha nach dieser Saison verlassen würde, er habe „ernsthaften Kontakt zu einem Bundesligaverein“. Auch ein Schlussspurt mit fünf Siegen aus den letzten sieben Spielen sowie dem 4:2 am letzten Spieltag gegen den VfB Stuttgart halfen der Hertha nicht mehr. Letztlich entschieden zwei Tore zugunsten der punktegleichen Uerdinger, gemeinsam mit Braunschweig und Werder Bremen stieg die Hertha ab.

Und Wolfgang Kleff? Der einigte sich innerhalb von wenigen Tagen mit seinem „neuen“ Verein. Im Sommer 1980 wurden die Umzugskartons in seiner Wohnung in der Angerburger Allee gepackt, Ziel: Mönchengladbach. Seit Wochen habe bereits ein loser Kontakt mit Jupp Heynckes bestanden, der 1979 Udo Lattek beerbte. Dank einer von Helmut Grashoff in den Vertrag geschriebenen Klausel kam Kleff zum Nulltarif zurück zur Borussia, wo es sich Wolfgang Kneib aufgrund seiner hohen Forderungen und angeblicher Transferverhandlungen mit Eintracht Frankfurt mit der Klubführung verscherzt hatte.

Kleff war nicht der einzige Gladbacher Torwart, den es zu Hertha BCS verschlug. Gregor Quasten, zwischen 1971 und 1975 bei der Borussia Ersatztorwart hinter Wolfgang Kleff, kam nach einer Zwischenstation in Homburg 1980 für 270.000 Mark als Nachfolger von Kleff zur Hertha, wo er es in vier Jahren zu einem gewissen Kultstatus brachte. Die Fans pflegten „Hu hu Quasten“ zu rufen, worauf der Torhüter auch immer wieder mal gewunken haben soll. Als Fan von Gregor Quasten outete sich später der in Berlin aufgewachsene Richard Golz, Ex-Torwart von HSV und SC Freiburg. „Ich bin schon als Kind ins Olympiastadion gegangen, Unterrang Mitte. Mein Favorit war damals Gregor Quasten. Ich weiß noch, dass er ein silbernes Uhlsport-Trikot getragen hat. Das habe ich mir auch besorgt und mit rotem Edding das Sparkassenlogo vom Sponsor daraufgemalt“, so Golz im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Quasten etablierte sich rasch im Tor der Hertha, sehr zum Leidwesen des bereits von Wolfgang Kleff in die zweite Reihe gedrängten Ersatztorhüters Manfred Werner. Quasten erregte nicht nur durch seine verwandelten Elfmeter Aufsehen, sondern auch durch „Strafraum-Eskapaden im Stile von Peter ‚Radi‘ Radenkovic“. Als 1982 der Wiederaufstieg bereits feststand, unternahm Quasten zudem vor einem Auswärtsspiel in Worms eine Zechtour, woraufhin er von Trainer Gawliczek für das Spiel suspendiert wurde.

Ähnlich wie auch zuvor Kleff erhielt Quasten vor allem in der Hinrunde der Bundesligasaison 82/83 durchgehend gute Noten, obwohl sich die Hertha nur knapp über dem Strich halten konnte. Die Rückrunde verlief mit nur zwei Siegen desolat, sodass die Hertha erneut abstieg. Nach einer weiteren Saison für die Hertha in der 2. Liga wechselte Quasten schließlich zu Waldhof Mannheim.

Neuer Torhüter bei der Hertha wurde auch dieses Mal nicht der mittlerweile 33-jährige Manfred Werner, sondern ein gewisser Andreas Köpke.

 

Wolfgang Kleff (*1946 in Schwerte) kam über den VfL Schwerte 1968 zu Borusia Mönchengladbach. Bis 1979 sowie zwischen 1980 und 1982 absolvierte Kleff 321 Ligaspiele für die Borussia. Weitere Profi-Stationen neben Hertha BSC: Fortuna Düsseldorf, Rot-Weiß Oberhausen, VfL Bochum und FSV Salmrohr. Seinen Spitznamen „Otto“ verdankt Kleff der optischen Ähnlichkeit zu Komiker Otto Waalkes, 1985 spielte Kleff gar ein Otto-Double in „Otto – Der Film.

Gregor Quasten (*1952 in Mönchengladbach) spielte seit 1971 für Borussia Mönchengladbach, kam jedoch nie über den Status als Ersatztorwart hinter Wolfgang Kleff hinaus. 1975 erfolgte der Wechsel zum FC Homburg, wo Quasten in allen fünf Spielzeiten (2. Liga) Stammtorwart war. Nach seiner Zeit bei Hertha wechselte Quasten 1984 zu Waldhof Mannheim, ehe er seine Karriere in der Saison 1987/88 erneut beim FC Homburg ausklingen ließ. Gregor Quasten starb am 13. November 2004 an Krebs.

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: „Kitchentalk“ mit Wolfgang Kleff und Uwe Kamps (2014) / Wolfgang Kleff beim Spiel Fortuna Düsseldorf-1.FC Köln / Gregor Quasten in einem Spiel gegen den 1. FC Köln (1982) / Gregor Quasten in einem Spiel in Aachen (1981)

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

 

→ Zurück in die Schwindter Allee und schräg gegenüber den Dickensweg entlang. Links in die Passenheimer Straße bis wir rechts in die Jesse-Owens-Allee einbiegen, der wir (im weiteren Verlauf der Trakehner Allee) bis zum Olympiastadion entlang des Olympiageländes folgen. Wegzeit: 25 Min.

 

 

Station 5 (Tasmania 66 & Hertha 75 & Inter 71): Olympiastadion, Olympischer Platz (Charlottenburg-Wilmersdorf)

Berliner Olympiastadion, ©bundesligaindeinerstadt.de

Berliner Olympiastadion, ©bundesligaindeinerstadt.de

Mit einem 4:1-Heimsieg gegen Borussia Neunkirchen im Gepäck reiste Borussia Mönchengladbach im Januar 1966 nach Berlin. Der von Hennes Weisweiler trainierte Bundesliga-Aufsteiger hatte sich während der Hinrunde einen gediegenen Platz im Mittelfeld erkämpft, während Tasmania in ihrer bis heute berühmten Horror-Saison (2 Siege, 4 Unentschieden, Torverhältnis 15:108) hoffnungslos am Tabellenende herumkrebste. Bei Tasmania unter anderem damals mit dabei: Der legendäre Horst Szymaniak, der berühmt wurde, als er ein neues Vertragsangebot mit verbesserten Bedingungen wie folgt ablehnte: „Nur ein Drittel Gehalt mehr als vorher. Das ist zuwenig. Ich will mehr, mindestens ein Viertel mehr.“

Eine klare Ausgangssituation also, hier der ungestüme Aufsteiger vom Niederrhein, dort eine schon zur Winterpause quasi abgestiegene Berliner Truppe. Das dürften sich auch die Berliner Zuschauer gedacht haben, deren Interesse sich an diesem 15. Januar 1966 in Grenzen hielt. Ganze 827 Zuschauer seien „beim Nachzählen übrig geblieben“. Und das im weiten Rund des Olympiastadions – ein bis heute gültiger Zuschauer-Negativrekord in der Bundesliga, der seither maximal von Geisterspielen unterboten wurde, die der DFB nach Zuschauerausschreitungen als Strafe verhängte.
Ob für die Berliner Fußball-Fans damals das miserable Wetter oder die ähnlich trüben Leistungen der Tasmania ausschlaggebend waren, wird sich wohl nicht mehr klären lassen. Sie haben durch ihr Fernbleiben aber definitiv etwas verpasst, denn Tasmania erkämpfte einen ihrer am Saisonende insgesamt acht Punkte ausgerechnet an diesem Tag gegen Borussia Mönchengladbach.

Wie konnte das passieren? „Borussia hatte falsch gewachst“, stellte Sportreporter Günther „Micky“ Weise im Kicker fest. Zwar verwiesen nicht nur Gladbachs Verantwortliche, sondern auch die Medien auf den in denkbar schlechtem Zustand befindlichen Winterrasen des Olympiastadions, auf dem es sich einige Zentimeter Schnee gemütlich gemacht hatten. „Auf solchem Boden sollte man eigentlich nicht Fußball spielen“, maulte Hennes Weisweiler. Doch die Gladbacher unterschätzten den Gegner wohl auch ein wenig, schließlich hatte man das Hinspiel im Herbst noch deutlich mit 5:0 am Bökelberg für sich entschieden. „So präsentierte man sich im Olympiastadion mit langen Trainingshosen, die man, ähnlich wie beim Skilangläufer, in die Stutzen gesteckt hatte. Da schien schon vom äußerlichen her allerhand Entschlossenheit zu fehlen. Hinterher saßen die jungen Herren vom Niederrhein reichlich konsterniert auf ihren Bänken. Sie hatten wohl alle das fatale Gefühl, sich nicht mit Ruhm bedeckt zu haben“, schloss Weise seine Ausführungen.

Nach frostigen neunzig Minuten hieß es also 0:0. Auch von Spielmacher Günter Netzer war an diesem Tag nicht viel zu erwarten, obwohl „er den Ball zweifellos am elegantesten führte“. In der 70. Minute vergab er die größte Chance des Spiels, als er den Ball freistehend vor dem Tor am Pfosten vorbei ins Out bugsierte. So fuhr die Borussia nach ihrer Bundesliga-Premiere im Berliner Olympiastadion nur mit einem Punkt wieder nach Hause.

Immerhin gestaltete sich die Heimreise 1971 nach dem Tasmania-Spiel halbwegs reibungslos, denn nach der 1:2-Niederlage gegen Hertha am 19. April 1975 vergaß die Fohlen-Reisegesellschaft die Spielerpässe in Berlin. Glück im Unglück für Borussia: Ex-Borusse Luggi Müller hatte kurz darauf beruflich in Düsseldorf zu tun, kurzerhand brachte er die Pässe den Ex-Kollegen vorbei. Andernfalls wäre das Antreten Gladbachs im Halbfinale des UEFA-Pokals am folgenden Mittwoch gegen Köln wohl ernstlich in Gefahr geraten.

Doch das Spiel gegen Hertha war auch aus anderer Perspektive denkwürdig. Denn Schiedsrichter Biwersi verhängte einen Freistoß gegen Mönchengladbach, da Torhüter Wolfgang Kleff aus Sicht des Schiedsrichters das Spiel zu sehr verzögert haben soll. Der Kicker zitierte aus dem Regelwerk: „Ein Spieler, der als Torwart sich einer Taktik bedient, die nach Auffassung des Schiedsrichter allein dazu dient, das Spiel zu verzögern und dadurch Zeit zu vergeuden, um seiner eigenen Mannschaft einen unsportlichen Vorteil zu verschaffen, ist durch Erteilung eines indirekten Freistoßes zu bestrafen.“ Ein solcher Passus scheint im heutigen Regelwerk des DFB nicht mehr auf (stattdessen kommt die Gelbe Karte als Verwarnung zum Einsatz).

Unter ganz anderen Bedingungen trat Borussia am 1. Dezember 1971 im Olympiastadion an. Dieses Mal ging es jedoch nicht gegen einen Berliner Verein, sondern im Achtelfinale des Landesmeister-Cups gegen Inter Mailand. Wenige Wochen zuvor gab Roberto Boninsegna auf der Europacup-Bühne des Bökelbergs nach einem Büchsenwurf aus dem Publikum den sterbenden Schwan, weswegen die bis heute vielleicht beste Gladbacher Europacup-Leistung aller Zeiten (7:1) von der UEFA nicht gewertet wurde. Die italienische Corriere della Sera empfahl den Mailändern anschließend, „den Büchsenwerfer zum Ehrenmitglied“ zu ernennen. Die UEFA ordnete ein Wiederholungsspiel „auf neutralem Boden“ an.

Die Wahl fiel auf das West-Berliner Olympiastadion, in dem Inter Mailand bereits einige Jahre zuvor im Messepokal gegen Hertha BSC ungut aufgefallen war. Damals beschwerte sich Inter über die winterlichen Platzverhältnisse, doch Schiedsrichter Gilbert Droz aus der Schweiz stellte im Anschluss an eine Platzinspektion fest: „Der Platz ist in einwandfreiem Zustand. Ich kenne die Mätzchen der Italiener. Aber bei mir kommen sie damit nicht durch.“ Der tatsächliche Grund für die italienischen „Mätzchen“ lag laut Kicker vielmehr im verletzungsbedingten Fehlen dreier Spieler von Inter.

Nun kam es also zu einer Neuauflage des Hinspiels, der kurioserweise bereits das „Rückspiel“ in Mailand vorangegangen war. Mit 2:4 verlor die Borussia die von Inter sehr hart geführte Partie, „in schöner Regelmäßigkeit wälzten sich Borussen am Boden“. Der Kicker titelte „Fußball brutal! – Gladbach gnadenlos zusammengetreten“, insgesamt sechs Verletzte mussten vom Gladbacher Mannschaftsarzt (und Schatzmeister) Alfred Gerhards wieder zusammengeflickt werden. Ein Ziel der Mailänder Angriffe stellte unter anderem Ludwig „Luggi“ Müller dar, der von Büchsenwurf-Opfer Boninsegna ordentlich rangenommen wurde.

Den Ort der Neuaustragung kommentierte man seitens der Borussia positiv. „Wir sind gerne im Olympiastadion, dort mag man uns, das haben wir immer gemerkt“, erklärte Coach Hennes Weisweiler. Und Günther Netzer bat um Anfeuerung, „unsere etwas sensible Mannschaft läßt sich bestimmt durch sowas anregen. Vom Naturell her stehen uns Rheinländern die Berliner sehr nahe“. Keine große Freude hatten allerdings die Gladbacher Fans mit dem neuen Austragungsort, war West-Berlin damals doch durch die DDR vom Niederrhein getrennt. Trotzdem sollte versucht werden, unter andrem mit Bussen, Sonderzügen und Privatautos „möglichst viele Besucher vom Niederrhein ins Olympiastadion zu schaffen“. Die Kartenpreise betrugen zwischen 8 und 20 D-Mark, die Schwarzmarktpreise gingen bis zu 500 DM in die Höhe. Gehofft wurde auf 80.000 Zuschauer, die hinter der Borussia stehen sollten. Geworden sind es 84.000, die ersten 70.000 Tickets waren nach nur drei Stunden vergriffen. „Wir hätten mit diesem Spiel drei Olympiastadien füllen können“, erklärte Gladbach-Manager Helmut Grasshoff im Spiegel.

Neben den regulären Linienflügen sollen mehr als dreißig Chartermaschinen aus dem Rheinland Borussiafans nach Berlin transportiert haben. Das wäre auch heutzutage noch eine stattliche Anzahl, Anfang der 1970er Jahre aber glich dies einer schwarz-weiß-grünen Völkerwanderung über die Zonengrenzen hinweg. Sogar SED-Chef Erich Honecker wurde höchstpersönlich um Unterstützung gebeten, damit auch auf dem damals in Ost-Berlin befindlichen Flughafen Schönefeld Gladbach-Fans eingeflogen werden konnten. „Er habe empfohlen, kabelte Honecker, ‚Ihre Bitte zu erfüllen’“, hielt der Spiegel 1971 fest. Und auch die Medien stimmten sich auf das Spiel mit manchmal mehr und manchmal weniger gelungenen Geschichten ein. So zitierte der Spiegel aus italienischen Zeitungen, die behauptet hätten, „Günther Netzer hätte in seiner Mönchengladbacher Diskothek ‚Lovers Lane‘ die beiden italienischen Barkeeper hinausgeworfen und seinen Ferrari aus Wut über die Italiener verkauft. ‚Beides stimmt nicht‘, dementierte Netzer.“

Das Lazarett der Borussia hatte sich vor dem Wiederholungsspiel etwas gelichtet, „die vier Europapokalopfer von San Siro tragen keinen Gips mehr“ und auch das Mannschaftstraining bereitete kurz vor dem „Spiel des Jahres“ keine Probleme mehr. Borussia reiste bereits zwei Tage vor dem Spiel nach Berlin, Manager Helmut Grasshoff wollte damit eine entspannte Vorbereitung fördern. „Ich hoffe, daß uns die ‚Berliner Luft‘ besonders gut bekommt“, so Grasshoff. Die deftige Spielweise sollten die Italiener auch beim Spiel im Berliner Olympiastadion an den Tag legen, in dem Gladbach aufgrund der Niederlage in Mailand nun zwingend einen Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied brauchte. „Es verdiente die Bezeichnung Spiel nicht, die Mailänder traten nach allem, was sich bewegte, Sieloff vergab einen Elfmeter, andere Fouls wurden nicht geahndet. Und am Ende, als das 0:0 nahezu feststand und unser Scheitern auch, trat Boninsegna unserem Luggi Müller das Schienbein durch“, erinnerte sich später Günter Netzer in seiner Biografie (Aus der Tiefe des Raumes, Rowohlt). Den Gladbachern sei eine fiese Lektion erteilt worden, „wir hatten ein paar Lehrstunden in den Fächern Ausgebufftheit, Abgebrühtheit und Professionalität erhalten“.

Das 0:0 war gleichbedeutend mit dem Ausscheiden des deutschen Meisters aus Mönchengladbach, für Luggi Müller begann an diesem Berliner Winterabend eine fast einjährige Leidenszeit. Erst nach seinem Wechsel zu Hertha BSC sollte Müller – ausgerechnet im Berliner Olympiastadion – wieder regelmäßig und erfolgreich Fußball spielen (siehe Station 1 dieser Tour).

Profitiert hat die Borussia neben den gewonnenen Sympathien in Berlin auch finanziell. Rund 250.000 Mark erhielt die Borussia aus den Zuschauereinnahmen, weitere 100.000 DM sollen von der ARD für die Live-Fernsehübertragung in sechzehn Länder im Fernsehen geflossen sein. Umgerechnet in die heutige Kaufkraft entspricht das insgesamt einer stattlichen Summe von 720.000 Euro für die notorisch klamme Gladbacher Vereinskasse, zumal sich der Club durch das Unentschieden auch die ausgelobte Siegprämie in Höhe von 8.000 DM pro Spieler sparte (stattdessen gab es aber immerhin eine „Anerkennungsprämie“). Gepunktet hatte Gladbach aber auch mit seinem Auftreten in Berlin. Der Verein habe durch seine offene Art ein gutes Beispiel für andere Bundesligisten abgegeben. „So konnten denn alle Journalisten im ‚Schweizerhof‘, dem Quartier der Gladbacher ein- und ausgehen, konnten tun und lassen, was sie wollten“, staunte der Kicker. Die Borussia sei durch die Teilnahme am Europacup nicht nur sportlich gereift, „sondern auch in punkto Management cleverer geworden“.

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: Zusammenfassung Borussia-Inter 7:1 am Bökelberg / Zusammenfassung Inter-Borussia 4:2 (ital.) /

 

Das Olympiastadion wurde 1936 anlässlich der Olympischen Spiele eröffnet. Neben den Finalspielen um den DFB-Pokal 1992 und 1995 kam auch der hier gespielten Bundesligapartie zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach in der Saison 1974/75 große Bedeutung zu. Denn nach dem Zuschauerminusrekord gegen Tasmania Berlin 1966 stellte die Borussia bei ihrer 1:2-Niederlage am 19. April 1975 gegen Hertha fast einen neuen Zuschauerrekord auf. Inoffizielle Quellen gehen von bis zu 90.000 Zuschauern aus, offiziell wurden jedoch „nur“ 81.455 Zuschauer gezählt, wodurch der offizielle Rekord weiterhin der Partie Hertha-1.FC Köln aus dem Jahr 1969 gehört (88.075 Zuschauer). 1972 überlegte man bei der Borussia, die nach der Büchsenwurf-Affäre auch eine Heimsperre für ein Spiel aufgebrummt bekam, das Europapokal-Spiel gegen den FC Aberdeen „als Dank für die große Unterstützung der Berliner Zuschauer“ ebenfalls in Berlin auszutragen. Letztlich entschied man sich jedoch für das Nürnberger Stadion, wo man 6:3 gegen Aberdeen siegte.

 

Das gibt es hier außerdem zu sehen:

  • Stadion & Besucherzentrum des Olympiastadions (sehr empfehlenswert, www.olympiastadion-berlin.de). Es lohnt sich das Gelände rund um den Olympischen Platz in Augenschein zu nehmen, da sich hier zum Beispiel auch die olympischen Sportanlagen für Hockey und Tennis befinden (Schautafeln informieren über die Sportstätten).

→ Wir folgen der Olympischen Straße bis zur Reichsstraße. Rechts an der Ecke befindet sich das Wiener Caffeehaus. Wegzeit: 15 Minuten

 

 

Station 6: Wiener Conditorei Caffeehaus (André Winkhold), Reichsstraße 81, Charlottenburg-Wilmersdorf

Wiener Caffeehaus in der Reichsstraße 81, ©bundesligaindeinerstadt.de

Wiener Caffeehaus in der Reichsstraße 81, ©bundesligaindeinerstadt.de

Seinen Wechsel zur Borussia im Jahr 1985 hatte André Winkhold Herbert „Hacki“ Wimmer zu verdanken. Wie auch Wimmer startete Winkhold seine Karriere bei Borussia Brand in Aachen und Wimmer war es, der den Kontakt zum damaligen Borussen-Trainer Jupp Heynckes herstellte. Seinen ersten Pflichtspieleinsatz für Gladbach absolvierte Winkhold beim 4:0-Heimsieg gegen Schalke 04 am 17. August 1985. Es waren jene Jahre, in denen Gladbach nicht mehr ganz oben angreifen, sich aber immerhin regelmäßig für den Europapokal qualifizieren konnte.

Das Klima in Gladbach gefiel Winkhold auf Anhieb. „Zu unserer Zeit in Gladbach gab es einen sehr großen Zusammenhalt, die Bindung unter den Spielern war viel größer als heutzutage. Wenn ich nur an Hans-Jörg Criens, Hans-Georg Dreßen, Uwe Kamps oder Christian Hochstätter zurückdenke. Man hat sehr viel miteinander unternommen, auch außerhalb des Fußballs mit den Familien“, erinnert sich Winkhold gegenüber bundesligainmeinerstadt.de.

Fünf Jahre kickte Winkhold für die Borussia, insgesamt kam er für die Fohlen auf 128 Spiele. In der Saison 89/90 setzte ihn jedoch eine Verletzung außer Gefecht. „Da kam die Anfrage aus Berlin, die hatten keine gute Hinrunde gespielt nach ihrem Aufstieg in die Bundesliga. Ich wollte Spielpraxis haben und habe deshalb zugesagt.“ Für Winkhold bedeutete der Umzug nach Berlin ein „tolles Erlebnis. Ich bin ja gebürtig eigentlich aus der Eifel, bin also eher im ländlichen Raum groß geworden. Es war immer mein Ziel, mal in so einer Millionenstadt zu spielen“.

Seine erste Zeit in Berlin verbrachte Winkhold im Hotel Intercontinental in der Budapester Straße. „Das war auch später noch meine Lieblingsecke“, so Winkhold. In der Zeit um die Wende ist dem damals 28-Jährigen nicht nur der ein oder andere von Ost-Berlinern geplünderte Aldi-Supermarkt in Erinnerung geblieben, sondern auch Kommunikationsprobleme der ganz anderen Art. „Als ich in eine eigene Wohnung gezogen bin, brauchte ich natürlich einen Telefonanschluss. Aber wenn man keine Verbindungen zu jemandem hatte, musste man bis zu einem Jahr warten, weil die erst mal damit beschäftigt waren, die Anschlüsse im Osten zu legen.“

Drei Jahre blieb Winkhold bei Hertha BSC (92 Einsätze, 3 Tore), nach dem Abstieg gleich in seiner ersten Saison hängte er noch zwei Jahre in der 2. Bundesliga dran. Bei der Hertha legte Winkhold den Grundstein zu einer Statistik, die aus Gladbacher Sicht nur bedingt Anlass zur Freude gibt. Denn in all den Jahren nach seiner Zeit bei Borussia verlor Winkhold keinen einzigen direkten Vergleich mit der Borussia. „Wenn man in Gladbach gespielt hat, ist es natürlich ein besonderer Anreiz gewesen, zu zeigen was man drauf hat und dass sie mit mir vielleicht auch hätten weitermachen können. Für mich waren die Spiele gegen Gladbach immer etwas ganz Besonderes.“

Wenn Winkhold mit seinem Team gerade nicht im Fußball-Einsatz war, ging es tagsüber in das Wiener Caffeehaus in der Reichsstraße. „Da war auch Mario Basler mit von der Partie, wir sind dort sehr oft eingelaufen“. Abends ging es für den Jungen vom Land dann durch die Berliner Lokalszene. „Das war ja damals ein ganz anderer Lebensrhythmus als heute. Wir haben morgens trainiert, nachmittags bis Abends geschlafen und ab 22 Uhr ist man dann in die Stadt und hat die Nacht durchgemacht. Und am nächsten Morgen direkt wieder zum Training“, plaudert Winkhold aus dem Nähkästchen. In Zeiten, in denen noch nicht an jeder Ecke ein Fan mit seinem Handy lauerte, war das noch leicht möglich, zumal „auch die Presseleute mit um die Häuser gezogen sind“.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Winkhold der erste Auftritt des jungen Mario Basler, der 1991 von Rot-Weiss Essen zur Hertha wechselte. „Wir waren damals im Trainingslager und noch bevor wir Mario das erste Mal selbst zu Gesicht bekamen, haben wir in der Berliner Bild-Ausgabe ein Foto von Mario Basler gesehen, auf dem er mit einer Zigarette und einem Whiskey-Glas im Casino steht. Da hatten wir den noch nicht ein einziges Mal auf dem Platz gesehen“, so Winkhold.

Der Familie zuliebe wechselte Winkhold 1994 zurück ins Rheinland zu Fortuna Düsseldorf. Nach zwei weiteren Jahren bei Alemania Aachen beendete er 1999 in seiner Heimat seine aktive Karriere. Seine Auftritte in Gladbachs Legendenteam „Weisweiler-Elf“ hat Winkhold mittlerweile beendet. „Ich gehöre ja jener Generation an, die dort jetzt so langsam herausfällt“, erklärt Winkhold, der heute als Versicherungsfachmann tätig ist und im Jahr 2000 kurzzeitig nach dem Tod von Werner Fuchs das Traineramt bei der Alemannia übernahm. Das Trainergeschäft im Profifußball interessierte ihn aber auf Dauer nicht. „Ich habe schnell gemerkt, dass viele Vereine von Leuten geführt werden, die zwar in ihren Jobs top sind, aber im sportlichen Bereich null Ahnung haben. Wenn dann irgendein Spediteur im Verein sitzt, dem du als Trainer nicht gefällst, ist das eine schwierige Situation.“

 

André Winkhold (*1962 in Aachen) absolvierte insgesamt 185 Spiele in der Bundesliga sowie 100 Einsätze in der 2. Liga (10 Tore). Heute ist Winkhold als Trainer im Amateurbereich (JSV Wenau) tätig.

Das Wiener Caffeehaus ist Teil einer Café-Kette in Berlin. Bier 0,3l (Engelhardt) 3,30 Euro, Himmel und Erde 9,90 Euro. Öffnungszeiten: Mo-Fr 7:30-19 Uhr, Sa 8:30-19 Uhr, So+Feiertage 9:30-19 Uhr. www.wiener-conditorei.de

 

→ Wer sich im Café gestärkt und noch genug Zeit hat, kann sich natürlich direkt auf den Weg zur nächsten Station machen (Wegzeit 1:20 Std). Da das Stadion von Union Berlin jedoch ein bisschen außerhalb und zudem in sehr netter Umgebung liegt, lohnt sich auch ein eigener Ausflug.

 
Station 7 (Hans Meyer, Ausflugstipp): Stadion An Der Alten Försterei, An der Wuhlheide 263 (Treptow-Köpenick)

Stadion An Der Alten Försterei, ©bundesligaindeinerstadt.de

Stadion An Der Alten Försterei, ©bundesligaindeinerstadt.de

„Als Hans Meyer seine ersten Schritte an der neuen Wirkungsstätte tat, war sein Vorgänger schon nicht mehr in Berlin. Meyer führte erstmal individuelle Gespräche mit jedem seiner Kicker und freute sich über deren ‚Aufgeschlossenheit‘. Der neue Trainer kann bekanntermaßen sehr bestimmt und lautstark agieren.“ Mit diesen Worten stellte die Berliner Zeitung ihren Leserinnen und Lesern Hans Meyer als neuen Trainer in Berlin vor. Was gut und gerne auch ins Jahr 2004 gepasst hätte, zu dessen Beginn Hans Meyer in Berlin als Retter der Hertha präsentiert wurde, wurde tatsächlich neun Jahre zuvor geschrieben, als Hans Meyer bei Union Berlin die Nachfolge von Trainer Frank Engel antrat.

Vor dem Rückrundenstart der Saison 94/95 stand Engel in der Kritik, im Verein bangte man um den finanziell überlebenswichtigen Aufstieg in die 2. Bundesliga. Tatsächlich war Union unter Engel nach einigen Spieltagen an der Tabellenspitze zwischenzeitlich auf den 2. Platz zurückgefallen, man lag jedoch nur einen Punkt hinter Sachsen Leipzig. Und so hieß auch der Gegner am ersten Spieltag der Rückrunde. Unter Neo-Coach Hans Meyer schaffte Union in diesem Spitzenspiel ein leistungsgerechtes Remis, verpasste am Ende der Saison aber trotzdem den erhofften Aufstieg.

Somit blieb der finanzielle Planungsspielraum auch für die neue Saison äußerst übersichtlich, oder wie es der Tagesspiegel formulierte: „Bei Unions Heimspielen gehört doch mittlerweile auch der Gerichtsvollzieher zu den Stammbesuchern. Und der zahlt nicht wie die anderen Zuschauer am Kassenhäuschen brav sein Eintrittsgeld, sondern holt statt dessen die Einnahme ab, abgesegnet durch regelmässig wiederkehrende Pfändungsbeschlüsse.“ Langjährige Probleme mit dem Lizenzierungsverfahren des DFB ergaben sich da von ganz allein, mehrmals verweigerte der DFB Union in den Jahren zuvor den Aufstieg in die 2. Liga.

Keine leichten Rahmenbedingungen für Hans Meyer, der in der neuen Saison erneut das Ziel „Aufstieg in Liga Zwei“ umzusetzen hatte. Aus den ersten zehn Spielen holte Meyers neu zusammengestellte Truppe acht Siege und zwei Unentschieden, man rangierte in der Tabelle zwei Punkte hinter Tennis Borussia Berlin auf Platz zwei. Die Vorbereitungen auf das anstehende Spitzenspiel gegen TeBe liefen bereits auf vollen Touren, als die Union-Führung Hans Meyer plötzlich seines Amtes enthob. Berliner Medien spekulierten über Bruchstellen im Verhältnis zwischen Trainer, Manager und Präsident. Meyer soll unzufrieden darüber gewesen sei, dass der Verein wirtschaftlich zu wenig aus sich machte.

Das Team ließ sich von der kuriosen Absetzung des Cheftrainers nicht beeindrucken und grüßte nach einem trockenen 3:0-Sieg bei TeBe von der Tabellenspitze, wo man auch die Hinrunde beendete. Doch nach einem verpatzten Rückrundenstart verlor Union unter Übungsleiter Karsten Heine (der im März Meyer-Nachfolger Eckart Krautzun beerbte) die Tabellenführung und am Ende durfte sich statt Union Berlin Lokalrivale TeBe in den Entscheidungsspielen (erfolglos) um den Aufstieg in die 2. Liga bemühen. Nachdem sich Meyer mit dem Union-Management nicht auf eine „gütliche Einigung“ über seine Vertragsauflösung verständigen konnte, klagte der Coach seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Zu einem Wiedersehen kam es an der Alten Försterei sechs Jahre später im Halbfinale des DFB-Pokals. Hans Meyer amtierte seit 1999 als Trainer der zweitklassigen Gladbacher Borussia und das Losglück bescherte ihm eine Rückkehr zu seiner alten Wirkungsstätte in Berlin-Köpenick. „Gegen Union können wir nur verlieren“, erklärte Meyer nach der Auslosung im Dezember 2000, nachdem sich die Borussia im Viertelfinale mit 1:0 in Duisburg durchgesetzt hatte. Union schaltete in der Runde der letzten acht Mannschaften mit dem VfL Bochum einen Erstligisten aus und freute sich nach der Auslosung über das sportlich leichteste Los (im Topf waren neben Gladbach auch Stuttgart und der spätere Pokalsieger Schalke 04).

Eine Woche vor dem Halbfinale startete Gladbach mit einem 0:0 gegen Osnabrück in die Rückrunde der 2. Liga, in der man auf Platz 3 der Tabelle um den Aufstieg kämpfte. Angesprochen auf seine bevorstehende Rückkehr erklärte der Trainer in bewährter Meyer’scher Manier gegenüber der Berliner Zeitung: „Hören Sie auf mit dem sentimentalen Zeug. Ich empfinde nichts. Von damals ist nur noch der Tom Persich dabei. Bitte ersparen Sie mir jetzt das Gequatsche von der Reise in die Vergangenheit“.

Eine erneute Reise nach Berlin für ein etwaiges Finale konnte sich die Borussia dann auch sparen. Am 6. Februar, 23:06 Uhr, verwandelte Ronny Nikol den entscheidenden Elfmeter für Union, nachdem Torwart Sven Beuckert zuvor zwei Elfmeter der Borussen (Schützen: Arie van Lent und Max Eberl) gehalten hatte. Während der regulären Spielzeit erzielte Arie van Lent (jeweils nach Vorlage von Markus Hausweiler) nach einem anfänglichen 0:1-Rückstand zwei Tore in der regulären Spielzeit, die jedoch nicht fürs Weiterkommen reichten, da Steffen Menze in der 80. Minute das 2:2 köpfte. „Das war mein Mann, da muss ich hingehen“, gab Igor Demo im Anschluss seinen Fehler zu. Kurz vor Schluss hätte van Lent noch auf 3:2 stellen können, doch er traf nur den Pfosten.

„Ich habe immer gesagt, wenn man das Endspiel nicht erreicht, sollte man sich im Pokal schnell davonstehlen. Je weiter du kommst, umso mehr schmerzt das Ausscheiden. Eine Riesenchance für den Klub ist dahin. Gladbach hat Schulden und hätte sich im Finale etwas sanieren können. Das kann ja nun Union weiter tun“, sagte ein enttäuschter Hans Meyer nach der Niederlage zur Berliner Zeitung. Für beide Teams gab es am Ende der Saison aber zumindest ein Happy End im Ligaalltag. Dank des Aufstiegs der Borussia in die Bundesliga konnte Hans Meyer eine abermalige Dienstreise zur Alten Försterei verhindern, denn auch Union schaffte 2001 endlich den heiß ersehnten Aufstieg in die 2. Liga.

Meyers dritter sportlicher Berlin-Auftritt der vergangenen zwanzig Jahre folgte schließlich, wie einleitend bereits erwähnt, Anfang 2004. Als „Retter“ verließ Meyer seinen Posten als Chefscout bei der Borussia und übersiedelte an die Spree, wo er unter anderem auf den gebürtigen Berliner Thorben Marx sowie auf Nando Rafael traf. Mit zwei Punkten Rückstand auf Platz 15 logierte die Hertha in der Winterpause auf dem vorletzten Platz. Seine Vorschusslorbeeren als Retter rechtfertigte Meyer eindrucksvoll. Am letzten Spieltag der Saison, als in Mönchengladbach Tränen um den Bökelberg flossen, feierte Meyer in bester Borussen-Manier einen 3:1-Erfolg gegen Köln und landete in der Endabrechnung mit sieben Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone auf Platz 12. Und auch wenn das Saisonziel erreicht wurde, verzichteten die Berliner auf die Umsetzung einer Anregung, die Hans Meyer höchstselbst anlässlich seines Amtsantritts gab: „Wenn wir den Klassenerhalt schaffen, könnt ihr mich auf Händen durchs Brandenburger Tor tragen.“

 

Das Stadion An der Alten Försterei ist seit 1920 in Betrieb. Nach Fertigstellung der neuen Haupttribüne 2013 beträgt die aktuelle Kapazität 21.700 Plätze. Berühmtheit erlangte die tatkräftige Unterstützung der Union-Fans beim Ausbau des Stadions. Seit 2003 findet im Stadion auch das gemeinsame Weihnachtssingen der Union-Fans statt, während der WM 2014 wurden auf dem Stadionrasen Sitzgarnituren für ein Publicviewing-Event aufgestellt.

Hans Meyer (*1942 in Bílina) spielte 1963 bis 1969 für den FC Carl Zeiss Jena, wo er ab 1971 das Traineramt übernahm. 1981 erreichte er mit Jena das Finale im Europapokal der Pokalsieger (1:2 gegen Dinamo Tiflis). Weitere Trainerstationen: RW Erfurt, Chemnitzer FC, Union Berlin und Twente Enschede. 1999 kam Meyer zu Borussia Mönchengladbach und führte das Team 2001 zurück in die Bundesliga. 2009 rettete er den Verein vor dem drohenden Abstieg in die Zweitklassigkeit, dazwischen bewahrte er Hertha BSC vor dem Abstieg (2004) und wurde mit dem 1. FC Nürnberg Pokalsieger (2007). Seit 2011 ist Hans Meyer Mitglied im Präsidium von Borussia Mönchengladbach.

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

 

 

Weitere Orte in Berlin mit Bezug zu Borussia Mönchengladbach
– Max Schmeling Halle, Am Falkplatz (Pankow): Bei den jährlichen Hallenturnieren für Traditionsmannschaften („Ballett der Bäuche“, Tagesspiegel) spielt Peter Wynhoff, gebürtiger Berliner, regelmäßig für die Weißweiler-Elf.
Hotel Intercontinental, Budapester Straße 2 (Mitte): Das Hotel war in der Vergangenheit immer wieder ein beliebter Ort, um neu angekommene Trainer oder Spieler unterzubringen. Als André Winkhold 1990 zur Hertha wechselte, wohnte er in seiner ersten Zeit hier. Im Juni 2007 wohnte hier auch Coach Lucien Favre rund um seine Vorstellung als Hertha-Trainer.
– Hotel Schweizerhof, Budapester Straße 25 (Mitte): Hier residierte Gladbach vor dem Wiederholungsspiel im Olympiastadion gegen Inter Mailand 1971 (der Gegner aus Italien wohnte im Hotel Seehof am Lietzenseeufer) sowie auch später immer wieder (zum Beispiel während Berliner Hallenturnieren). Das heutige Gebäude entspricht jedoch nicht mehr dem Originalgebäude (Eröffnung 1966), sondern ist ein 1999 eröffneter Neubau. Im ursprünglichen Schweizerhof stiegen nicht nur Fußballteams ab, sondern zum Beispiel auch Dieter Thomas Heck, der während der Aufzeichnung der legendären ZDF Hitparade hier Hof gehalten hat.
– Flughafen Tegel (Reinickendorf): Ausgangspunkt der so genannten „Flugaffäre“ rund um Sebastian Deisler, der hier am 13. September 1999 den Flug seines Teams zum Champions League Spiel in Istanbul verpasste. Gemeinsam mit Tony Sanneh setzte sich Deisler abseits des restlichen Hertha-Teams in ein Café, in der Folge verwechselte er die Istanbul-Flüge auf der Anzeigetafel. Deislers Glück: In jener Maschine, die drei Stunden später ging, waren noch zwei Plätze frei.
Gendarmenmarkt (Mitte): Peer Kluge (2001-07 bei Borussia, 2012-14 bei Hertha BSC) empfiehlt diesen vom Französischen und Deutschen Dom sowie dem Konzerthaus umrahmten Platz für Restaurantbesuche, „da gibt es jede Menge Lokale ringsum und in jedes davon kann man sich bedenkenlos reinsetzen.“
Hertha Geschäftsstelle, Hanns-Braun Straße 2 (Charlottenburg-Wilmersdorf): Hier wurde Lucien Favre am 3. Juni 2007 der Öffentlichkeit als neuer Trainer von Hertha BSC vorgestellt. Abends ging es mit seiner Frau sowie Hertha-Präsident Gegenbauer und Dieter Hoeneß ins Ristorante La Cascina (Delbrückstraße 28). Im Mai 2012 wurde auch Jos Luhukay in den Räumlichkeiten der Geschäftsstelle vorgestellt, auch heute wohnt Luhukay noch in der Nähe der Hertha-Räumlichkeiten. Das Magazin 11Freunde befragte Luhukay im Oktober 2013, wie es ihm in Berlin geht. Antwort: „Hier ist alles sehr groß, sehr hoch, sehr massig. Da bin ich froh, wenn ich ein bis zwei Mal im Monat zu Hause bin und das Tempo drossele. In Venlo kann ich richtig durchatmen.“
– ASV Berlin, Lehrter Straße 59, (Mitte): Der 1937 in Berlin geborene Karl-Heinz Drygalsky (1972-92 Borussias Konditionstrainer, 92-97 Borussias Präsident) errang für den ASV Berlin 1958 und 1960 den Deutschen Titel im Mannschafts-Zehnkampf (Bestleistung über 7.100 Punkte).
– TSV Rudow, Neuköllner Straße 277 (Neukölln): Auf der Sportanlage des TSV Rudow spielte Christian Ziege während seiner Jugend. Zuvor hat Ziege beim heute aufgelösten Verein Südstern 08 Berlin als Torwart gekickt. Nach seiner Zeit beim TSV Rudow kam er über Hertha Zehlendorf zum FC Bayern München. Seine Profikarriere beendete Ziege 2005 bei Borussia Mönchengladbach, wo er anschließend bis 2008 als Trainer/Co-Trainer/Manager tätig blieb.
– Holiday Inn Siemensstadt, Rohrdamm 80 (Spandau): Hier hat sich Herthas Trainer Huub Stevens 2002 mit Benjamin Auer getroffen, der zum damaligen Zeitpunkt noch bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag stand. Im Tagesspiegel wurde über einen möglichen Wechsel Auers zur Hertha spekuliert, doch der damals 21-Jährige wechselte stattdessen zum FSV Mainz.
Hotel Alpinia, Säntisstraße 32-34 (Mariendorf): Hier nächtigte Borussia Mönchengladbach vor dem Pokalsieg 1995.
– Ernst Abbe Gymnasium, Sonnenallee 79 (Neukölln): Hier ging Christian Ziege zur Schule. Wenn mal geschwänzt wurde, verbrachte Ziege die Zeit mit seinen Freunden im 2014 geschlossenen Mövenpick-Restaurant im Europa-Center (Tauentzienstr. 9-12, ab Herbst 2014 zieht Vapiano in die ehemaligen Mövenpick-Räumlichkeiten).
– Dorint Novotel am Tiergarten, Straße des 17. Juni 106 (Mitte): Hier wohnten Favre und Raffael während ihrer ersten Zeit in Berlin. Raffael zog anschließend nach Dahlem, von dort zum Gendarmenmarkt und bis zu seinem Wechsel nach Kiew (2012) in einem Penthouse am Potsdamer Platz. Favre wohnte nach seiner Zeit im Hotel in Wilmersdorf.
Gustav Heinemann Gesamtschule, Waldsassener Straße 62 (Tempelhof-Schöneberg): Hier ging Thorben Marx zur Schule. Seine Fußballkarriere startete der Mittelfeldspieler beim Verein Stern Marienfelde (An der Dorfkirche 9). Über Hertha 03 Zehlendorf kam er 1999 zu Hertha-BSC. Anschließend spielte er für Arminia Bielefeld, bevor er 2009 zur Borussia wechselte.
Onkel-Tom-Straße 52a-54a, Geschäftsstelle von Hertha Zehlendorf (Steglitz-Zehlendorf): Im Vorfeld des Hallenturniers 1976 gab Borussia im damaligen Klubheim der Hertha eine Autogrammstunde für den Fußballnachwuchs und Waisenkinder.
Deutschlandhalle, Messedamm 26 (Charlottenburg-Wilmersdorf): Borussia nahm regelmäßig an den Berliner Hallenturnieren statt, die in der früheren Deutschlandhalle (heute steht hier ein Neubau namens City Cube) ausgetragen wurden. 1975 gewann die Borussia das Turnier im Finale gegen Fenerbahce Istanbul. Ein Jahr später belegte man hinter Hertha Platz zwei (Antrittsgage: 35.000 DM). Empörung herrschte anschließend bei den Gladbachern über Beschimpfungen der Berliner Fans im Spiel gegen Hertha. „Warum sind wir denn hier plötzlich so unbeliebt“, zeigte sich Uli Stielike ratlos. „Hier will man doch keinen guten Fußball, sondern nur Hertha siegen sehen. Da macht das Spielen keinen Spaß mehr“, war auch Berti Vogts not amused. Im Januar 1997 absolvierte Hannes Bongartz hier einen seiner ersten Auftritte als Gladbacher Trainer, 1995 stellte Union Berlin Präsident Horst Kahstein im Rahmen des hier stattfindenden Hertha-Turniers den Kontakt mit Unions späterem Trainer Hans Meyer her.

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