Hamburg für Fans des FC Bayern

(Stand: August 2014)

 

„Die Alster im Sommer mit den Segelbooten ist einmalig.“
(Hasan Salihamidzic am 27. August 2013 in der Welt)

 
München-Hamburg
Entfernung (Luftlinie): 612,21 Kilometer
Entfernung Allianz Arena – Imtech Arena (Auto): 772 Kilometer/Fahrtzeit: 7:34 Stunden
Entfernung Allianz Arena – Millerntor (Auto): Fahrtzeit:765 Kilometer/Fahrtzeit: 7:37 Stunden
Anreise per Bahn: 5:52 Std (direkt)
Anreise per Flugzeug: 20x täglich direkt
Offizielle FC Bayern-Fanclubs in Hamburg (6): Bayern Supporters Hamburg, Deich-Sportfreunde (www.deichsport-freunde.de.vu), Di Hummel Boarn, FC Bayern Fanclub Hamburg (www.fcbfanclubhh.de), Flachland Bazis, Red North Bazis
Befriedigung bayrischer kulinarischer Sehnsüchte in Hamburg: Hofbräuhaus Hamburg (Esplanade 6, www.hamburg-hofbraeuhaus.de, Weißwürstl 5,60 Euro), Paulaners (Großneumarkt 1, Weißwürstl 4,50 Euro, www.paulaners-hamburg.de)Bayrisch Zell (Millerntorplatz 1, www.bayrischzell-hamburg.de, Weißwürstl 4,90 Euro)
Bevorzugte Wohnadressen für FCB-Fans, die nach Hamburg ziehen wollen: Bayernweg (Niendorf), Meistertwiete (Othmarschen), Müllerweide (Poppenbüttel), Schwarzenbeker Ring (Rahlstedt)
„Münchner“ in Hamburg: Markus Babbel, Franz Beckenbauer, Armin Eck, Thorsten Fink, Franz Gerber, Paulo Guerrero, Marcel Jansen, Martin Jol, Bruno Labbadia, Oliver Kreuzer, Thomas Meggle, Branko Zebec, Ze Roberto
„Hamburger“ beim FC Bayern: Andreas Brehme, Jörg Butt, Stefan Effenberg, Wahid Hashemian, Walter Junghans, Niko Kovac, Felix Magath, Ivica Olic, Erich Ribbeck, Hasan Salihamidzic, Piotr Trochowski, Daniel van Buyten

 

Spielhistorie HSV/St. Pauli vs. FC Bayern München
Hamburg ist für den FC Bayern nicht erst in den letzten beiden Spielzeiten ein gutes Pflaster. Die Bilanz der letzten drei Treffen im HSV-Stadion aus Münchener Sicht: 3 Siege, 21:1 Tore. Das ist kein neues Phänomen, auch in der Vergangenheit kam der HSV im eigenen Stadion gegen die Bayern mitunter derb unter die Räder. Schon das erste Aufeinandertreffen in der Bundesliga entschieden die Bayern 1965 mit 4:0 für sich. Weitere Kantersiege folgten in den 1970ern: 5:1 (1970), 4:1 (1971) und 5:0 (1974). Zum damaligen Zeitpunkt galten die Bayern als Angstgegner für den HSV, Gerd Müller freute sich immer ganz besonders auf die torreichen Spiele an der Elbe. Ähnlich hoch konnten sich die Hamburger jedoch 1977 (5:0) und 1981 (4:1) revanchieren. Der letzte Heimsieg gegen die Bayern datiert derzeit aus dem Jahr 2009 (1:0). Wenig Freude hatten die Fans des HSV mit dem FC Bayern zudem in der Saison 2013/14, denn in dieser Saison knackten die Münchner den Uraltrekord des HSV in punkto „ungeschlagene Spiele in der Bundesliga“. Diesen hielt der HSV seit der Saison 82/83 mit 36 Spielen. Die Bayern schraubten diese Marke bis zum 28. Spieltag der Saison 2013/14 auf 55 Spiele hoch.
Gegen den FC St. Pauli sieht die Bilanz des FC Bayern noch besser aus. In 13 Spielen vor eigenem Publikum konnte St. Pauli nur zweimal gewinnen: 1949 und im legendären Weltpokalsiegerbesieger-Spiel von 2002 (2:1).

 

Auf sieben Stationen geht es für Fans des FC Bayern durch Hamburg. ©d-maps.com/bundesligaindeinerstadt.de

Auf sieben Stationen geht es für Fans des FC Bayern durch Hamburg. ©d-maps.com/bundesligaindeinerstadt.de

„2 Münchner in Hamburg“, so lautete der Titel einer Serie, die 1989 im ZDF startete. Uschi Glas und Elmar Wepper spielten darin zwei Bankiers, die vom Stammhaus ihres bayrischen Arbeitgebers nach Hamburg versetzt werden. Ob Armin Eck, der ebenfalls 1989 von München nach Hamburg wechselte, ein Faible für die Serie hatte, ist nicht bekannt. Sehr wohl bekannt ist aber, dass es zwischen dem Rekordmeister im Süden und dem Bundesliga-Dino im Norden über all die Bundesligajahre hinweg sehr viele Personalwechsel und noch viel mehr großartige Duelle gegeben hat. Von einigen dieser Fußballreisenden und legendären Spiele soll hier erzählt werden. Vergessen wird dabei natürlich auch nicht auf die Weltpokalsiegerbesieger vom Millerntor.

 

 

Für Fans des FC Bayern geht es auf sieben Stationen durch Hamburg: Steilshooper Straße 210 (1/Andreas Brehme), Rothenbaumchaussee 115 (2/Branko Zebec), Millerntor-Stadion (3/Weltpokalsiegerbesieger 2002), Hotel Commodore (4/Piotr Trochowski), Fischereihafenrestaurant (5/Franz Beckenbauer), Rathaus Altona (6/Felix Magath), Imtech-Arena (7/Meisterschaft 2001)
Gesamtdauer der Tour: 2:35 Stunden (ohne Verweildauer)

 

→ Los geht’s in der Steilshooper Straße 210. Hier befindet sich der Wilhelm-Rupprecht-Platz, auf dem Andreas Brehme während seiner Zeit beim HSV Barmbek-Uhlenhorst gespielt hat. Zu erreichen per Bus (177 & 277) sowie U3 (Haltestelle Habichtstraße).

 

 

Station 1 (Andreas Brehme): Wilhelm-Rupprecht-Platz, Steilshooper Straße 210 (Hamburg-Nord)

Wilhelm-Rupprecht-Platz, ©bundesligaindeinerstadt.de

Wilhelm-Rupprecht-Platz, ©bundesligaindeinerstadt.de

1965 traf Andreas Brehme als kleiner Knirps den großen Uwe Seeler. Brehmes Jugendverein Barmbek-Uhlenhorst spielte anlässlich der Einweihung des neuen Rasenplatzes gegen den großen Hamburger SV. Vor dem Spiel durfte der kleine Andy den Kapitän des HSV, den noch viel größeren Uwe Seeler, per Handschlag begrüßen und ihm den Wimpel überreichen. „Das war eine Auszeichnung. Neben Uwe Seeler zu stehen, das hatte schon immer was Gutes“, erinnerte sich Brehme im Mai 2000 im Tagesspiegel an die denkwürdige Zusammenkunft. Als Andreas Brehme, Jahrgang 1960, seine Fußballschuhe für den HSV Barmbek-Uhlenhorst (BU) schnürte, galt der Verein als dritte Kraft in Hamburg, hinter dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli. 1974/75 spielte der Klub gar in der 2. Bundesliga, stieg aber nach einer Saison wieder ab.

Andreas Brehme, in Barmbek geboren und aufgewachsen, kam im Alter von fünf Jahren zu BU. Brehme wurde in eine fußballverrückte Familie hineingeboren. Sein Vater spielte für BU in Ober- und Regionalliga und war später als Trainer bei BU tätig. So wurde Andi Brehmes Vater auch gleichzeitig sein erster Trainer. „Er war ein harter Trainer, der sehr viel von mir verlangt hat, aber es hat sich letzten Endes doch ausgezahlt. Mein Vater hat mich zu dem gemacht, was dann schließlich aus mir geworden ist: ein Bundesliga-Profi, Nationalspieler und Weltmeister“, schreibt Andreas Brehme in seiner Biografie (Das war’s Freunde, Sportverlag Berlin).

Detlef Grandt, seit über vierzig Jahren Mitglied bei BU, erinnerte sich 2011 im Hamburger Abendblatt an so manch ungewöhnliche Trainingsmethode. So wurde Brehme von seinem Vater eine Bleiweste umgeschnallt, um anschließend Kopfbälle zu üben. Auch von frühen Interessenten am Talent Brehme wusste Grandt zu berichten. „1980 ließ Bielefelds Manager Willi Nolting Brehme beobachten. Wir waren damals drittklassig, die Arminia zweitklassig. Er ließ uns ausrichten, Brehme habe kein Zweitligaformat. Ich schickte ihm später ein Kunststoffgebiss mit der Aufforderung, sich damit selber in den Hintern zu beißen.“

Die Schulzeit brachte Andreas Brehme relativ geräuschlos und unauffällig hinter sich. Von der Appelhoff-Schule wechselte er 1973 auf die Fabriciusschule, die 1990 nach seinem verwandelten Elfmeter bei der WM in Rom sogar fast in „Andreas-Brehme-Schule“ umbenannt worden wäre. Der entsprechende Antrag wurde jedoch abgelehnt, seinem ehemaligen Sportlehrer gelang es aber immerhin, einen Andreas Brehme als „adidas-Pappkameraden“ in Lebensgröße zu ergattern und in der Schule aufzustellen. „Mehrfach wurde der ‚Papp-Brehme‘ bei Schulfesten als prominentester Schüler unserer Schule hervorgeholt und aufgestellt“, erinnerte sich später Ex-Pauker Gerd Sauerwein. Mit der Schulmannschaft nahm Brehme regelmäßig am „Block-House-Cup“ teil, einer Art inoffiziellen Hamburger Meisterschaft. Der Sieger durfte auf Einladung von Eugen Block, Besitzer der Block-House-Kette und des Elysée-Hotels, für zwei Wochen in die USA reisen. Es reichte für Brehme und seine Kollegen von der Fabriciusstraße jedoch nur bis zum Halbfinale.

Schon als Schüler zog es Brehme auch zum großen HSV ins Volksparkstadion, schließlich spielte der in der Bundesliga gegen die anderen großen Klubs. Als 19-jähriger BU-Stammspieler erhielt Brehme eine Einladung zum Probetraining beim Hamburger SV. Manager war zu der Zeit Günter Netzer, Trainer Branko Zebec. Allein diese Namen machten schon großen Eindruck auf den talentierten Spieler. „Ich war natürlich happy, unter Trainer Branko Zebec mit den großen Stars des HSV trainieren zu dürfen – und ich strengte mich wahnsinnig an. Ich wurde auch von den Spielern akzeptiert und von allen gut aufgenommen“, erinnert sich Brehme in seiner Biografie.
Doch Brehme sollte das Schicksal von vielen Hamburger Talenten der damaligen Zeit teilen müssen. Der HSV hatte eine so unverschämt gute Mannschaft, gespickt mit Stars á la Magath, Hrubesch und Keegan, dass für talentierte Nachwuchsspieler schlicht zu wenig Platz war. Nach sieben Wochen Probetraining bot Manager Günter Netzer dem jungen Andy einen Vertrag an, allerdings sollte er lediglich mit den Profis trainieren, zum Einsatz aber bei den Amateuren kommen. „Mein Vater war sofort gegen einen solchen Vertrag, weil ich ja bei Barmbek-Uhlenhorst bereits in der Regionalliga spielte und nun bei den Amateuren des HSV plötzlich in der Landesliga spielen sollte.“ Damit war das Kapitel HSV für Andreas Brehme geschlossen, nie wieder sollte er, der gebürtige Hamburger, das Trikot mit der HSV-Raute tragen.

Dass es dann doch relativ bald mit einem Wechsel in das Profigeschäft klappte, hat Brehme Felix Magath zu verdanken. Magath erkannte das Talent Brehmes und vermittelte ihn an den 1. FC Saarbrücken, wo auch Magath vor seiner Zeit beim HSV gekickt hat. Brehme entwickelte sich in der 2. Bundesliga rasch zum Stammspieler, erzielte drei Tore und kassierte sieben Gelbe Karten – mehr als jeder andere seiner Mitspieler.

Mit seinen guten Leistungen machte er Klubs aus der 1. Bundesliga auf sich aufmerksam und schon im Sommer 1981 ging der Traum Bundesligaspieler zu werden in Erfüllung. Der 1. FC Kaiserslautern verpflichtete Brehme. Am Betzenberg feierte er den endgültigen Durchbruch im Profigeschäft, 1986 erfolgte der Wechsel zum FC Bayern. „Im Verlauf der Saison habe ich mich entschieden, zu Bayern München zu gehen. Die Fans waren natürlich nicht einverstanden, daß ich ausgerechnet nach München wechsle. Für die Betzefans sind die Bayern ein rotes Tuch“, so Brehme. Doch die Fans reagierten fair.

Für den Hamburger stand die sportliche Herausforderung im Mittelpunkt seiner Wechselüberlegungen, „wenn du deutscher Meister werden willst, musst du zu Bayern München gehen.“ Kaiserslautern verlor Mitte der 1980er den Anschluss an die Bundesligaspitze. 1986 entgingen die Lauterer gar nur knapp den Relegationsspielen. „In der Saison hatte Andreas einen großen Anteil daran, daß wir nicht abgestiegen sind. Bis zur letzten Minute hat er sich für Lautern eingesetzt“, erinnert sich Ex-Mitspieler Axel Roos.

Seinen ersten Einsatz für die Bayern hatte Brehme am ersten Spieltag im Heimspiel gegen Dortmund (2:2). Gleich am zweiten Spieltag erzielte er gegen Düsseldorf sein erstes Tor im Trikot der Bayern. Seinen zweiten Treffer erzielte er im September gegen den HSV, wo Felix Magath mittlerweile als Manager arbeitete. In seiner ersten Saison feierte Brehme mit den Bayern den Meistertitel. 1988 reichte es hinter Werder Bremen nur zu Platz zwei, „für München ist das ja schon fast eine Katastrophe“. Im Pokal flogen die Münchner im Viertelfinale ausgerechnet beim Hamburger SV raus (1:2).

Der Wechsel zu Inter Mailand kam 1988 über Vermittlung von Lothar Matthäus zustande, Brehme war sich eigentlich zuvor schon mit Sampdoria Genua einig. Doch die Mailänder waren schneller und so ging Brehme gemeinsam mit Matthäus zu Inter. Über Saragossa kam Brehme schließlich zurück zu Kaiserslautern, wo er 1998 als Aufsteiger Meister wurde und seine aktive Karriere beendete. Zwischendurch wurde Brehme 1990 Weltmeister. „Nicht schlecht für einen Barmbeker Jung mit Hauptschulabschluss, oder“, zeigte er sich gegenüber dem Hamburger Abendblatt 2010 nicht ohne Stolz. Zum Abschluss seiner Karriere kam kein Geringerer als Uwe Seeler nach Kaiserslautern um Andreas Brehme zu verabschieden. So schloss sich ein Kreis, der 1965 bei Barmbek-Uhlenhorst begann.

 

Andreas Brehme (*1960 Hamburg) hat während seiner Jugendzeit beim HSV Barmbek-Uhlenhorst auf den Plätzen Langenfort und Meister-Franke-Straße gespielt. Als Ligaspieler war er auch auf dem Rasenplatz an der Steilshooper Straße aktiv. Von BU wechselte er 1980 nach Saarbrücken, über Kaiserslautern kam er 1986 zum FC Bayern. Für die Münchner spielte er in 59 Bundesliga-Partien und erzielte 7 Tore (insgesamt: 333 BL-Spiele/50 Tore). 1990 wurde Brehme mit der Nationalmannschaft Weltmeister und verwandelte dabei den entscheidenden Elfmeter im Finale gegen Argentinien. Kapitän Lothar Matthäus hatte sich zuvor „zum Mittelkreis verkochen“ (TV-O-Ton Gerd Rubenbauer).

 

Der Hamburger Sportverein Barmbek-Uhlenhorst wurde 1923 gegründet. Neben Andreas Brehme spielte hier unter anderem auch Gert „Charly“ Dörfel. 1975 gelang dem Verein der Aufstieg in die 2. Bundesliga, als abgeschlagener Tabellenletzter stieg BU jedoch sofort wieder ab. Seine Ligaspiele trug der Verein während der Saison in der 2. Bundesliga nicht auf dem vereinseigenen Wilhelm-Rupprecht-Platz (heutige Kapazität: 7.000) aus, sondern im heute nicht mehr existierenden Rothenbaum-Stadion, in dem auch der HSV früher spielte. Der Rupprecht-Platz diente 1973 als Kulisse für den Tatort „Platzverweis für Trimmel“.

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: Good Bye to Andreas Brehme / Uli Hoeneß und Andreas Brehme im vermeintlichen Zwiegespräch

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Museum der Arbeit (Erwachsene 7,50 Euro, Kinder frei), Wiesendamm 3, www.museum-der-arbeit.de (ca. 15 Min zu Fuß via Steilshooper Straße, Pestalozzistraße und Fuhlsbüttler Straße)
  • Stadtpark Hamburg mit Planetarium, www.hamburg.de/stadtpark (ca. 10 Min zu Fuß via Habichtstraße und Alte Wöhr)
  • Ohsldorfer Friedhof, mit 381 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt, www.friedhof-hamburg.de/ohlsdorf (ca. 20 Min zu Fuß via Habichtstraße und Fuhlsbüttler Straße)

 

→ Wir biegen links in die Steilshooper Straße und gehen bis zur Habichtstraße. Wiederum links befindet sich die U-Bahn-Haltestelle Habichtstraße. Mit der U3 geht es in Fahrtrichtung Schlump/Hbf Süd bis Kellinghusenstraße. Von dort nehmen wir die U1 (Fahrtrichtung Farmsen/Großhansdorf/Ohlstedt) und fahren bis zur Haltestelle Hallerstraße. Direkt an der Kreuzung Hallerstraße/Rothenbaumchaussee liegt das Gebäude mit der Adresse Rothenbaumchaussee 115. Früher stand hier die Geschäftsstelle des HSV (die „Löwenburg“), heute befindet sich hier das Restaurant Passione. Gegenüber, wo sich heute ein Medienzentrum befindet, war früher das Rothenbaum-Stadion des HSV. Wegzeit: 25 Min

 
Station 2 (Branko Zebec): Ehemalige HSV-Geschäftsstelle, Rothenbaumchaussee 115 (Eimsbüttel)

Heute Medienzentrum, früher Rothenbaumstadion. Direkt gegenüber befand sich früher die "Löwengrube" (Rothenbaumchaussee 115). ©bundesligaindeinerstadt.de

Heute Medienzentrum, früher Rothenbaumstadion. Direkt gegenüber befand sich früher die „Löwengrube“ (Rothenbaumchaussee 115). ©bundesligaindeinerstadt.de

Eigentlich war Branko Zebec 1978 ja nur dritte Wahl. Günter Netzer, seit wenigen Wochen an seinem Schreibtisch in der Rothenbaumchaussee 115 im Amt, musste nach der Entlassung von Özcan Arkoc („viel zu labil und weich um die Mannschaft zu bändigen“, O-Ton Netzer) einen neuen Trainer finden, der den HSV von Platz zehn wieder in Richtung internationales Geschäft bringen konnte. Als idealen Mann für diese Mission betrachtete Netzer bereits 1978 Ernst Happel. Zur damaligen Zeit pflegte der DFB sich aber mitunter quer zu legen, wenn es um die Verpflichtung eines ausländischen Trainers ging. Happel fehlte die Lizenz des DFB und auf eine Rückkehr auf die Schulbank hatte der damals für Rotterdam tätige Österreicher keine Lust.

Netzers zweite Option war mit Max Merkel ein weiterer Österreicher, der bereits mehrfach in Deutschland als Trainer gearbeitet hatte und dem zugetraut wurde, die HSV-Mannschaft auf Vordermann zu bringen. Doch Merkel machte einen Rückzieher und so rückte Branko Zebec in den Fokus, der gerade bei Eintracht Braunschweig arbeitete. „Zebec als Notlösung zu bezeichnen, wäre ungerecht. Er hatte 1969 den FC Bayern zur Meisterschaft geführt, zur ersten nach 1932, und er war, wie mir die Bayern in der Nationalmannschaft immer erzählt haben, ungemein beliebt bei den Spielern, weil seine Trainingsmethoden zwar hart, aber abwechslungsreich und effizient waren. Mit Zebec war Erfolg zu haben“, schreibt Günter Netzer über die Motive für die Zebec-Verpflichtung in seiner Biografie Aus der Tiefe des Raumes (Rowohlt). Netzer war sich schon damals bewusst, dass Zebec nicht nur ein großartiger Fußballtrainer, sondern auch ein Problem mit dem Alkohol hatte. „Ich hoffte, Zebec allein dadurch vom Alkohol fern halten zu können, dass ich ihm alle möglichen Probleme vom Hals hielt. Dass Sucht damit alleine nicht zu behandeln ist, wurde mir erst später klar“.

Die Hamburger starteten mit Zebec gut in die Saison 78/79, zu Weihnachten lag man hinter dem 1. FC Kaiserslautern auf Platz zwei. Gegen alle bisherigen Meister der 1970er gewann Zebec‘ Truppe: Mönchengladbach wurde gleich am ersten Spieltag zu Hause mit 3:0 besiegt, gegen Köln und München gewann man auswärts. Und auch die Spieler des Tabellenzweiten gaben sich zuversichtlich, dass der HSV 1979 erstmals seit 19 Jahren wieder deutscher Meister werden könnte. Das Erfolgsrezept umschrieb Manager Günter Netzer wie folgt: „Trainer Zebec hat eine homogene Mannschaft aufgebaut. Diese Einheit fehlte im letzten Jahr. Wir stützen uns auf Eckpfeiler wie Kargus, Kaltz und Keegan. Alle anderen sind willig und bereit, sich anzupassen. Einer vertraut dem anderen“, so Netzer im Februar 1979 im Kicker. Doch Branko Zebec traute dem Braten nicht, „ich will das Wort Meisterschaft gar nicht hören“. Grund für Zebec‘ Vorsicht: Vor Beginn der Rückrunde verletzte sich mit Peter Hidien eine wichtige Stütze der hervorragend eingespielten Abwehr und Jimmy Hartwig erlitt einen Meniskusschaden. Immerhin kehrte der nach einer Gelbsucht wieder einsatzbereite Felix Magath in der Kader zurück, der sich zwischenzeitlich die Zeit beim Hamburger Schach-Club vertrieb.

Doch der HSV kam nicht in Tritt, Verletzungen, Sperren und der durch den harten Winter aus dem Tritt geratene Terminplan brachten den HSV durcheinander. Mit einem Spiel weniger und fünf Punkten Rückstand auf Tabellenführer Kaiserslautern fand sich der HSV Anfang März nur noch auf Platz drei wieder. Alle Hoffnungen ruhten auf einem Spieler, der es am 20. Spieltag bereits zu acht (!) Einberufungen in die Kicker-Elf des Tages brachte: Kevin Keegan. Und der Engländer sollte die Erwartungen nicht enttäuschen. Beim 3:1-Auswärtssieg gegen Hertha BSC, der die Trendwende einleiten sollte, steuerte Keegan zwei Tore bei.

In den Spielen des Frühjahrs war dem HSV auch das Glück hold. Spielerisch enttäuschte das Team von Branko Zebec regelmäßig, die Mannschaft ließ jeden Anflug vom „Glanz eines Meisterschaftsaspiranten“ vermissen. „Wir mußten am Ende froh sein, überhaupt gewonnen zu haben. In der ersten Hälfte stand uns das Glück reichlich zur Seite. Daß der MSV kein Tor schoß, war fast ein Wunder“, erklärte Zebec nach dem 3:0 gegen Duisburg am 5. Mai 1979, bei dem der Gast aus NRW zahlreiche hochkarätige Chancen ausließ. Vor allem seine „Kamikaze“-Abwehr machte Zebec zu schaffen. Erst das 6:0 über Noch-Meister Köln im Nachholspiel am 8. Mai brachte die endgültige Wende im Meisterschaftskampf. Felix Magath schoss den sechsten und letzten Treffer, der HSV war „nicht wiederzuerkennen“. Perfekt machte der HSV die Meisterschaft Anfang Juni durch ein 0:0 auf der Bielefelder Alm, da Verfolger Stuttgart zeitgleich zu Hause gegen den 1. FC Köln mit 1:4 verlor.

Vor dem Spiel gegen die Bayern am letzten Spieltag der Saison 1978/79 stand der HSV also bereits als Meister fest. Der Zuschauerandrang war riesengroß, es stapelten sich die Kartenanfragen in der HSV-Geschäftsstelle in der Rothenbaumchaussee und das Volksparkstadion war mit 61.314 Zuschauern restlos ausverkauft. Doch das Ergebnis des Spiels (2:1 für den FCB) sollte an diesem 9. Juni 1979 zur Nebensache werden, denn tausende, teilweise alkoholisierte Fans, stürmten nach dem Match das Spielfeld. Im Stadion brach Chaos aus, insgesamt 71 Menschen wurden verletzt.

So feierte der HSV dank Trainer Zebec zwar seinen ersten Meistertitel seit 1960, doch Randale und Chaos sowie die Suche nach den „Rädelsführern“ bestimmten tagelang die Schlagzeilen. Als sich die Situation wieder beruhigte, wurde Zebec von den Medien aber doch noch als Meistermacher gefeiert. Der „große Schweiger, der stumme Buster Keaton der Bundesliga“ habe aus den guten Einzelspielern ein tolles Team geformt. Der Kroate achte weniger auf seine Wirkung in den Medien, sondern lebe allein für den Fußball. „Nur selten huscht ein Lächeln über das kantige Gesicht des Mannes. Aber wenn der Branco doch mal lächelt, dann merken die Spieler, daß es aus tiefstem Herzen kommt“, schrieb der Kicker im Meisterjahr 1979.

Vom Kicker auf die Gemeinsamkeiten zwischen seiner Meister-Mannschaft des FC Bayern 1969 sowie jener des HSV aus dem Jahr 1979 angesprochen, sagte Zebec: „Das kann man schlecht vergleichen, weil es eine andere Zeit mit anderen Spielertypen war. Damals gab es mit Beckenbauer, Maier, Müller ein Gerippe, das durch Klassespieler wie Roth, Ohlhauser, später Hoeneß, Breitner und andere ergänzt werden konnte. Heute besitzen wir ebenfalls ein solches Gerippe und verfügen in Magath auch über einen dieser Typen, der sich langsam im Mittelfeld zur tragenden Säule entwickelt. Hypothetisch: es könnte passieren, daß der heutige HSV die damaligen Bayern schlägt, wie genausogut auch umgekehrt.“

Immer mehr zum Problem für den Gesamtverein wurden jedoch Zebec‘ Alkoholeskapaden. Journalisten hielten sich zwar – in heutigen Zeiten undenkbar – mit Berichten über Zebec‘ Krankheit zurück. Trotzdem machten Gerüchte über seine Alkoholkrankheit die Runde, hässliche Spitznamen wie „Fernet Branko“ inklusive. „Die Spieler haben lange Zeit alles hingenommen, obwohl er betrunken zum Training kam, obwohl er manche Mannschaftssitzungen nicht führen konnte. Aber das war eine intakte Mannschaft und die Mannschaft mochte den Trainer sehr“, erinnert sich Netzer in seiner Biografie.

An die Öffentlichkeit geriet das Thema im Rahmen eines Auswärtsspiels am 19. April 1980 in Dortmund (2:2). Auf dem Weg ins Ruhrgebiet wurde Zebec von einer Polizeistreife mit 3,25 Promille hinterm Steuer erwischt. „Wie die Staatsanwaltschaft mir anschließend mitteilte, war er Schlangenlinien gefahren und hatte hinter sich fast einen Stau verursacht, weil sich niemand getraut hat, ihn zu überholen“, so Netzer. Der Manager löste Zebec bei der Polizei aus und dieser machte sich auf den Weg zur Mannschaftsbesprechung ins Hotel. „Später erzählten die Spieler, dass die Sitzung, die Branko in diesem Zustand hielt, eine seiner besten überhaupt gewesen sei, absolut konzentriert sei er gewesen, absolut bei der Sache und taktisch mal wieder derart in sein Rasenschach vertieft, dass man eigentlich nicht auf die Idee hätte kommen können, mit ihm stimme etwas nicht.“

Im Hotel dürfte sich Zebec anschließend jedoch weiteren Alkohol besorgt haben, „der Trainer beseitigte aufkommende Ernüchterung nochmals mit Rum, Wodka und Cognac“ (Spiegel). Sein stark alkoholisierter Zustand ließ sich somit auch im Stadion nicht mehr verheimlichen. Er „hockte in seinem bedauernswerten Zustand auf der Bank, lange vor Spielbeginn. Jeder konnte sehen was mit ihm los war – und die Fotografen sahen und fotografierten, wie er vor sich hin dämmerte, wie ihm die Brille verrutschte und er von der Bank zu kippen schien“.

Zum Knackpunkt im Verhältnis zwischen HSV und Zebec wurde das verlorene Europapokalfinale gegen Nottingham Forrest (0:1) im Mai 1980. Die Spieler tranken im Anschluss an das verlorene Finale einen über den Durst, am folgenden Tag sagte Zebec das Training mit der Begründung ab, er trainiere doch nicht mit Betrunkenen. Und das ausgerechnet aus Zebec‘ Mund. Das Band zwischen der Mannschaft, die schon in den Wochen davor immer wieder mal vom Trainer beschimpft wurde, und ihrem Trainer Branko Zebec war durchtrennt.

Am 13. Dezember 1980 gewann der HSV 3:0 auswärts in Bochum. Nach dem Spiel „erschien Branko Zebec mal wieder betrunken zur Pressekonferenz. Kein HSV-Offizieller war zu sehen, ich stützte ihn, und wir gingen ab. Im Dezember kündigte der HSV seinem Trainer“, so Netzer. Laut Spiegel sprach Zebec nach dem Sieg in Bochum „mehr dem Cognac als den Reportern zu“.

Überzeugt war Netzer trotzdem von Zebec‘ fachlichen Qualitäten. „Happel, Zebec und Weisweiler sind die drei besten Trainer, die je im deutschen Fußball gearbeitet haben“, adelte er Zebec, der als ausländischer Rekordtrainer (14 Spielzeiten, 412 Spiele) in die Bundesligageschichte eingehen sollte.

 

Branko Zebec (*1929 Zagreb) war der erste Bundesliga-Trainer, dem mit einem Team das Double aus Meisterschaft und Pokal gelang (1969 mit dem FC Bayern). Weitere Trainerstationen: VfB Stuttgart (70-72), Eintracht Braunschweig (74-78), Borussia Dortmund (81/82) und Eintracht Frankfurt (82/83). Als Spieler war der Jugoslawe 1961-65 für Alemannia Aachen tätig. Zebec starb 1988 in Zagreb.

 

An der Adresse Rothenbaumchaussee befand sich früher das Clubhaus des Hamburger SV, die „Löwenburg“. Architektonisch wäre die 1921 erworbene Jugendstilvilla heute unter den Vereinshäusern der 1. Bundesliga ein echtes Juwel (Postkartenansicht), leider fiel es jedoch dem Zeitgeist zum Opfer. Im Vereinsmuseum des HSV sind Bilder des alten Gebäudes zu sehen, dazu eine Karte, auf der „Kaffee, Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit“ sowie „gut gepflegte“ Biere und Weine feilgeboten werden. Dazu die Aufforderung: „Den Mitgliedern des H.S.V. wird der Besuch des H.S.V.-Hauses angelegendlichst empfohlen“.

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: In Memoriam Branko Zebec (kroatisch) / Pokalfinale 1969 Bayern München-Schalke 04 (mit Zebec als Trainer)

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Tennisstadion am Rothenbaum, wo jedes Jahr im Juli auf einer der ältesten Tennisanlagen Deutschlands die German Open ausgespielt werden, Hallerstraße 89, www.hamburg.de/german-open
  • Museum für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee 64, www.voelkerkundemuseum.com (ca. 5 Min Wegzeit)

 

→ Zurück geht’s zur U-Bahn-Haltestelle Hallerstraße. Die U1 bringt uns zurück zur Station Kellinghusenstraße. Dort steigen wir in die U3 (Barmbek/Wandsbek) und fahren bis zur Haltestelle St. Pauli. Über das Heiligengeistfeld geht’s zum Millerntor-Stadion des FC St. Pauli, wo sich der Kiezklub 2002 nach einem Sieg über den FC Bayern zum Weltpokalsiegerbesieger ausrief. Wegzeit: 25 Min

 

 

Station 3 (St. Pauli als Weltpokalsiegerbesieger): Millerntor-Stadion, Harald Stender Platz 1 (Hamburg-Mitte)

Millerntor-Stadion, ©bundesligaindeinerstadt.de

Millerntor-Stadion, ©bundesligaindeinerstadt.de

Man könnte nicht behaupten, dass der FC Bayern nach seiner Last Minute-Meisterschaft gegen den HSV sowie dem Sieg in der Champions League gut in die Bundesliga-Saison 2001/02 gestartet wäre. Im November konnte das Team von Ottmar Hitzfeld zwar noch den Weltpokal gewinnen. In der Bundesliga meldete sich der Meister aber mit einem enttäuschenden fünften Platz zu Weihnachten in die Winterpause ab. „Es ist ein einziges Gequäle. Wir arbeiten keine Torchancen heraus, haben überhaupt keine Fantasie. Die Mannschaft hat keine Frische, vor allem keine geistige Frische“, moserte Oliver Kahn. In die Rückrunde startete man nicht gerade erfolgreicher, auf Schalke gehen die Bayern mit 1:5 unter. Seit sieben Spielen wartete der FC Bayern zu diesem Zeitpunkt auf einen Sieg. Ein Wert, der im Jahr 2014, in Zeiten der Regentschaft eines Pep Guardiola, wie aus einer entfernten Galaxie erscheint.

Ein anschließender Heimsieg gegen Tabellenführer Leverkusen hellte die Stimmung an der Säbener Straße wieder auf, vor allem Stefan Effenberg wusste mit einer starken Leistung zu beeindrucken. Nach St. Pauli fuhr die Mannschaft am folgenden Spieltag mit einem ganz guten Gefühl. Das Team vom Millerntor zierte zu diesem Zeitpunkt mit fünf Punkten Rückstand auf Platz 15 das Tabellenende. „Wenn du gegen die Bayern antrittst, braucht dich als Fußballer niemand zu motivieren. Der Name spricht da für sich“, zeigte sich Paulis Kapitän Holger Stanislawski in der Welt trotz allem motiviert. Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld versuchte die Spannung seiner Profis nach dem Leverkusen-Sieg aufrecht zu halten. „St. Pauli ist sehr stark. Das wird schwieriger als gegen Leverkusen“, warnte er vor dem hoch motivierten Underdog.

Für einen St. Pauli-Spieler war das Duell von besonderer Bedeutung: Thomas Meggle wurde in München geboren, spielte dort für Harteck und Wacker. Über Augsburg kam er 1997 zum FC St. Pauli. „Klar bin ich auch mal ins Olympia-Stadion gegangen. Ich habe aber nicht für die gejubelt“, beeilte sich Meggle aber in der Welt klarzustellen. Meggle war es auch, der am 6. Februar 2002 dafür sorgte, dass der FC Bayern am Millerntor nicht viel zu bejubeln bekam. In der 30. Minute erzielte er das 1:0, drei Minuten später sorgte Nico Patschinski dafür, dass die Bayern ziemlich perplex in die Halbzeitpause gingen. Erst in der 87. Minute gelang Willy Sagnol der Anschlusstreffer, doch für eine Schlussoffensive reichte da die Zeit nicht mehr.

Die Welt hatte vor allem in Ciriaco Sforza einen Schuldigen gefunden: „Vor allem Dauerreservist Sforza nutzte die Chance nicht. Bis zur seiner Auswechslung in der Halbzeit gewann er, so die Statistik von Premiere World, lediglich 29 Prozent seiner Zweikämpfe. Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 2:0 für die glänzend aufgelegten Gastgeber, die ihre Tore herrlich heraus spielten und zur Verwunderung der 20.735 Zuschauer im ausverkauften Stadion nicht nur kämpferisch überlegen waren.“ Für Sforza kam zur Halbzeit Mehmet Scholl, doch auch Scholl konnte das Ruder nicht mehr rumreißen. Zwar waren die Bayern nun optisch überlegen, bis auf den Treffer zum 1:2 kam jedoch nicht viel Zählbares dabei heraus.

Während sich der FC St. Pauli als Weltpokalsiegerbesieger feiern ließ, holte Bayerns Manager Uli Hoeneß zu einer seiner legendären Rundumschläge aus. „Die Spieler essen Scampi und ich habe eine schlaflose Nacht. Jeder sieht, dass wir einen Dreck spielen. Wir versuchen uns seit neun Spielen über die Zeit zu retten. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, den Finger in die Wunde zu legen. Die erste Halbzeit in St. Pauli war der Tiefpunkt. Wir sind vom Letzten vorgeführt worden.“

Im Nachhinein finden sich immer Erklärungen für ein solches unerwartetes Ergebnis. Vielleicht waren die Bayern zu diesem Zeitpunkt nach all den Erfolgen im Jahr 2001 einfach wirklich platt und müde. Vielleicht unterschätzten die Stars des FC Bayern auch einfach den Kiez-Klub. Vielleicht lag die Niederlage aber auch in einer Nacht mit wenig Schlaf begründet. Denn der Hamburger Polizeibericht vermerkte in der Nacht vor dem Spiel vor dem Hotel des FC Bayern eine Gruppe, die „durch das Skandieren von Parolen unter Zuhilfenahme eines Gigafons, das Abspielen von Sirenen und Topfschlagen“ eine Ruhestörung verursachte. Ein Radiosender hatte zuvor zu dieser Aktion aufgerufen, um die Bayern vor dem Spiel zu schwächen. Polizeibeamte der Funkstreife Peter 14/1 stellten die Ruhe wieder her, die Gruppe entschuldigte sich anschließend beim Hotelmanagement des Hotel Intercontinental an der Alster.

Die Niederlage auf St. Pauli war übrigens die letzten Bayern-Niederlage der Saison 01/02. Die Spieler nahmen sich die Rede ihres Managers zu Herzen, verloren von den folgenden dreizehn Spielen kein einziges mehr und beendeten die Saison auf Platz drei, nur zwei Punkte hinter Meister Dortmund. Mit einem Sieg am Millerntor wäre die Meisterschale also trotz des „Katastrophen-Winters“ erneut nach München gegangen.

Zwei Jahre später schaute der FC Bayern unter gänzlich anderen Voraussetzungen am Millerntor vorbei. St. Pauli war kurz zuvor in die Drittklassigkeit abgerutscht und kämpfte mit finanziellen Schwierigkeiten. Am 12. Juli 2003 zwängte sich Uli Hoeneß das „Retter-T-Shirt“ über, anschließend kickten beide Teams gegeneinander. Die Einnahmen des Spiels kamen dem FC St. Pauli zugute. Die Bayern gewannen das Spiel mit 1:0, zum Dank programmierten die Macher der Website der Hamburger Reeperbahn eine eigene bayrische Version ihrer Homepage.

 

Die Aufstellung des FC Bayern am 6. Februar 2002: Kahn – Sagnol, Kovac, Linke – Kuffour, Sforza (Scholl), Effenberg, Hargreaves, Fink (Elber) – Pizzaro, Jancker (Sergio)

 

Das Millerntor-Stadion wurde 1963 eröffnet und wird seit 2006 schrittweise umgebaut. Derzeit beträgt das Fassungsvolumen der Anlage 29.000 Plätze, lediglich die Nordkurve ist noch im „Originalzustand“. Im Bauch der eindrucksvollen Südtribüne befinden sich ein Restaurant, der Fanshop sowie eine Kita. 2010 wurde das Stadion von PETA als „tierfreundlichstes Fußballstadion“ ausgezeichnet. Ein Vereinsmuseum gibt es bis dato noch nicht, es hat sich aber ein Unterstützungsverein gegründet, der die Einrichtung eines Museums in der Gegengerade vorantreiben will . Stadionführungen werden fünfmal pro Woche angeboten. Web: www.fcstpauli.com/home/stadion

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: TV-Reportage anlässlich des 10. Jahrestages des Spiels St. Pauli – Bayern München / TV-Einstieg zum „Retterspiel“ im Jahr 2003

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Das Vergnügungs- und Rotlichtviertel Reeperbahn beginnt bei der U-Bahn-Haltestelle St. Pauli.
  • Hamburg Museum, Holstenwall 24, www.hamburgmuseum.de, Erwachsene: 9 Euro (5 Min Wegzeit)
  • Planten un Blomen, weitläufige Parkanlage mit Apothekergarten, Wasserlichtorgel, Rollschuhbahn, etc. Eingang u.a. bei der U-Bahn-Haltestelle St. Pauli sowie an der Glacischaussee, http://plantenunblomen.hamburg.de
  • Uebel&Gefährlich Musikclub im Flakturm IV, in dem sowohl Musikclubs als auch Konzerte veranstaltet werden, www.uebelundgefaehrlich.com
  • Das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark ist mit 34,3 Metern Höhe das größte seiner Art in ganz Deutschland (via Millerntorplatz und Helgoländer Allee, ca. 15 Min Wegzeit)
  • Dreimal im Jahr findet auf dem Heiligengeistfeld das Volksfest „Hamburger Dom“ statt. Termine und Informationen: www.hamburg.de/dom

 

→ Von der Südtribüne des Millerntor-Stadions aus überqueren wir die Budapester Straße und stehen direkt vor dem Hotel Commodore, wo Piotr Trochowski als Kind seine ersten Tage in Hamburg verbrachte. Wegzeit: 5 Min

 

 

Station 4 (Piotr Trochwoski): Hotel Commodore, Budapester Straße 20 (Hamburg-Mitte)

Hotel Commodore, ©bundesligaindeinerstadt.de

Hotel Commodore, ©bundesligaindeinerstadt.de

Piotr Trochwoski gehört zu jenen in Hamburg aufgewachsenen Teenagern, die der Scouting-Abteilung des Hamburger SV irgendwie durch die Finger gerutscht sind. 1999 landete das Talent in der Jugendakademie des FC Bayern, bis dahin spielte er bei Billstedt-Horn, dem SC Concordia sowie dem FC St. Pauli. Trainer Ottmar Hitzfeld hielt große Stücke auf den damals 19-Jährigen und wechselte ihn im April 2002 in der 68. Minute gegen Hannover für den ehemaligen Hamburger Niko Kovac ein. Hannover führte zu diesem Zeitpunkt 2:0, nach Trochowskis Einwechslung gelangen zwei Münchner Tore, das Spiel endete schließlich 2:2. Der gebürtige Pole war zwar nicht direkt an einem der beiden Tore beteiligt, aber man hat trotzdem auch schon schlechtere Einstände in der Bundesliga gesehen.

Es folgten zwei weitere Einwechslungen in dieser Saison, sodass sich Trochowski Hoffnungen machen konnte, bei den Bayern-Profis in der Saison 2002/03 regelmäßig zum Einsatz zu kommen. Zumal auch die Bayern-Granden große Stücke auf ihn hielten. „Für mich ist er der Beste, er hat großartige Qualitäten: Einen harten Schuss, tolles Dribbling, feine Technik“, lobte ihn Karl-Heinz Rummenigge. Ottmar Hitzfeld bescheinigte ihm das „Potenzial zum Nationalspieler“. Uli Hoeneß legte noch einen drauf und erklärte, „es wäre eine Sünde, so einen Spieler nicht im Kader des FC Bayern zu haben“.

Doch Trochowski musste weiter auf seinen Durchbruch warten, seine Einsatzzeiten blieben bescheiden. 2003/04 kam er auf zehn Einsätze und ein Tor, in der Hinrunde der Saison 2004/05 spielte er, auch aufgrund einer Verletzung, nur in der zweiten Mannschaft des FC Bayern. Da kam es gerade recht, dass der HSV sein Interesse an dem Edel-Techniker bekundete. Für Trochowski nicht uninteressant, schließlich lebten auch seine Familie (Billstedt) und Freundin Melanie (Niendorf) nach wie vor in der Hansestadt. „Der HSV ist ein guter Verein, Hamburg neben München die schönste Stadt Deutschlands. Und ich vermisse meine Familie, meine Freundin“, erwiderte Trochowski das Interesse.

Im Winter 2004/05 schlug der HSV tatsächlich zu. Und das, obwohl der Spieler sich eigentlich aufgrund der besseren internationalen Perspektiven zwischenzeitlich schon mit dem VfB Stuttgart über einen Wechsel verständigt und HSV-Manager Beiersdorfer abgesagt hatte. Doch die Schwaben konnten sich nicht mit dem FC Bayern einigen und so wechselte Trochowski im Januar 2005 für eine Million Euro nach Hamburg. Seine Zeit bei den Bayern behielt Trochowski in guter Erinnerung, die Jahre in München hätten seiner Entwicklung gut getan. Von den Stars des FC Bayern habe er sich einiges abschauen können: „Von Makaay seine Torgefährlichkeit, von Zé Roberto und Scholl die Technik oder von Kovac die Zweikampfstärke“, sagte der Spieler 2005 zum Hamburger Abendblatt.

So kehrte Trochowski in jene Stadt zurück, in die er im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie aus Polen gekommen war. Die erste Zeit verbrachte die Familie im Hotel Commodore in der Budapester Straße mit Blick auf das alte Millerntor Stadion. „Wenn im Stadion das Flutlicht angeschaltet wurde, war das immer sehr aufregend“, erinnerte sich Trochowski später zurück. Anschließend zog die Familie nach Billstedt, „wo nicht alles super ist“. Alles andere als super war auch das Vorhaben der Behörden, Trochowski und seine Familie nach Polen abzuschieben. Da ging Trochowski gerade in die 5. Klasse. Mitschüler und Mitspieler aus dem Verein zogen daraufhin mit Plakaten vor das Hamburger Rathaus und protestierten gegen die Abschiebung – mit Erfolg.

Mit 15 übersiedelte Trochowski, dessen drei Brüder ebenfalls bei Hamburger Vereinen kickten, schließlich ins Jugendinternat der Bayern. Dort beschlich ihn anfangs das Heimweh, auch die Schule erwies sich für ihn als große Belastung. „Ohne die Hausaufgabenhilfe, die der FC Bayern organisierte und die mit uns nachmittags im Jugendhaus an der Säbener Straße arbeitete, hätte ich das nicht geschafft. Schließlich haben wir auch noch sechsmal in der Woche trainiert“, sagte er 2005 zur Welt.

Der Beginn beim HSV lief für Trochowski alles andere als ideal. Gleich im ersten Spiel der Rückrunde, ausgerechnet im Duell mit seinem Münchner Ex-Klub, musste das Talent in der Anfangsphase ausgewechselt werden, weil ihm nach einem Tritt von Torsten Frings das Innenband riss. „Diese Aktion war mehr als kompromißlos, das war brutal. Frings hat Piotr einfach weggeputzt. Er wollte wohl ein Zeichen setzen und hat dabei in Kauf genommen, den Gegenspieler voll zu treffen“, beschwerte sich anschließend HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Die Münchner gewannen ungefährdet mit 3:0. Erst am 32. Spieltag sollte Trochowski wieder zum Einsatz kommen. Als Tabellenachter verpasste der HSV das internationale Geschäft. Für Trochowski besonders bitter, denn über starke Leistungen in der Europa League wollte er sich für die WM 2006 empfehlen. Doch über den UI-Cup schaffte der HSV doch noch den Weg ins internationale Geschäft, mit zwei Toren hatte Trochowski keinen geringen Anteil daran.

Die Saison 2005/06 begann in der Bundesliga für ihn genauso, wie die Saison 2004/05 aufgehört hatte: Als Ergänzungsspieler. Bis zum 7. Spieltag brachte es Trochowski auf keine durchgespielten neunzig Minuten, fünfmal wurde er eingewechselt, einmal stand er immerhin in der Startelf. Sein Pech: Der HSV spielte gut, stand nach dem 6. Spieltag hinter den Bayern auf Platz zwei. Für Trainer Thomas Doll gab es keinen Grund zu wechseln.

Und dann kam am 24. September Tabellenführer Bayern München nach Hamburg. Für Trochowski sollte ausgerechnet das Spiel gegen seinen Ex-Klub zur Wende werden. In der 10. Minute legte er das 1:0 für Rafael van der Vaart auf, das 2:0 besorgte er in der 62. Minute per Zaubertor selbst. Der HSV feierte, die Bayern hatten zum ersten Mal seit fünfzehn Spielen wieder verloren. In der Tabelle rückten die Hanseaten bis auf einen Punkt an den Titelverteidiger heran. Darauf angesprochen, ob er gegen die Bayern und deren Trainer Felix Magath einen Schuss Extraportion Motivation gehabt hätte, sagte Trochowski: „Ich habe doch nichts gegen die Bayern. Im Gegenteil, ich habe dort Superjahre verlebt.“ Piotr Trochowski wurde zum Stammspieler, schoss weitere Tore. Am Ende der Saison kam er auf 32 Einsätze, 5 Tore und 5 Vorlagen.

Die taz adelte ihn zum „Thomas Häßler von Hamburg“ – dabei überragt Trochowski den Weltmeister von 1990 mit seinen 1,69m um stolze drei Zentimeter. 2007 verlängerte Trochowski seinen Vertrag beim HSV bis 2011, durch den Wechsel von Rafael van der Vaart wurde er 2008 im Mittelfeld zum Alleinunterhalter. Zwischen 2007 und 2010 erzielte er in 66 Bundesliga-Spielen zehn Tore, fünfzehn weitere bereitete er vor.

Doch in der Saison 2010/11 lief es für Trochowski nicht mehr richtig gut beim HSV. Unter Armin Veh verlor er trotz ordentlicher Leistungen seinen Stammplatz. In der Rückrunde kam er unter Veh-Nachfolger Michael Oenning gar nur noch auf fünf Kurzzeiteinsätze, seine Karriere in der Nationalmannschaft geriet in Gefahr. Ablösefrei wechselte er zum FC Sevilla in die Primera Division. „Natürlich fällt es mir schwer, diesen Verein zu verlassen, ich hatte gute Zeiten hier und wurde zum Nationalspieler. Zudem leben Freunde und Familie in Hamburg. Dennoch ist ein Wechsel ins Ausland in meinem Alter der logische Schritt, um mich weiterzuentwickeln“, erklärte er auf einer Pressekonferenz im April 2011.

 

Piotr Trochowski (*1984 in Tczew/Polen) wechselte 1999 vom FC St. Pauli zum FC Bayern München. Für Amateure und Profis des FCB absolvierte er bis 2004 51 Spiele und 9 Tore. Beim HSV schaffte er den Durchbruch und brachte es bis 2011 auf 180 Spiele und 20 Tore. 2006 debütierte Trochowski in der Nationalmannschaft. Mit der Nationalelf nahm er an der EM 2008 (kein Einsatz) und der WM 2010 (4 Einsätze) teil. Seit 2011 spielt Trochowski für den FC Sevilla.

 

Dazu passend auf Youtube gefunden: Trochowski Best of beim HSV / Mit Piotr Trochowski über dem Hamburger Hafen / Piotr Trochowski zu Gast an seiner alten Schule

 

→ Wir lassen den Kiez hinter uns und fahren von der Haltestelle St. Pauli mit dem Bus 112 (Neumühlen/Övelgönne) bis zur Haltestelle Elbberg. Hinunter zur Elbe geht’s in ein paar Minuten zu Fuß über den Elbberg. Unten angekommen, gehen wir in der Großen Elbstraße bis zur Nummer 143, zu einem der Lieblingsrestaurants von Franz Beckenbauer in Hamburg. Wegzeit: 35 Min

 

 

Station 5 (Franz Beckenbauer): Fischereihafenrestaurant, Große Elbstraße 143 (Altona)

Fischereihafenrestaurant, ©bundesligaindeinerstadt.de

Fischereihafenrestaurant, ©bundesligaindeinerstadt.de

„Franz Beckenbauer, der ist schlau, holt sich die Rente vom HSV“, dichtete Anfang der 1980er der 14-jährige Thomas Lembke im Rahmen eines Kinder-Wettbewerbs des Hamburger Abendblatts. Wäre es Beckenbauer ausschließlich um seine Rente gegangen, hätte er wohl bei Cosmos New York bleiben müssen, denn der US-Klub bot ihm viel Geld für eine Vertragsverlängerung an.

Die Verpflichtung Franz Beckenbauers durch den HSV geht auf ein UNICEF-Benefizspiel in Dortmund im Frühjahr 1979 zurück. Damals spielte Beckenbauer unter HSV-Trainer Branko Zebec als Teil einer Weltauswahl. Anschließend saßen Zebec, Beckenbauer und Manager Netzer beim Abendessen zusammen. „Du könntest glatt noch bei uns mitspielen“, lobte Zebec Beckenbauer bei dieser Gelegenheit, was Netzer anfangs noch für einen Scherz hielt.
Der Gedanke blieb in Netzers Kopf hängen, „die Imagewirkung eines solchen Transfers war mir schon bewusst. Mal abgesehen davon, dass Beckenbauer ganz augenscheinlich auch noch eine sportliche Bereicherung für unsere Mannschaft darstellen würde“. Zebec bestätigte ihm in der Folge, dass er sich Beckenbauer tatsächlich gut beim HSV vorstellen können und so wurde Netzer aktiv.

Im Oktober 1980 war der Transfer perfekt und Beckenbauer kehrte in die Bundesliga zurück. Die Bild-Zeitung jubelte: „HSV Hurra, der Franz ist da!“. Das jährliche Gehalt in Höhe von 1,2 Millionen Mark konnte der HSV – wie schon zuvor bei Kevin Keegan – nur dank der Unterstützung von BP sowie Adidas aufbringen. Beide Sponsoren übernahmen jährlich 900.000 DM des Gehalts. Offiziell schrieb der HSV in den Beckenbauer-Vertrag nur die Summe von 5.000 Mark pro Monat, inklusive Prämien. Daraufhin soll DFB-Ligasekretär bei HSV-Präsident Wolfgang Klein angerufen und gefragt haben „Wolfgang, willst du uns verarschen?“.

Sein erstes Spiel für den HSV absolvierte Beckenbauer am 15. November 1980 auswärts gegen den VfB Stuttgart. „Ich weiß noch, dass ich in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Ich glaube für Caspar Memering. Auch an das Ergebnis erinnere ich mich noch: Mein Bundesliga-Comeback begann mit einer 2:3-Niederlage gegen die Stuttgarter. Bei mir lief es aber überraschend gut“, erinnert sich Beckenbauer zurück. „Die Kritiker bescheinigten Beckenbauer eine fehlerfreie Leistung und auch seine nächsten Einsätze verliefen verheißungsvoll. Doch eine gerechte Beurteilung seiner Leistung war kaum noch möglich, denn Beckenbauers Spiel hatte bereits etwas legendenhaft-entrücktes, es wirkte sagenhaft, der melancholische Glanz ruhmreicher Tage wie der Schatten kommender Abschiede lag gleichermaßen auf jedem Pass, auf jeder Ballannahme“, beschrieb Torsten Körner die Situation in seinem Buch Der freie Mann (Verlag Scherz).

Wenige Wochen später kam es wegen der Entlassung Branko Zebec‘ zwischen Beckenbauer und Manager Günter Netzer zum Streit. „Beckenbauer tobte. Wütend kam er in mein Büro gestürmt: ‚Bist du noch zu retten, du bist ja wohl nicht ganz dicht. Wegen Branko bin ich zu dir gekommen, und jetzt entlässt du mir den’“, zürnte Beckenbauer. Doch der spätere Kaiser konnte auch mit Zebec‘ Nachfolger Ernst Happel gut leben, bezeichnete ihn später als einen der besten Trainer der Welt, den er – mittlerweile selbst Trainer der deutschen Nationalmannschaft – mehrfach um Rat fragte.

In seiner ersten Saison für den HSV brachte es Beckenbauer auf achtzehn Einsätze, fast alle über neunzig Minuten. Ein Tor gelang dem Kaiser jedoch nicht und das sollte sich auch 1981/82 nicht ändern. In seiner zweiten Saison beim HSV kam Beckenbauer nur noch auf zehn Spiele. „Jetzt ging es los mit Leistenproblemen, Achillessehnenschmerzen und muskulären Verletzungen. Das kannte ich bis dahin in diesem Ausmaß überhaupt nicht. Im Fitnessraum meines Hamburger Hotels habe ich mit Zusatzprogrammen versucht, körperlich wieder auf Bundesliga-Niveau zu kommen und während der Verletzungspausen nicht zu viel an Kraft und Kondition zu verlieren.“
Zu schaffen machten Beckenbauer auch die immer öfter auftretenden Pfiffe der Zuschauer sowie die Kritik in den Medien. „Ich war zurück nach Deutschland gekommen, weil ich in Amerika keine Motivation mehr fand, weil ich noch mal, wie früher, wirklichen Klassefußball erleben und bieten wollte. Und dann tauchten Kritiker auf, die von Anfang an jeden Fehlpaß zählten und doppelt bewerteten. Daß ich erst einmal wieder die Bundesliga ertasten mußte, haben sie nie bedacht“, beschwerte sich Beckenbauer im Kicker.

Im Februar 1982 erlitt er gegen Frankfurt einen Stoß gegen die Rippen, die daraus resultierenden Schmerzen ließen ihn zwei Nächte nicht schlafen. Während des folgenden Europacupspiels gegen Neuchatel wurden die Schmerzen wieder akut, „ich wollte aber nach vierwöchiger Pause nicht schon wieder ausfallen und habe deswegen auf die Zähne gebissen“. Mit Trainer Ernst Happel vereinbarte er, nur noch im Notfall für den HSV aufzulaufen und seine Karriere am Ende der Saison zu beenden. Ihm war klar, dass er nicht mehr auf dem hohen Bundesliga-Niveau würde mithalten können. „Bei Spaziergängen an der Alster denkt Beckenbauer über seine Zukunft nach“, schrieb der Kicker im März 1982 und belegte seine Aussage mit einem Foto von Franz Beckenbauer, der auf einer Bank sitzend Enten füttert – ganz im Stile eines Rentners. „Man kann davon ausgehen, daß das Spiel gegen Neuchatel mein letztes gewesen ist“, so Beckenbauer im März 1982 gegenüber dem Sportmagazin.

Doch es sollte anders kommen. Im Spiel gegen den VfB Stuttgart stellte Happel, der nach wie vor von den Qualitäten Beckenbauers überzeugt war, den Weltmeister von 1974 wieder auf. Doch in diesem Spiel erlitt Beckenbauer in Folge eines Zusammenpralls mit Horst Hrubesch einen Nierenriss. Wieder musste er mehrere Wochen pausieren. Sein letztes Pflichtspiel für den HSV absolvierte Beckenbauer schließlich am 29. Mai 1982 beim 3:3 gegen den Karlsruher SC. Beckenbauer wurde in der 41. Minute ausgewechselt.

Sein Abschiedsspiel fand am 1. Juni 1982 im Hamburger Volksparkstadion vor nur rund 30.000 Zuschauern statt. Manch einer meinte damals, aufgrund seiner großen Zeit beim FC Bayern hätte das Abschiedsspiel in München stattfinden sollen, wo sicherlich mehr als 30.000 Zuschauer gekommen wären. Doch Beckenbauer störte sich nicht daran und verwies auf die Live-Übertragung im Fernsehen, „so können doch viel mehr Leute dieses Fußballspiel sehen, als wenn wir ohne Fernsehen das Haus voll gehabt hätten“. Der HSV verlor 2:4 gegen die deutsche Nationalmannschaft, die wenige Tage später zur WM in Spanien aufbrechen sollte. Für Franz Beckenbauer war dieses Spiel eine Bestätigung dafür, mit dem Ende seiner Karriere die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „An diesem Abend schoss ich zwei Tore. Nur eines wurde offiziell erwähnt. Das andere war ein Eigentor und wurde auf der Anzeigetafel schamhaft verschwiegen. Wenn schon der Mann, der die Elektronik im Stadion bedient, aus Mitleid deinen Fehler vertuschen will, dann mußt du gehen“, schreibt Beckenbauer in seiner Biografie Ich-Wie es wirklich war (Bertelsmann).

„Beckenbauer und Hamburg, das ist bis zum letzten Tag ein Missverständnis geblieben“, schrieb die Welt nach seinem Abschied aus der Hansestadt. Beckenbauers Fazit über seine Zeit in der Hansestadt fiel trotzdem positiv aus: „Es war insgesamt eine wundervolle Zeit. Dort habe ich nicht nur viele Freundschaften geschlossen, sondern durfte als 36-jähriger noch mal Deutscher Meister werden.“ 2006 erklärte Franz Beckenbauer im Rahmen einer Veranstaltung im Casino des Axel Springer Verlags Hamburg gar zur schönsten Stadt in Deutschland, „das Echo aus München war entsprechend. Seitdem sage ich, dass beide die schönsten Städte sind.“ Auch beim HSV bereute man den Beckenbauer-Transfer nicht. „Für das Image des HSV war das eine tolle Sache“, sagte später der damalige HSV-Präsident Wolfgang Klein.

Mit der Stadt Hamburg verbindet ihn neben seiner Leidenschaft für das Fischereihafenrestaurant in der Großen Elbstraße bis heute die Golf-Leidenschaft. „Angefangen hat es 1982. Ich habe in Hamburg Fußball gespielt, war viel verletzt, habe viel Zeit gehabt. Ein Freund wollte mich immer mit zum Golf nehmen. Ich habe gesagt: Hau ab mit diesem Großvatersport, wenn ich siebzig bin, dann fang ich langsam damit an. Dann bin ich doch mal mit. Wir sind beim Golfclub Hoisdorf auf der Driving Range gestanden und ich habe gesagt, gib mal her den Hacklstecken, dann zeig ich euch, wie das geht. Dann steh ich da, habe den Stecken vollkommen verkehrt in der Hand – und hau an dem Ball vorbei. Das war ein echtes Schlüsselerlebnis. Da liegt ein Ball, und ich hau vorbei! Dann sagte der Golflehrer, jetzt zeig ich dir mal, wie du den Schläger hältst. Dann hab ich wieder geschlagen – und der Ball ist geflogen, 150 Meter. Seitdem bin ich dabei“, schilderte Beckenbauer die Ereignisse im Juni 2011 im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Im August 1982 nahm Beckenbauer unter großer öffentlicher Anteilnahme bereits an den „Offenen Deutschen Golfmeisterschaften“ teil. Der Kicker hielt anschließend fest: „Schlug der Franz einen Ball in die Botanik, nicht einmal Golf-As Bernhard Langer wurde so angestrengt beim Suchen geholfen.“

 

Franz Beckenbauer (*1945 in München) spielte 1964 bis 1977 beim FC Bayern und kam über New York Cosmos 1980 zum Hamburger SV. In der Bundesliga absolvierte Beckenbauer 455 Spiele und erzielte 60 Tore. Erfolge als Spieler: Weltpokal-Sieger 1976, vier Triumphe im Europapokal (67, 74, 75, 76), fünf deutsche Meistertitel (69, 72, 73, 74, 82), vier deutsche Pokalerfolge (66, 67, 69, 71) sowie mit der deutschen Nationalelf 1974 Weltmeister (1966 Vize-Weltmeister) und 1972 Europameister (1976 EM-Zweiter). Erfolge als Trainer: UEFA-Pokal Sieger 1996, deutscher Meister 1994 und 1991 französischer Meister mit Olympique Marseille. Mit der Nationalmannschaft 1990 Weltmeister und 1986 Vize-Weltmeister. Weitere Auszeichnungen: Europas Fußballer des Jahres 1972 und 1976, fünfmal Deutschlands Fußballer des Jahres, seit 1982 Ehrenspielführer des DFB-Teams, Deutschlands Fußballer des Jahrhunderts, Silberner „Bravo Otto“ 1976 (Gold ging an Sepp Maier).

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: TV-Bericht zur Rückkehr Beckenbauers aus den USA und zum ersten Spiel beim VfB Stuttgart (inkl. Interview mit dem jungen Rolf Töpperwien) / Hamburg vs. Bayern 21. März 1981 / NDR 2 Hörfunkreportage zum Meistertitel für den HSV und zum Abschied von Franz Beckenbauer 1982

 

Das Fischereihafenrestaurant wird seit 1981 von Rüdiger Kowalke geführt und erfreut sich vor allem unter Prominenten großer Beliebtheit. Geboten wird gehobene Küche, dem Namen entsprechend natürlich hauptsächlich Fisch (z.B. Labskaus 16,50 Euro, Nordsee-Steinbutt 48 Euro). Franz Beckenbauer bestellt hier gerne Aal auf Rührei und Vollkornbrot. Artikel im ZeitMagazin über das Restaurant: Klick. Web: www.fischereihafenrestaurant.de

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Fischmarkt Hamburg mit unzähligen Ständen und „urigem“ Ambiente sowie Live-Musik in der Markthalle. Jeden Sonntag ab 5 Uhr (im Winter ab 7), vom Fischereihafenrestaurant 15 Min zu Fuß der Elbe entlang. Web: www.hamburg.de/fischmarkt
  • Das an ein Schiff erinnernde Bürogebäude „Dockland“ verfügt über eine frei zugängliche Dachterrasse, die einen Blick über die Elbe und auf den Hamburger Hafen ermöglicht. Das im Jahr 2005 fertiggestellte Gebäude wurde vom Hamburger Architekturbüro Bothe Richter Teherani entworfen. Web: www.dockland-hamburg.de
  • Mit den HVV-Fähren lässt sich von der nahen Haltestelle Dockland bequem (und kostengünstig) der Hamburger Hafen erfahren. Web: www.hamburg.de/faehre

 

→ Zurück geht’s zur Bus-Haltestelle Elbberg, von wo wir mit dem Bus 112 (Osterbrookplatz/Altona) bis zum Rathaus Altona fahren, wo Felix Magath 2003 seine Frau Nicola geheiratet hat. Wegzeit: 15 Min

 
Station 6 (Felix Magath): Rathaus Altona, Platz der Republik 1 (Altona)

Rathaus Altona, ©Cekora/pixelio.de

Rathaus Altona, ©Cekora/pixelio.de

Bis auf den Job des Greenkeepers hat Felix Magath wohl schon jede Tätigkeit beim Hamburger SV ausgeübt. Fast wäre der frühere Bayern-Meistercoach 2014 erneut Trainer beim HSV geworden, doch statt sich des krisengeschüttelten Klubs an der Elbe anzunehmen, wechselte Magath lieber nach England.

Zum HSV kam der gebürtige Aschaffenburger 1976, nachdem er zuvor zwei Jahre in Saarbrücken kickte. Der damalige HSV-Manager Peter Krohn hatte ihn bei einem Spiel des 1. FC Saarbrücken in der ARD-Sportschau entdeckt. Obwohl er gleich in seiner ersten Saison für den HSV mit dreißig Einsätzen zum Stammspieler avancierte, soll der Jungprofi Felix Magath noch jene Disziplin vermisst haben lassen, die ihn später als Trainer auszeichnete. „Entweder erschien er einfach mal zu spät zum Training oder er trieb sich abends viel länger als ihm guttat, in den Kneipen der Stadt herum. Er rauchte viel und trank Alkohol, seine Kondition war zeitweise nicht die beste“, schreibt Claus Feldner (Das kleine Felix Magath Buch, Herkules Verlag).

Erst Branko Zebec soll es geschafft haben, Magath die Flausen auszutreiben. So war Magath, der in einem Einfamilienhaus am Harkshörner Weg in Norderstedt wohnte, als Spielmacher in den folgenden zehn Jahren an allen wesentlichen Erfolgen in der großen Zeit des HSV beteiligt: 1977 Gewinn des Europapokals der Pokalsieger, 1983 Gewinn des Europapokals der Landesmeister gegen Juventus Turin sowie drei Meistertitel (1979, 1982 und 1983). Bis 1986 absolvierte Magath für den HSV 306 Spiele und erzielte dabei 46 Tore. Sein wohl wichtigstes erzielte er 1983 beim 1:0 gegen Juventus.

1986 übernahm Magath, damals gerade 32 Jahre alt, den Job des HSV-Managers von Günter Netzer. Von seinem Vorgänger erhielt Magath Vorschusslorbeeren. Der Spiegel bezeichnete Magath im August 1985 als „introvertierten, mitunter von Selbstzweifeln geplagten Mann“. Netzer konterte, sein Nachfolger sei eine „gute Lösung. Er ist ein Praktiker, er kennt die Schwierigkeiten im Umgang mit Fußballspielern und er ist intelligent genug, die Dinge rasch zu lernen, die er noch lernen muß.“

Und Magath musste schnell lernen. Mit seinem Präsidenten Klein überwarf er sich ziemlich schnell. Eine Erklärung für die Missgunst, die Klein Magath entgegenbrachte, könnte darin begründet liegen, dass Magath noch während seiner aktiven Zeit im Gegenzug für seinen Verbleib als Spielmacher einen Anschlussvertrag beim HSV zwecks beruflicher Absicherung forderte. Klein stimmte zu, obwohl er von den Fähigkeiten eines zukünftigen Managers Felix Magath wohl nur bedingt überzeugt war.

Magaths nächste Baustelle: Trainer Josip Skoblar musste schon im November 1987 nach verheerenden Niederlagen (darunter ein 0:6 beim FC Bayern) seinen Platz räumen. Als Nachfolger eiste Magath seinen früheren Mitspieler Willi Reimann für 600.000 DM (und Spieler Jens Duve, der ans Millerntor wechselte) vom FC St. Pauli los. „Bis tief in die Nacht“ saßen die Verhandlungsparteien an der Elbchaussee zusammen um den Deal auszuhandeln. Es begann für den HSV eine sehr unruhige Epoche, Skoblar und Reimann waren die ersten von insgesamt acht Trainern, die der HSV bis 1997 „verbrauchen“ sollte. Darunter 1995-97 auch Felix Magath selbst.

Im November 1987 dankte Präsident Klein ab. Dass Magath nach dem Ausscheiden seines Widersachers keinen leichteren Stand an der Rothenbaumchaussee hatte, verdeutlicht folgende Passage aus dem Spiegel (42/1987): „In der Geschäftsstelle an Hamburgs Rothenbaumchaussee regiert nicht nur der wegen seiner Sparsamkeit von den Spielern ‚Monetenfelix‘ genannte Magath, sondern auch Generalsekretär Dirk Albrecht, ein Klein-Intimus, der über Streßbewältigung promovierte. Schon seit Monaten wechseln die beiden leitenden Klubangestellten kaum noch ein Wort, die Erledigung der Tagesgeschäfte wird von gegenseitigem Mißtrauen bestimmt. Wichtiges, verriet Magath Freunden, ‚bespreche ich nicht mehr am Telephon‘.“ Klein, so das Nachrichtenmagazin, ließ keine Gelegenheit aus, um den Manager Felix Magath zu desavouieren. Er müsse ständig eingreifen, damit „Magath nicht noch mehr Schaden anrichtet“.

Auch bei den ehemaligen Spielerkollegen schien Magath als Manager nur bedingt Rückhalt zu genießen. Die missliche finanzielle Lage des HSV, der lange in der Gewissheit internationaler Erfolge über seine Verhältnisse lebte, trieb Magath dazu, auch bei Kleinigkeiten zu sparen. „So strich er ein vom Verein jeweils montags spendiertes Mannschaftsfrühstück, auch ihr Bier müssen die HSV-Spieler nach 22 Uhr im Trainingslager nun selbst bezahlen. Regelmäßige Fußpflege durch eine Pediküre fiel ebenfalls Magaths Rotstift zum Opfer“, notierte der Spiegel 1987. Für seine Schach-Leidenschaft schien Magath aber auch während seiner Zeit als Manager genug Zeit zu finden. Die Bundesligamannschaft des Hamburger Schachklubs (HSK) spielte damals unter dem Dach der Raute. „Magath besorgte dem Team 18 Atari-Computer, was ihm mächtigen Ärger mit HSV-Generalsekretär Dirk Albrecht bescherte. Magath hatte die Aktion im Alleingang durchgezogen, Albrecht tobte, Magath blieb stur.“

Im Mai 1988 fand Magath die Entlassungspapiere auf seinem Tisch vor. Dabei war seine Zeit als Manager für den HSV nicht unerfolgreich. 1987 wurde der Klub Vizemeister und nach einem 3:1 gegen die Stuttgarter Kickers DFB-Pokalsieger. In der Saison 87/88 verpasste der HSV lediglich aufgrund des schlechteren Torverhältnisses die Qualifikation für den UEFA-Cup. Claus Feldner schreibt in Das kleine Felix Magath Buch, dass Magath unter falschen Annahmen das Manageramt beim HSV antrat. Er „habe anfangs damit gerechnet, dass beim HSV mehr Geld zur Verfügung stünde, um neue Spieler einkaufen zu können. Stattdessen habe er aber Spieler verkaufen müssen.“ Sein Nachfolger wurde mit Erich Ribbeck ein Mann, der später bei den Bayern als Trainer auf der Bank Platz nehmen – und scheitern sollte.

1993 kehrte Magath als Trainer der zweiten Mannschaft zum HSV zurück, im Oktober 1995 löste er den glücklosen Benno Möhlmann als Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft ab. Der HSV stand zu diesem Zeitpunkt auf Platz 17. Einen „Klosterschüler, aus dem im harten Fußballgeschäft nie was wird“, nannte ihn ob seiner Harmoniesucht einst Ernst Happel. „Heute achten die Profis den Trainer Magath als ‚harten Schleifer‘, der sie morgens um neun zum Training antreten und dann wie Hafenarbeiter schuften läßt. Magath selbst stellt dazu ausdruckslos fest: ‚Eine Mannschaft kann man nur autoritär führen‘, schrieb der Spiegel 1996 über den Trainer Magath. Das Nachrichtenmagazin deutete seinen Stil als Mix aus Erfahrungen mit seinen drei HSV-Trainern. „Von Branko Zebec lernte er, daß nur ‚unmenschliche Quälerei‘ den Erfolg im Spiel garantiert. Von Kuno Klötzer übernahm er den Dienstag als besten Termin für regelmäßiges Konditionsbolzen. Ernst Happel vermittelte die Vorliebe für Offensivfußball und die Kunst des distanzschaffenden Grantelns über die Qualitäten seiner Profis.“

Bis Weihnachten 1995 führte Magath den Verein auf Platz fünf. Dort stand Magaths Truppe auch am Ende der Saison, wodurch sich der Klub für den UEFA-Pokal qualifizierte. In der darauffolgenden Saison 1996/97 schied der HSV erst im Achtelfinale des UEFA-Pokals gegen den AS Monaco aus, im DFB-Pokal scheiterte man erst im Halbfinale am VfB Stuttgart. In Verlauf der Bundesliga fand sich der Verein dagegen nur im Mittelfeld wieder, wobei der Abstand zu den Abstiegsplätzen geringer war als der Abstand zu jenen Plätzen, die eine erneute Qualifikation für das internationale Geschäft bedeutet hätten. Nach zwei hohen Niederlagen (0:5 in Leverkusen, 0:4 zu Hause gegen Köln) verlor der HSV-Vorstand im Mai 1997 die Nerven und entließ Magath, obwohl der HSV mit fünf Punkten Vorsprung bei nur noch zwei ausstehenden Spielen praktisch schon gerettet war. So endeten seine Jahre als HSV-Trainer für Felix Magath nach nicht mal zwei Jahren. Von seiner Zeit beim HSV blieb vor allem eines in Erinnerung: Sein Spitzname „Quälix“.

Magath kehrte in der Folge viele Male als Trainer von anderen Vereinen in den Altonaer Volkspark zurück. 2004 feierte er mit den Bayern einen ungefährdeten 2:0-Erfolg. Mit dabei waren unter anderem auch die Ex-Hamburger Vahid Hashemian, Hasan Salihamidzic und der spätere HSV’er Ze Roberto. Seine Bilanz als Bayern-Coach gegen den HSV: 4 Siege, 2 Niederlagen. Auch wenn Magath dank seiner zahlreichen Trainerstationen nur wenig Zeit in Hamburg verbringen konnte, weiß er die schönen Ecken der Hansestadt trotzdem zu schätzen. „Ich kenne keinen schöneren Stadtteil in Deutschland. Hier gibt es die besten Läden und wunderbarsten Menschen“, sagte er mal über den Bezirk Eimsbüttel, in dem er auch eine Wohnung besitzt.

 

Ursprünglich beherbergte das Gebäude am Platz der Republik einen 1844 von Gottfried Semper errichteten Bahnhof. Erst als weiter nördlich ein neues Bahnhofsgebäude entstand, wurde Ende des 19. Jahrhunderts hier das Rathaus Altona untergebracht. Aus den Bahnanlagen entstand eine Parkanlage, der heutige Platz der Republik. Vor 1918 hieß der Platz Kaiserplatz, noch heute erinnert das Standbild Kaiser Wilhelms an diese Zeit. Im Altonaer Rathaus heiratete Felix Magath am 19.12.2003 seine Frau Nicola. Anschließend ging es für die Hochzeitsgesellschaft zu einer Schifffahrt auf die Elbe.

 

Felix Magath (*1953) absolvierte insgesamt 306 Bundesliga-Spiele für den HSV und schoss dabei 46 Tore. Zuvor war der Mittelfeldspieler für Viktoria Aschaffenburg und den 1. FC Saarbrücken tätig. Für die deutsche Nationalmannschaft lief Magath 43 mal auf (3 Tore). Als Spieler wurde er dreimal deutscher Meister (79, 82, 83), holte zweimal den Europapokal (77 & 83) und wurde mit der Nationalmannschaft 1980 Europameister sowie 1982 und 1986 Vize-Weltmeister. Nach seiner Zeit als Manager beim HSV startete er 1992 seine Trainerlaufbahn beim FC Bremerhaven. Neben dem HSV amtierte Magath als Trainer auch in Nürnberg, Bremen, Frankfurt und Stuttgart. 2004 bis 2007 war er Trainer beim FC Bayern München, anschließend zog es ihn zu Wolfsburg (07-09 & 11/12) und Schalke. Seit 2014 trainiert Felix Magath den FC Fulham in der Premier League. Seine Erfolge als Trainer: Deutscher Meister (05, 06, 09), Pokalsieger (05, 06), Vize-Meister (03, 10) und Trainer des Jahres (03, 05, 09).

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: Magaths Siegtor gegen Juventus Turin 1983 / Die neun Leben des Felix Magath / Uli Hoeneß kritisiert Felix Magath / Dieter Thomas Heck 1986 im Gespräch mit Felix Magath / Europapokalfinale 1976/77 HSV vs. RSC Anderlecht / Felix Magath 2014 bei „Schach macht schlau“

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Skulptur „Black Form“ des US-Künstlers Sol LeWitt, die an jene Juden erinnert, die vor der Zeit des Nationalsozialismus in Altona lebten (Platz der Republik, Südseite)
  • Stuhlmannbrunnen, der die Konkurrenz zwischen Hamburg und der ehemals eigenständigen Stadt Altona symbolisieren soll (Platz der Republik, Nordseite)
  • Altonaer Balkon mit Blick über Elbe und Hafen (die Palmaille überqueren, 5 Min)

 

→ Zu Fuß geht’s über den Platz der Republik (vorbei am Stuhlmannbrunnen) und die Museumstraße zum Bahnhof Altona. Dort steigen wir in die S3 (Pinneberg) und fahren bis zur Haltestelle Stellingen (Arenen). Den Hinweisschildern entlang folgt ein Fußweg zum Stadion des HSV, wo der FC Bayern 2001 nach einem Herzschlagfinale die Meisterschaft feierte. Wegzeit: 45-60 Min

 
Station 7 (Bundesliga-Finale 2001): Imtech-Arena, Sylvesterallee 7 (Altona)

Früher Volksparkstadion, heute Imtech-Arena, ©bundesligaindeinerstadt.de

Früher Volksparkstadion, heute Imtech-Arena, ©bundesligaindeinerstadt.de

Wenn von der Meisterschaftsentscheidung der Saison 2000/01 die Rede ist, wird allen Fußball-Fans wohl auf ewig Patrik Anderssons Freistoß in der 94. Minute in Erinnerung bleiben. Die Situation vor dem 19. Mai 2001 war klar. Der FC Bayern führte die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung auf den FC Schalke an. Die Münchner brauchten aufgrund ihres schlechteren Torverhältnisses am letzten Spieltag in Hamburg trotzdem mindestens einen Punkt, um sich den 17. Meistertitel zu sichern. Der Rivale spielte im Parkstadion gegen die SpVgg Unterhaching, die unbedingt punkten musste, um dem Abstieg zu entgehen. Auf dem Papier also die deutlich einfachere Aufgabe für die Münchner, denn der HSV befand sich vor dem 34. Spieltag im Niemandsland der Tabelle. Für die Rothosen ging es lediglich darum, einen versöhnlichen Abschluss für eine enttäuschende Saison zu schaffen.

Dementsprechend fragten sich auch die Zeitungen vor dem Showdown am Wochenende: „Wie viel Ehre hat der HSV?“ Doch beim HSV gab es einige Akteure, die mit reichlich Motivation in das Spiel gingen: Sergej Barbarez hatte die Torjägerkanone im Visier. Der Ex-Schalker Matthias Schober ersetzte im Tor den etatmäßigen Jörg Butt und wollte seinem Ex-Verein zum Meisterteller verhelfen. Und für Niko Kovac war die Begegnung mit den Bayern das Abschiedsspiel für den HSV. Im Sommer würde er – ausgerechnet – zum FC Bayern wechseln.

Während es auf dem Rasen der AOL-Arena ruhig und ereignislos blieb, fielen im Gelsenkirchener Parkstadion die Tore. Bereits nach drei Minuten durften die Fans des FC Bayern jubeln, denn André Breitenreiter brachte Unterhaching in Führung. In der 27. Minute erhöhte Spizak gar für die Hachinger. In diesem Moment war die Meisterschale für die Bayern schon zum Greifen nah. Doch durch einen Doppelschlag kurz vor der Pause glich Schalke aus – und schöpfte neuen Mut. Diesen ließen sich die Knappen auch nicht von der erneuten Führung der Hachinger in der 69. Minute nehmen. Denn Jörg Böhme versenkte in der 73. Minute erst einen Freistoss im Netz, eine Minute später besorgte er die 4:3-Führung für Schalke. Als Ebbe Sand in der 89. Minute den 5:3-Endstand im Parkstadion erzielte, war in Hamburg noch immer kein Tor gefallen. Der FC Bayern war dank des 0:0 immer noch deutscher Meister, Ottmar Hitzfeld hatte ein gutes Gefühl, „wir hatten über weite Strecken die Begegnung kontrolliert.“ Lediglich Sergej Barbarez dürfte – falls man ihm die Information gesteckt hätte – etwas unentspannt gewesen sein, denn durch Sands Treffer für Schalke rutschte der Bosnier vom ersten Platz der Torschützenliste.

Ob informiert oder nicht, das konnte Barbarez nicht auf sich sitzen lassen und so köpfte der 29-Jährige in der 90. Minute das 1:0 für den HSV. „Zum ersten Mal habe ich da nicht mehr an den Titel geglaubt“, gab Mehmet Scholl nach dem Spiel zu Protokoll. Auch Manager Uli Hoeneß gab in diesem Moment innerlich auf, „ich dachte, das wars“. „Scheiße, dachte ich. Wir verschenken in der letzten Minute die Meisterschaft“, dachte der gebürtige Hamburger Stefan Effenberg. Trainer Hitzfeld wollte die Hoffnung dagegen noch nicht ganz aufgeben. „Nur zwanzig Sekunden habe ich ans Verlieren gedacht, an eine grausame Auswirkung für Mailand, dann glaubte ich wieder an das Unmögliche“, erinnerte er sich später in der Biographie von Josef Hochstrasser (Ottmar Hitzfeld, Argon)

„Der deutsche Meister im Jahr 2001 heißt Schalke 04. Bayern ist raus“, sagte der Kommentator der Premiere-Konferenz nach der HSV-Führung, während Marcel Reif als Kommentator des Spiels auf der Premiere-Einzeloption vorsichtiger urteilte. Reif, schon damals ein alter Kommentatoren-Hase, wird geahnt haben, dass sich die Bayern so schnell nicht geschlagen geben. Der Schiedsrichter zeigte eine Nachspielzeit von drei Minuten an. Es sollten hektische drei Minuten werden, in denen der Rekordmeister nach einer bis dahin sehr defensiven Leistung versuchte, das Steuer nochmal herumzureißen. Ausgerechnet Matthias Schober verschuldete dann in der 93. Minute einen indirekten Freistoß, weil er einen Rückpass mit der Hand aufnahm. „Aus meiner Sicht war das ein Gestocher, deshalb habe ich mich draufgeschmissen. Ich wollte das Spiel beruhigen, Zeit gewinnen. Auf einmal pfeift der Schiedsrichter. Das kam für mich völlig überraschend“, suchte der Ex-Schalker nach dem Spiel nach einer Erklärung.

Die angezeigte Nachspielzeit war bereits abgelaufen, doch Schiedsrichter Markus Merk ließ den Freistoß noch ausführen. Stefan Effenberg schnappte sich den Ball und platzierte ihn mit Gefühl auf dem Rasens. Laut seiner Schilderung soll anschließend Oliver Kahn mit den Worten „Ich schieß den!“ herbeigestürmt sein. „’Piano‘, sagte ich zu ihm. ‚Bleib mal ganz ruhig!‘ Ich winkte Patrik Andersson heran. Der konnte ein Pferd totschießen, wenn er die Kugel richtig traf. ‚Ich lege kurz vor, und du hältst voll drauf’“, sagte Effenberg zum Schweden.

Patrik Andersson, der mit dem anschließend verwandelten Freistoß um 17:20 Uhr gleichzeitig sein erstes und einziges Tor im Trikot des FC Bayern erzielte, erklärte im Anschluss seine Gedanken vor Ausführung des Freistoßes: „Der Ball lag ja so nah am Tor. Ich wollte ihn einfach reinpressen, und es war nur noch wenig Zeit. Ich wollte den Ball nur sauber treffen. Schnibbeln hätte da ja nichts geholfen.“ Also einfach drauf. Und einfach rein, obwohl der Schwede den Ball laut Effenberg gar nicht richtig traf. Doch egal, Andersson war der Held, wenngleich er während der Saison von Medien arg kritisiert wurde. „Der Schwede wäre derzeit nicht mal für Lappland ein Nationalspieler. Man denkt, sein Antritt wäre eine Zeitlupen-Wiederholung“, lautete unter der Saison noch eine der freundlicheren Schlagzeilen in der Bild.

Und so durfte der FC Bayern zum 17. Mal die Meisterschale in die Höhe stemmen, obwohl man gemessen an der Zahl der Niederlagen über die gesamte Saison alles andere als dominierend war. Achtmal verloren die Bayern und wurden trotzdem Meister, das hatten nur Braunschweig (1967) und Köln (1978) zuvor geschafft. Neben den obligatorischen Bierduschen (das Weißbier wurde von Uwe Seeler organisiert) blieb vor allem auch der Sprint von Oliver Kahn zur Eckfahne im Gedächtnis. Für Stefan Effenberg hat das Hamburger Herzschlagfinale die Meisterschaftsentscheidung des Vorjahres, als Bayer Leverkusen die sicher geglaubte Meisterschale in Unterhaching verspielte, noch getoppt: „Die Freude war riesengroß. Es war die schönste Meisterschaft, die ich mit den Bayern gewann.“ Eine große Meisterfeier blieb an diesem Wochenende jedoch erstmal aus, immerhin stand wenige Tage nach dem Meisterschaftsfinale das Champions League-Finale gegen den FC Valencia in Mailand auf dem Programm.

Zwei Monate später fand in der AOL-Arena das Abschiedsspiel für Karsten Bäron statt. Laut HSV-Lexikon (Immer erste Liga, Werkstatt) habe der FC Bayern mit diesem Spiel die „Hamburger Zuschauer verarscht“. Der HSV hätte das Spiel gar nicht gewollt, doch Hoeneß habe über die Medien Druck gemacht. „Indem die Bayern den HSV-Fans die Schuld der Dankbarkeit aufzwangen, nahmen sie eleganteste Rache für die unsportlichen Schmähungen, die ihnen das Hamburger Publikum zwei Monate zuvor bereitet hatte. Damals wurden den Münchnern im Volksparkstadion die Meisterschale überreicht. Die Hamburger Zuschauer waren nur deshalb im Stadion geblieben, um durch wüstes Geschrei und Gepfeife ihren uralten Hass gegen den FC Bayern auszutoben. Hoeneß beschloss: ‚Jetzt musst du etwas tun, um die zu ärgern – und dabei etwas Gutes machen’“, zitiert das HSV-Lexikon einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung. Mit dem Spiel sollte Bäron zudem an seinen „Fehler“ erinnert werden, 1994 trotz eines Angebots nicht zu den Bayern gewechselt zu sein.

 

Das heute unter dem Namen Imtech-Arena firmierende ehemalige „Altonaer Stadion“ wurde 1925 eingeweiht. Nach dem 2. Weltkrieg entstand an derselben Stelle das Volksparkstadion, in dem unter anderem auch Spiele der WM 1974 sowie der EM 1988 ausgetragen wurden. Zwischen 1998 und 2000 erhielt das Stadion sein heutiges Aussehen, seither wird der Name des Stadions an jeweils wechselnde Sponsoren veräußert. Das Stadion, in dem 2006 auch Spiele der Fußball-WM ausgetragen wurde, verfügt heute über eine maximale Kapazität von 57.000 Zuschauern.

 

Die Aufstellung des FC Bayern am 19. Mai 2001: Kahn – Kuffour, Andersson, Linke, Sagnol – Effenberg, Hargreaves, Lizarazu, Scholl (Sergio) – Elber (Santa Cruz), Jancker (Zickler)

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: Die letzten zehn Minuten der Premiere-Konferenz des 34. Spieltags / Das Spiel in voller Länge

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Die Imtech-Arena liegt im Altonaer Volkspark, dem größten öffentlichen Parkgebiet Hamburgs. Dieser wurde in den 1920ern fertiggestellt und erstreckt sich heute über eine Fläche von 205 Hektar.
  • Das Museum des Hamburger SV informiert auf 700 m² über die Geschichte des Hamburger SV (Eintritt 6 Euro, Kinder 4 Euro). Daneben bietet der HSV auch eine Stadionführung an. Informationen zu Museum und Stadionführung (Eintritt im Paket 12 Euro) unter www.imtech-arena.de/museum

 

 

Weitere Orte in Hamburg mit Bezug zum FC Bayern München:

Akutkrankenhaus Eilbek, Dehnhaide 120: Hier wurde Piotr Trochowski nach seinem Innenbandriss im Januar 2005 operiert.

Blitzampel Kollaustraße (Höhe St. Pauli Trainingsgelände): Der hier postierte Blitzapparat erfasste Felix Magath im Jahr 2010.

Bramfelder SV, Ellernreihe 88: Beim Bramfelder SV spielte Stefan Effenberg in seiner Kindheit. Später kickte Effenberg beim Sport Club Victoria Hamburg (Lokstedter Steindamm 87).

Eimsbütteler TV, Bundesstraße 96: Bei den Hamburg Knights (Teil des Eimsbütteler TV) spielte Stefan Effenbergs Schwester Claudia erfolgreich Softball.

Fleischerei Rose, Sillemstraße 38: Hier gibt’s die „Original Hamburger Weißwurst,“, zu den treuen Kunden gehört unter anderem Felix Magath.

Flughafen Fuhlsbüttel: Hier betrat Franz Beckenbauer im Rahmen seines HSV-Engagements erstmals am 31. Oktober 1980 Hamburger Boden.

Fußballplatz der Spvgg Billstedt-Horn, Möllner Landstraße 197: Bei der Spvgg kickte Pjotr Trochowski als kleiner Junge.

Grand Elysée Hotel, Rothenbaumchaussee 10: 2008 wohnte hier Martin Jol (spielte 1978/79 für den FC Bayern) mit seiner Familie in den ersten Tagen seiner Zeit als Trainer in der Hansestadt. Thorsten Fink bezog zu Beginn seiner Zeit als Trainer beim HSV 2011 hier ebenfalls ein Zimmer. „Die Anweisung von Paul Kernatsch an die Belegschaft war knapp, aber deutlich. Thorsten Fink müsse jeder Wunsch von den Augen abgelesen werden, forderte der Direktor die Mitarbeiter des Hotels Grand Elysee auf“, wusste die Welt zu berichten.

Hotel Atlantic, An der Alster 72-79: Hier feierte Beckenbauer im Anschluss an sein Abschiedsspiel am 1. Juni 1982 mit einem Festbankett und 500 geladenen Gästen. Bis auf Udo Lattek waren alle ehemaligen Trainer Beckenbauers sowie zahlreiche ehemalige Mitspieler dabei. „Sie fanden bis in die frühen Morgenstunden reichlich Gelegenheit, die ganze Karriere von einem der größten Fußballspieler aller Zeiten noch einmal Revue passieren zu lassen“, notierte der Kicker am 3. Juni 1982.

Hotel Europäischer Hof, Kirchenallee 45: Im Hotel „Europäischer Hof“ wurden während der WM 1974 die Spielerfrauen der deutschen Mannschaft untergebracht. Als Sepp Maier und Uli Hoeneß nach der 0:1-Niederlage gegen die DDR die Kasernierung im achtzig Kilometer entfernten DFB-Teamlager Malente zu blöd wurde, flüchteten sie sich mit dem Auto eines Sicherheitsbeamten zu ihren Gattinnen ins Hamburger Hotel. Als die Bremsen des Autos in Hamburg plötzlich versagten, bediente sich Maier während des kompletten Rückwegs der Handbremse.

Hotel Intercontinental Alster, Fontenay 10 (Abriss 2014): Hier wohnte Beckenbauer während seiner Zeit beim HSV. Um seine Kondition zu verbessern, ließ er sich extra Hanteln und Fitness-Geräte in sein Hotelzimmer liefern. Im Hotel Intercontinental an der Alster stieg auch immer wieder der FC Bayern während seiner Hamburg-Gastspiele ab. Im Februar 2002 machten hier nach dem Aufruf eines Radiosenders mehrere Leute die Nacht zum Tag, um die Spieler des FC Bayern vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli zu stören. Derzeit wird das Hotel abgerissen, bis 2016 soll eine neue Hotelanlage entstehen.

Mr. Kebap, Thadenstr. 4: Hier war Ivicia Olic gerne zu Gast, der sich während seiner Zeit beim HSV in der Hansestadt sehr wohl gefühlt hat. „Es ist immer schön, hier wieder her zu kommen. Ich hatte eine super Zeit in Hamburg. Eppendorf war mein Pflaster, auch als ich später in Flottbek gewohnt habe, zog es mich immer in diesen Stadtteil zurück. Zudem ist die Atmosphäre im Stadion toll, die Fans sind einmalig. So wie in Hamburg wurde ich noch nie geliebt“, sagte Olic 2013 zur Welt. Betreiberin von Mr. Kebap ist Olcay Beiersdorfer, Frau von Dietmar, die ihren späteren Mann auch hier kennengelernt hat. Szenename des Lokals: „Mrs. Beiersdorfer“. Jerome Boateng schaute hier auch gerne mal vorbei.

Pressehaus, Speersort 1: Im Hamburger Pressehaus organisierte die noch heute hier ansässige Zeit-Redaktion einen Schach-Wettbewerb (Blind-Simultan-Schach), an dem unter anderem Felix Magath gegen den späteren Schach-Weltmeister Garri Kasparow antrat.

Ristorante Salentino, Poelchaukamp 1: Das Salentino gehört zu den Lieblingsrestaurants von Marcell Jansen (07/08 17 Spiele für den FC Bayern).

Stadion Hoheluft, Lokstedter Steindamm 87: Anlage des SC Victoria Hamburg, für den Walter Junghans, heute Torwart-Trainer des FC Bayern, in seiner Jugend spielte. FCB-Manager Robert Schwan lockte Junghans 1977 zum FC Bayern, laut Kicker hatte er Vater Junghans „mit einer 20.000-DM Sonderprämie überzeugt“. Stefan Effenberg spielte hier zwischen 1974 und 1986. Anschließend wechselte er zu Borussia Mönchengladbach.

Stadion Marienthal, Oktaviostraße: Ehemalige Heimstätte des SC Concordia Hamburg, für den Piotr Trochowski 1995 bis 1997 spielte.

Stadion „Sander Tannen“, Krusestraße 3-5: Gegen den damaligen Viertligisten ASV Bergedorf 85 wären die Bayern am 28. August 1982 beinahe in der ersten Runde des Pokals ausgeschieden. Bis wenige Sekunden vor Schluss stand es 1:0 für die Amateure. „Manager Uli Hoeneß schlug sich immer wieder die Hände vors Gesicht, sah minutenlang nichts mehr vom Spiel, schien sich vergraben zu wollen.“ So ist nicht überliefert, ob Hoeneß den Ausgleichstreffer seines Bruders Dieter mitbekam, den dieser praktisch mit dem Schlusspfiff erzielte. In der Verlängerung siegten die Bayern dann doch noch standesgemäß mit 5:1. Trotzdem strich Manager Hoeneß im Anschluss die Siegprämie für das Spiel gegen den Amateurklub.

Stadtteilschule, Querkamp 68: Von Pjotr Trochowski besuchte Schule

Universitätsklinik Eppendorf, Martinistraße 52: In die Uni-Klinik wurde Franz Beckenbauer eingeliefert, nachdem ihm in einem Spiel gegen den VfB Stuttgart im März 1982 Horst Hrubesch bei einem Kopfball in den Rücken gesprungen war. Beckenbauers Arzt musste vor der Einlieferung zweimal in der Klinik anrufen. Beim ersten Mal sagte er: „Herr Beckenbauer kommt gleich zu ihnen, er hat wahrscheinlich einen Nierenriß.“ Daraufhin antwortete ihm ein Krankenhaus-Mitarbeiter: „Ist schon in Ordnung. Wir sehen ihn gerade im Fernsehen. Machen Sie Ihre Scherze mit jemand anderem!“. „Im Sportstudio lief gerade das HSV-Spiel. Die Szene mit meinem Versuch, ein Kopfballtor zu erzielen, war noch nicht dran“, beschrieb Beckenbauer die Situation später (Ich – Wie es wirklich war, Bertelsmann Verlag).

 

Hamburg Umgebung:
Golfclub Hoisdorf (Hof Bornbeck, 22952 Lütjensee): Hier begann Franz Beckenbauer seine Golf-Leidenschaft. Bis heute ist er hier Mitglied.

HSV Sportpark Ochsenzoll (Ulzburger Straße 97, 22850 Norderstedt): Auf dem Trainingsgelände des HSV trainierten Generationen von HSV-Spielern, darunter auch Franz Beckenbauer. Auch Uli Hoeneß absolvierte hier 1978 ein Probetraining. Doch für Manager Netzer wirkte Hoeneß „nicht fit“ genug. Als der HSV dann noch eine Gelenkspiegelung in der Paracelsus-Klinik in Ulzburg (Wilstedter Straße 134, 24558 Henstedt-Ulzburg) anordnete, reiste Hoeneß nach Rücksprache mit Paul Breitner und Jupp Kapellmann schließlich ab.

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