München für Fans von Borussia Dortmund

(Stand: Oktober 2014)

 
„Schauen’s meine Herren, München ist eine wunderschöne Stadt und hat eine Million Einwohner, aber in puncto Fußball ist es doch noch immer Provinz.“
Trainer Max Merkel nach seinem Wechsel im Jahr 1961 vom BVB zu 1860 München. (1966 wurde er mit den Sechzgern Meister)

 
Dortmund-München
Entfernung (Luftlinie): 477,17 Kilometer
Entfernung Westfalenstadion – Allianz-Arena (Auto): 595 Kilometer (A3)/Fahrtzeit: 6 Stunden
Anreise per Bahn: 5:49 Std (direkt)
Anreise per Flugzeug: 1-3x täglich (direkt)
Offizielle Borussia-Fanclubs in München (1): Münchner Borussen (www.muenchner-borussen.de)
Bevorzugte Wohnadressen für Borussia-Fans, die nach München ziehen wollen: Alfred-Schmidt-Straße, Benderstraße, Borsigstraße, Heldstraße, Westfalenstraße
„Münchner“ in Dortmund: Pal Csernai, Mats Hummels, Jürgen Kohler, Udo Lattek, Christian Nerlinger, Stefan Reuter, Michael Rummenigge, Reinhard Saftig, Miroslav Stevic, Jürgen Wegmann
„Dortmunder“ in München: Mario Götze, Thomas Hässler, Thomas Helmer, Ottmar Hitzfeld, Timo Konietzka, Robert Lewandowski, Max Merkel, Erich Ribbeck, Jürgen Schütz, Matthias Sammer

 

Auf fünf Stationen geht’s für Fans von Borussia Dortmund durch München, ©chumwa/wikimedia/bundesligaindeinerstadt

Auf fünf Stationen geht’s für Fans von Borussia Dortmund durch München, ©chumwa/wikimedia/bundesligaindeinerstadt

Keine Frage, es gibt für Fans von Borussia Dortmund wohl sympathischere Städte in Deutschland. Aber eine Chance sollte man der bayerischen Hauptstadt auch als BVB-Fan geben. Immerhin ist München jener Ort, an dem gegen den TSV 1860 jene Finalrunde begann, die schließlich zur Meisterschaft 1963 führte. Und München ist jene Stadt, in der der BVB 1997 die Champions-League gewann. Und schließlich gewann der BVB zwischen 2010 und 2012 fünf Spieler hintereinander gegen den FC Bayern. Zwei davon in der Allianz-Arena, darunter das eindrucksvolle 3:1 im Februar 2011. Und schließlich: Von den letzten vier Liga-Auswärtsspielen in München hat der BVB drei gewinnen können (bei einem Unentschieden). Es gibt also vor dem Aufeinandertreffen am 1. November 2014 schlimmere Orte für Fans des BV Borussia Dortmund 09.

 

Für Fans von Borussia Dortmund geht es auf fünf Stationen durch München: Trainingsgelände 1860 München (1/Timo Konietzka) – Stadion Grünwalder Straße (2/Meisterschaft 62/63) – Olympiastadion (3/Jürgen Wegmann) – Hotel Sheraton Arabellapark (4/Champions-League Triumph 1997) – Allianz-Arena (5/5 Spiele-5BVB-Siege).
Gesamtdauer der Tour: 3:05 Stunden (ohne Verweildauer)

 

 

→ Los geht’s beim Trainingsgelände des TSV 1860 München, wo BVB-Legende Timo Konietzka 1965 seine ersten Trainingseinheiten für die Löwen absolvierte.

 

 
Station 1 (Timo Konietzka): Trainingsgelände 1860 München, Grünwalder Straße 114 (Untergiesing)

Trainingsgelände des TSV 1860, ©bundesligaindeinerstadt

Trainingsgelände des TSV 1860, ©bundesligaindeinerstadt

Es begann jeweils mit einem Job. Auf die Frage, warum er 1960 vom VfB Lünen zum BVB wechselte, antwortete Timo Konietzka in einem in der taz veröffentlichten Interview: „Der Verein hat mir einen Job als Hilfsarbeiter bei der Union-Brauerei vermittelt – ein vergleichsweise leichter Job. Im ersten Jahr bei Borussia habe ich 60 Mark im Monat verdient, und die Schuhe musste ich mir noch selbst kaufen. Allein vom Fußball konnte man nicht leben. Nach einem Jahr wurde ich Hilfsarbeiter bei den Stadtwerken. Ich musste als Stammspieler die Gaslaternen putzen.“

Fünf Jahre später war es erneut ein Job, der Konietzka zu einem Wechsel verleitete. Dieses mal war es eine vom TSV 1860 München in Aussicht gestellte Lotto- und Toto-Annahmestelle. „Ich musste mir ja auch Gedanken machen, was nach meiner Karriere wird“, sagte Konietzka 2012 dem Schweizer Blick. „Die Beschaffung eines Arbeitsplatzes für den ‚Timo‘ war schon deshalb nicht einfach, weil seine beruflichen Verwendungsmöglichkeiten begrenzt waren. Ein Bergwerk, in dem er früher einmal gearbeitet hatte, konnte ich ihm schließlich nicht kaufen. Blieb also nur das Fußball-Geschäft – eine Totoannahmestelle“, schrieb später der damalige 1860-Trainer Max Merkel, der Konietzka noch aus seiner Zeit als Coach in Dortmund kannte. Und so wechselte Konietzka 1965 an die Isar.

Die zweite Parallele zwischen Konietzkas Stationen in Dortmund und München betrifft seine Qualitäten als Schnellschütze vom Dienst. Für Dortmund erzielte am 24.8.1963 in der 1. Minute des ersten Bundesliga-Spiels das erste Bundesliga-Tor der Geschichte. Zwei Jahre später traf Konietzka auch in seinem ersten Spiel für 1860 in der ersten Spielminute. Der Gegner hieß Bayern München und dank Konietzkas Tor gewannen die Sechzger 1:0.

Während Konietzka auch in München mit seinen Qualitäten am Ball überzeugte, musste er sich an das Leben in der bayerischen Metropole erst gewöhnen. „Ich bin mir damals wie ein Fremder vorgekommen. Ich war für viele der Preiß, ich konnte kaum was verstehen“, erzählte er 2008 der Abendzeitung. Trotz der Sprachschwierigkeiten erzielte er in seiner ersten Saison bei den Sechzgern in 33 Ligaspielen 26 Tore. Da auch seine Sturmpartner fleißig Tore schossen, wurde 1860 am Ende der Saison 1965/66 vor Borussia Dortmund Meister. Möglich wurde die Meisterschaft für die Sechzger nur durch einen Sieg am vorletzten Spieltag in Dortmund, wo die Borussia als Tabellenführer und frischgebackener Europapokalsieger wartete. „Ausgerechnet in Dortmund, im Stadion ‚Rote Erde‘, wo für alle Mannschaften die Trauben so hoch hingen“, erinnerte sich später Max Merkel an die schwierige Ausgangslage vor dem 2:0-Auswärtserfolg.

Schlechter lief es für die Löwen und Timo Konietzka in der folgenden Saison. Nach dem 7. Spieltag stand das Team von Max Merkel nur auf Platz 15, Konietzka brachte es bis dahin auf nur zwei Ligatore. Am 8. Spieltag stand das Heimspiel gegen den BVB auf dem Programm. In der 30. Minute vergab Rudolf Brunnenmeier einen Foulelfmeter, nachdem zuvor der Dortmunder Wolfgang Paul Konietzka gefoult hatte. Kurz darauf gingen die Sechzger zwar doch noch in Führung, doch fünfzehn Minuten vor dem Schlusspfiff glich Lothar Emmerich für die Dortmunder aus. Fünf Minuten später erzielte Sigi Held – angeblich unter Zuhilfenahme seiner Hand – gar das 2:1 für den BVB. Einige Spieler der Sechzger beschwerten sich anschließend beim Schiedsrichter, darunter auch Konietzka. Keine zwei Minuten später stellte Schiedsrichter Spindler Konietzka vom Platz, weil ihn dieser gegen das Schienbein getreten haben soll. „Jetzt kann ich es ja zugeben: Da ist schon was passiert, ich habe gerempelt. Vielleicht hat der Schiri aus Angst die Pfeife fallen lassen“, gab Konietzka Jahrzehnte später reumütig zu. Die Folge: Sechs Monate Sperre durch den DFB. Erst der Herthaner Lewan Kobiaschwilli brachte es 2012 nach einem Schlag gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark auf eine noch längere Sperre.

Nachdem Konietzka seine Sperre abgesessen hatte, kam er bis zum Ende der Saison 1966/67 auf sieben weitere Spiele für 1860, das die Saison unter Merkel-Nachfolger Gunther Baumann immerhin noch als Vizemeister abschließen konnte. Danach wechselte Konietzka, der wegen seines tätlichen Angriffs auf den Schiedsrichter von den Zuschauern nach seiner Sperre ausgepfiffen wurde, in die Schweiz. „In der Bundesliga hat man damals relativ wenig Geld verdient. Mein Lohn war zuletzt bei 1860 München etwa 30.000 Mark im Jahr, bei Winterthur konnte ich das Dreifache verdienen“, begründete Konietzka seinen Wechsel im Stern. In der Schweiz begann der Westfale auch seine Trainerkarriere, die ihm vier Meisterschaften und drei Cupsiege einbringen sollte. Von „Peitschenknaller“ Max Merkel dürfte er sich dabei vor allem die strenge Art gegenüber den Spielern abgeschaut haben. „Ich konnte es halt nicht haben, wenn einer faul und bequem war, undiszipliniert oder gegen den Erfolg gearbeitet hat. Hätten wir damals in Dortmund einen Amoroso gehabt, der sich so viel rausnimmt, hätte sich Sammer gar nicht einmischen müssen. Aki, Emmerich, Schütz und ich hätten uns den gepackt und ihn mal unter die Dusche gestellt. Den hätten wir uns schon erzogen.“

Obwohl sich Konietzka in der Schweiz niederließ, ließ er nie einen Zweifel daran aufkommen, wo er hingehört. „Ich bin stolz, einer aus dem Kohlenpott zu sein und fünf Jahre da unten in 1.000 Meter Tiefe malocht zu haben wie ein Sklave. Schon als Knirps habe ich mir die Spiele der Borussia angeschaut, und mein Traum war, da mal zu spielen. Und das habe ich geschafft. Diese sieben Jahre haben mich am meisten geprägt. Mein Herz schlägt für den BVB, gar keine Diskussion“, so Konietzka 2003. Vielleicht vermied Konietzka es auch deshalb, in Duellen zwischen 1860 und dem BVB ein Tor gegen seinen alten Klub zu schießen.

 

Friedhelm „Timo“ Konietzka (1938-2012) spielte zwischen 1960 und 1965 beim BVB und wechselte anschließend zu 1860. Von dort ging es weiter in die Schweiz, wo Konietzka nach zwei weiteren Stationen seine Trainerlaufbahn beim fC Zürich begann. Drei Monate lang war Konietzka 1984 Trainer beim BVB, bevor sich beide Seiten im Oktober trennten (der BVB befand sich zu diesem Zeitpunkt auf Platz 17).

 

Das Trainingsgelände des TSV 1860 befindet sich seit Ende der 1920er an der Grünwalder Straße. Als Max Merkel 1961 hier zum ersten Mal zum Training erschien, war er über den Zustand der Anlage bestürzt. „Als ich die windschiefe Hütte auf dem Trainingsgelände zum ersten Mal sah, dachte ich, ich hätte mich verlaufen.“ Auf dem Gelände befinden sich heute auch die Geschäftsstelle sowie ein Fanshop.

 

Dazu passend auf Youtube gefunden: Beitrag des SID zum Tod Timo Konietzkas / Fanfest 2013 auf dem Trainingsgelände / Friedhelm Funkel verlässt nach seiner Beurlaubung im April 2014 das 1860-Trainingsgelände

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

 

 

→ Weiter geht’s zum Stadion an der Grünwalder Straße mit der Straßenbahn 15 (Fahrtrichtung Max-Weber-Platz) bis zur Haltestelle Tegernseer Landstraße. Im Stadion an der Grünwalder Straße verlor der BVB zwar das Auftaktspiel in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1963 beim TSV 1860, doch am Ende gewannen die Dortmunder auch dank eines Sieges im Rückspiel gegen die Löwen ihre Gruppe und zogen in das Endspiel um die deutsche Meisterschaft ein. Wegzeit: 10 Minuten

 

 
Station 2 (Meisterschaft 1962/63): Stadion an der Grünwalder Straße, Grünwalder Straße 4 (Untergiesing)

Stadion an der Grünwalder Straße, ©bundesligaindeinerstadt

Stadion an der Grünwalder Straße, ©bundesligaindeinerstadt

Am letzten Spieltag der Oberliga-Saison ließ sich die Borussia aus Dortmund den schon sicher geglaubten Titel des Westmeisters vom 1. FC Köln abjagen. Mit 0:1 verlor das Team von Trainer Hermann Eppenhoff gegen den frischgebackenen Pokalsieger aus Wuppertal, während der 1. FC Köln mit einem 4:0 gegen die Sportfreunde Hamborn an den Westfalen vorbeizog. Doch auch als Tabellenzweiter der Oberliga West qualifizierte sich der BVB für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Dort warteten die stärksten Teams aus den anderen drei Oberligen sowie Hertha BSC. Dass man sich in der Endphase einer Meisterschaft nicht nur auf Fußball konzentrieren wollte, demonstrierten Jürgen Schütz und sein Mannschaftskamerad Dieter Kurrat. Beide heirateten zwischen den entscheidenden Spielen ihre Freundinnen. Und auch Helmut Bracht hatte anderes im Kopf als nur Fußball. Zum Auswärtsspiel in Saarbrücken nahm er eine Rolle mit Kleingeld mit, „damit endlich beim Skatspielen die Ausreden aufhören, man könne nicht wechseln“.

Als Favorit für den deutschen Meistertitel wurde der HSV gehandelt, während den Dortmundern vor allem aufgrund des schwachen Auftritts in Wuppertal nicht sehr viel zugetraut wurde. Der BVB wurde gemeinsam mit Borussia Neunkirchen und 1860 München in die HSV-Gruppe gelost, was bei den Hamburgern keine große Vorfreude auslöste. Denn von sieben Endrunden-Duellen zwischen beiden Teams konnte der HSV zuvor nur ein Spiel gegen den BVB gewinnen.

Doch bevor Dortmund am 1. Juni 1963 zum ersten Mal auf den HSV traf, wartete am 25. Mai das Auswärtsspiel bei 1860 München im Stadion an der Grünwalder Straße. Dort war Max Merkel gerade Trainer, jener Coach also, mit dem der BVB zuletzt 1961 ein Endspiel um die deutsche Meisterschaft erreichte. „Wehe den Gegnern, wenn Schütz und Konietzka, alias ‚Max und Moritz‘ ihren guten Tag haben. Freilich machen sie nicht allein das Spiel. Da sprechen im Mittelfeld vor allem der stets zurückgezogen stürmende Alfred Schmidt und das Außenläufer-Talent Sturm mit“, analysierte der Kicker vorab die Stärken der Dortmunder.

46.000 Zuschauer fanden den Weg in die Grünwalder Straße, das Stadion war restlos ausverkauft. Kein gutes Vorzeichen war der verletzungsbedingte Ausfall von Jürgen Schütz, der schon gegen Wuppertal ausgewechselt werden musste und der seit einiger Zeit bereits seinen Abschied von Dortmund nach Italien vorbereitete. 1968 beendete Schütz sein Italien-Abenteuer und spielte eine Saison für 1860 (20 Spiele, 6 Tore), bevor er 1969 zum BVB zurückkehrte.

Dortmund kam an diesem 25. Mai 1963 schwer ins Spiel, 1860 ging bereits in der 7. Minute nach einem Eckball in Führung. „Man hatte die Dortmunder geradezu eingekreist und mit Serien von Eckbällen umzingelt“, hieß es im Spielbericht. Doch dann verletzte sich bei den Sechzgern Alfred Heiß, der fortan als über das Spielfeld humpelnder Statist am Spiel teilnahm. In der 23. Minute konnte Reinhold Wosab für den BVB ausgleichen. Mit diesem Zwischenstand gingen beide Teams in die Halbzeitpause und mit dem Ausgleichstor im Rücken legte die Borussia nach der Halbzeit richtig los. Überragend spielte an diesem Nachmittag vor allem Wosab. Er „wurde mit Nummer 11, erst als Rechtsaußen, dann überall im Sturm umherquirlend, die beherrschende Gestalt im Felde. Was man von Küppers, Konietzka (auffallend pomadig!) und Rebele erwartete und nur selten sah – Wosab machte es vor: ein Spiel aufbauen und auch noch mit Schüssen, Alleingängen die Hintermannschaft durcheinanderbringen.“

Angetrieben von Wosab erzielte der eben noch gescholtene Timo Konietzka in der 50. Minute gar das Führungstor für die Dortmunder, nachdem 1860-Keeperlegende Radenkovic zuvor weit außerhalb des Strafraums gegen Gerhard Cyliax zu klären versuchte. „Wir hatten es beim Stande von 2:1 in den Schußstiefeln, mindestens auf 3:1 zu erhöhen. Dann hätte das Aufbäumen der Münchner in den Schlußminuten nichts mehr genützt“, analysierte der verletzte Schütz die Situation nach dem Dortmunder Führungstreffer. Doch der BVB setzte nicht entschlossen genug nach und verlegte sich auf das Halten des Vorsprungs. Eine falsche Strategie, wie sich bald zeigen sollte. Denn durch einen Doppelschlag in der 82. und 86. Minute drehte 1860 das schon verloren geglaubte Spiel. „Noch die ältesten Grünwalder-Straße-Wanderer müssten in ihren jahrzehntelangen Erinnerungsbildern lange suchen, um sich an eine derart dramatische Schlusssequenz eines Spiels zu erinnern“, schrieb der Kicker. Dortmunds Trainer Hermann Eppenhoff ließ seiner Enttäuschung nach dem Schlusspfiff freien Lauf: „Was soll man da noch sagen, wenn eine Mannschaft, die stehend k.o. ist, dann doch nicht gewinnt. Wir hätten natürlich gewinnen müssen. Die Kampfkraft der Münchner hatten wir uns trotz allem größer vorgestellt.“

Doch die Niederlage gegen 1860 kam zur rechten Zeit. Nach einem Unentschieden gegen Neunkirchen am zweiten Spieltag ging der BVB aus den letzten vier Spielen vier mal als Sieger vom Platz. Gegen „Angstgegner“ HSV gewann Dortmund zweimal. Gegen 1860 revanchierte man sich am letzten Gruppenspieltag mit 4:0 für die unglückliche Niederlage an der Grünwalder Straße (je zwei Tore Konietzka & Schütz). Im Stuttgarter Meisterschaftsendspiel wartete am 29. Juni mit dem 1. FC Köln der westdeutsche Rivale und Titelverteidiger.

Zum ersten Mal seit 1961 stand Dortmund 1963 wieder in einem Meisterschaftsendspiel. Nachdem im Sommer 1963 die Bundesliga starten würde, handelte es sich auch gleichzeitig um das letzte Endspiel im traditionellen Meisterschaftsrhythmus. Erstmals seit 1957 gewannen die Dortmunder wieder die Meisterschaft. Es folgten die herausragenden Europacup-Duelle mit Benfica Lissabon, Dukla Prag und Inter Mailand. Am Anfang stand jedoch eine unglückliche Niederlage an der Grünwalder Straße in München.

 

 

Die Aufstellung des BVB am 25. Mai 1963: Kwiatkowski – Geisler, Burgsmüller – Sturm, Paul, Kurrat – Wosab, Konietzka, Kelbassa, Schmidt, Cyliax

 

Das Stadion an der Grünwalder Straße wurde 1911 eröffnet und seither mehrfach renoviert. Über Jahrzehnte war die Anlage Heimstätte sowohl für den FC Bayern als auch für den TSV 1860. Nach dem 2. Weltkrieg fasste das Stadion bis zu 58.000 Zuschauer, aktuell sind nur 12.500 Zuschauer zugelassen. Zuletzt wurde das Stadion 2010-13 saniert. Heute wird die Anlage hauptsächlich von den 2. Mannschaften des FC Bayern sowie von 1860 genutzt. Informationen über das Stadion sowie zahlreiche Bilder finden sich auf der Website www.gruenwalder-stadion.com.

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

 

Passend dazu auf Youtube gefunden: 100 Jahre Sechzgerstadion / Ausschnitt aus dem Film „2 Nasen tanken Super“

 

 

→ Weiter geht’s mit der U1 von der Haltestelle Wettersteinplatz bis zur Endstation Olympia-Einkaufszentrum. Von dort mit der U3 (Fürstenried-West) bis Olympiazentrum und zu Fuß weiter zum Olympiastadion, wo Jürgen „Kobra“ Wegmann in den 1980ern für den FC Bayern auflief. Wegzeit: 55 Minuten

 

 
Station 3 (Jürgen Wegmann): Olympiastadion, Spiridon-Louis-Ring 27 (Milbertshofen)

Olympiastadion mit Olympiasee, ©bundesligaindeinerstadt

Olympiastadion mit Olympiasee, ©bundesligaindeinerstadt

Ohne Jürgen Wegmann wäre Borussia Dortmund 1986 wahrscheinlich zum zweiten Mal nach 1972 in die Zweitklassigkeit abgestiegen. Mit 14 Toren trug „die Kobra“ nicht nur dazu bei, dass sich die Dortmunder in der Saison 1985/86 auf den Relegationsrang retten konnten. Nein, Jürgen Wegmann war es auch, der am 19. Mai 1986 im Dortmunder Westfalenstadion mit seinem Tor in der 90. Minute zum 3:1 dafür sorgte, dass es zu einem Entscheidungsspiel in der Relegation zwischen Borussia Dortmund und Zweitligist Fortuna Köln kommen musste.

Das Hinspiel hatten die Kölner auf eigenem Platz mit 2:0 gewonnen, im Rückspiel führten die Fortunen zur Halbzeit mit 1:0. Keine guten Aussichten also für den BVB. In der 54.Minute glich Zorc für die Dortmunder per Foulelfmeter aus, Marcel Raducanu erhöhte in der 68. Minute auf 2:1. Und dann passierte lange Zeit nichts. Bis Jürgen Wegmann sich in der 90. Minute ein Herz fasste und das 3:1 erzielte. Dortmund rettete sich ins Entscheidungsspiel. Eine Auswärtstorregel, wie sie Fürth 2014 gegen den HSV den Aufstieg kostete, gab es im Jahr 1986 noch nicht. Das dritte Spiel entschied Dortmund dann relativ klar für sich: Mit 8:0 fegten die Borussen Köln aus dem Düsseldorfer Rheinstadion, Jürgen Wegmann begnügte sich in diesem Spiel mit nur einem Tor. Den Rest besorgten Michael Zorc, Ingo Anderbrügge, Frank Pagelsdorf und Co.

Das alles hatte mit der Stadt München nichts zu tun, im Gegenteil, Wegmann traute sich im Anschluss an die Saison gar zum Erzrivalen aus Lüdenscheid zu wechseln. „Da kann ich eher Nationalspieler werden als in Dortmund. Ich möchte möglichst nahe am Park-Stadion wohnen“, wurde Wegmann zitiert. Überraschenderweise fanden das viele Dortmunder Fans nur bedingt witzig. Mit einer Bilanz von 14 Toren in 33 Spielen empfahl sich Wegmann also nach Gelsenkirchen. Dort wurde er jedoch weder Nationalspieler, noch gelang es ihm mit den Knappen vor Dortmund zu landen. Während sein altes Team in der Saison 86/87, euphorisiert von der späten Rettung in der Relegation, einen sensationellen vierten Platz einfuhr, landete der gebürtige Essener mit Lüdenscheid auf Platz 13.

Also zog er weiter und nun kommt die bayeriche Landeshauptstadt ins Spiel. Denn Wegmann landete 1987 beim deutschen Meister FC Bayern. Während er gegen Dortmund am ersten Spieltag ohne Torerfolg blieb, traf er in den folgenden zwei Spielen gegen den HSV und Waldhof Mannheim gleich dreimal. Ein gelungener Einstand also. Insgesamt erzielte Wegmann in seiner ersten Saison bei den Bayern bei 27 Einsätzen 13 Tore, Treffer gegen den BVB waren nicht dabei. In der darauf folgenden Saison wurde Jürgen Wegmann mit den Bayern Meister.

In zwei Spielzeiten erzielte Wegmann für den FC Bayern in 58 Spielen 26 Tore, trotzdem wurden er und der FC Bayern nicht miteinander glücklich. „Warum wollen die mich loswerden“, titelte die Sport-Bild im Januar 1989. „Die wollen mich, seit ich in München bin, immer nur loswerden. Schon letztes Jahr war das so. Aber ich blieb, habe mich durchgebissen“, wurde Wegmann in der dazugehörigen Geschichte zitiert. Zum Verhängnis wurde ihm in München unter anderem sein leichter Hang zur Selbstdarstellung, wozu auch eigene Pressekonferenzen nach einzelnen Spielen gehört haben sollen. „Jürgen Wegmann sei in der Truppe ob seiner Show und Sprüche doch etwas isoliert“, erklärte freimütig Bayerns damaliger Trainer Jupp Heynckes. Da half auch nicht das spektakuläre Seitfallzieher-Tor der „Kobra“, das ihm 1987 die Auszeichnung „Tor des Jahres“ einbrachte.

Im Sommer 1989 trennten sich die Wege wieder, der FC Bayern setzte lieber auf die Torjägerqualitäten von Alan McInally und Radmilo Mihajlovic. Beide erzielten gemeinsam jedoch gerade mal ein Tor mehr als Jürgen Wegmann zuvor alleine in einer Saison. Die „Kobra“ kehrte zurück nach Dortmund. Dort fand er sich genauso wie zuvor in München immer öfter auf der Ersatzbank wieder. Aber auch in Dortmund gab es für Wegmann das ein oder andere Highlight. So zum Beispiel im November 1990, als der BVB im Olympiastadion auf Tabellenführer Bayern München traf. Bis zum 13. Spieltag hatte Horst Köppels Truppe erst vier Siege auf dem Habenkonto verbuchen können, darunter zwei Auswärtserfolge in Karlsruhe und Köln. Der BVB fuhr also nicht gerade als Favorit nach München. In einem müden Kick dauerte es bis zur 70. Minute, bis Stefan Effenberg die Münchner vor nur 29.000 Zuschauern in Führung brachte. Doch innerhalb von nur sechs Minuten drehte der BVB die Partie zu seinen Gunsten. Erst glich Thomas Helmer aus, ehe Jürgen Wegmann auf 2:1 für Dortmund stellte. Flemming Povlsen erzielte schließlich in der 85. Minute das 3:1. Olaf Thon konnte in der Schlussminute nur noch den Anschlusstreffer zum 2:3 für die Bayern erzielen. „Die Kobra biss die Bayern“ titelte die taz im Anschluss. „Erst lupfte Effenberg das Führungstor der Bayern, dann kam Wegmann. An Helmers Ausgleich in der 72. Minute hatte der Ersatzbankkönig der Saison noch keinen Anteil, aber sieben Minuten später wurschtelte er den Ball an Aumann vorbei ins Netz, und noch einmal drei Minuten später war er wieder auf und davon und ebnete Povlsen den Weg zum 3:1.“

Über seine Zeit in Dortmund und München schrieb Christoph Biermann 1993 in der taz: „Seine Zeit als Ersatzspieler in München und Dortmund, so verblüfft uns Wegmann jetzt, durchlebte er annähernd spirituell: ‚Körperlich habe ich lange Zeit nicht gespielt, aber geistig immer. In meiner Vorstellung habe ich immer mitgespielt.‘ Auch die Frage nach Existenzangst und Traurigkeit aufgrund seiner Aussenseiterrolle weiss er auf eine andere Ebene zu transzendieren: ‚Existenzängste? Traurig? Man muss alles Wissen vergessen, dann fühlt man sich auch wohl.’“

 

Jürgen Wegmann (*1964 Essen) verdankt seinen Spitznamen dem Spruch „Ich bin giftiger als die giftigste Kobra“. Ebenfalls Wegmann zugeschrieben wird die heute legendäre Fußballer-Weisheit „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ In 203 Bundesliga-Spielen erzielte Wegmann für Dortmund, Schalke und Bayern München 69 Tore. Nach seiner Karriere arbeitete er unter anderem einen FC Bayern-Fanshop im Einkaufszentrum Centro in Oberhausen.

 

Das Olympiastadion wurde für die Olympischen Sommerspiele in München errichtet und im Mai 1972 eröffnet. Der FC Bayern absolvierte hier zwischen 1972 und 2005 seine Heimspiele. Das Olympiastadion war neben dem Stadion an der Grünwalder Straße auch immer wieder Heimstätte des TSV 1860 München. Außerdem fanden hier WM-Finale 1974 und EM-Finale 1988 statt. Neben dem CL-Finale 1997 BVB-Juventus wurden hier drei weitere EC-Finalspiele ausgetragen. Im März 1998 spielten BVB und FC Bayern hier im Viertelfinale der CL gegeneinander (0:0, BVB setzte sich mit Gesamtergebnis von 1:0 durch). Eine einstündige Stadiontour führt unter anderem durch die VIP- und Mannschaftsbereiche des Stadions, darüber hinaus werden auch andere Touren angeboten (zB eine Zeltdach-Führung mit Abseilen). Weitere Infos: www.touren-olympiapark.de

 

Dazu passend auf Youtube gefunden: WDR-Beitrag mit Jürgen Wegmann zum Relegationsspiel gegen Fortuna Köln / Faustschlag von Uli Stein gegen Jürgen Wegmann 1987 / Borussia Dortmund vs. Schalke 1984/85 (1 Tor Wegmann) / BVB vs. FCB 1983/84 (mit Jürgen Wegmann)

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

 

 

→ Weiter geht’s mit U3 und U4 (via Odeonsplatz) zur U4-Haltestelle Richard-Strauss-Straße. Wir folgen dem Straßenverlauf bis zum Effnerplatz (das dort befindliche überdimensionierte und aus Rohren bestehende Kunstwerk heißt Mae West und stammt von Rita McBride) und gehen rechts den Fußweg hinein bis zur Arabellastraße. Wir biegen rechts ein, auf der linken Seite befindet sich das Sheraton München Arabellapark, wo der BVB 1997 seinen Champions-League-Triumph bei einem Festbankett feierte. Wegzeit: 60 Minuten

 

 
Station 4 (Champions-League-Triumph 1997): Sheraton Arabellapark Hotel, Arabellastraße 5 (Bogenhausen)

Sheraton Arabellapark, ©wikimedia/ordercrazy

Sheraton Arabellapark, ©wikimedia/ordercrazy

Die Saison 1996/97 lief in der Bundesliga für die Dortmunder Borussia nicht gerade nach Plan. Zur Winterpause war man als regierender Meister noch Bayern-Jäger Nummer eins, nach zwei Klatschen gegen Stuttgart (1:4) und Mönchengladbach (1:3) rutschte Ottmar Hitzfelds Team nach dem 24. Spieltag jedoch auf den vierten Platz ab. Boulevard-Medien rissen sich um Storys über angebliche Unstimmigkeiten in der Mannschaft, vor allem Andreas Möller durfte sich in der Sport-Bild seitenweise mit seiner Sicht der Dinge ausbreiten.

Besser lief es für die Borussia dagegen in der Champions League. Während man in der Vorsaison bereits im Viertelfinale gegen Amsterdam die Segel streichen musste, qualifizierte sich Hitzfelds Truppe gegen Widzew Lodz, Atletico Madrid und Steaua Bukarest erneut für das Viertelfinale. Dieses gewann die Borussia mit einem Gesamtergebnis von 4:1 gegen AJ Auxerre. Im Halbfinale wurde Manchester United jeweils mit 1:0 besiegt. Und so wartete am 28. Mai 1997 im Stadion des Erzrivalen Bayern München der italienische Meister Juventus Turin auf den BVB.

Juventus (mit Zinedine Zidane) wurde im Vorfeld als Favorit gehandelt, trotzdem war die Borussia aus finanziellen Gründen heraus zum Siegen verdammt. „Vizepräsident Ernst Breer rief mich an und machte mir klar, es gäbe nichts andres, als erneut Meister zu werden, wirtschaftliche Gründe würden dieses Ziel unerbitterlich diktieren“, erinnert sich Ottmar Hitzfeld an die Situation vor dem Start der Saison 1996/97 in Hitzfeld-Die Biografie (Argon). Nachdem es mit dem Meistertitel nichts wurde, kam dem Finale in der Champions-League also eine besondere finanzielle Bedeutung hinzu.

Trotzdem dürfte die Stimmung vor dem Finale bei einigen Dortmunder Spielern recht entspannt gewesen sein. „Am Nachmittag vor dem Finale tranken wir Kaffee. Nach der dritten Tasse ertappte ich mich dabei, daß ich losgeplappert habe, wie ein Wasserfall. Ständig habe ich Witze gerissen. Michael Zorc stammelte ‚Jetzt wird es mir zu bunt‘ und ging lieber aufs Zimmer“, erinnerte sich Andy Möller. Allein auf die eigene Leistung wollten sich die Dortmunder nicht verlassen, weswegen gleich eine ganze Reihe an Glücksbringern aktiviert wurden. Manager Michael Meier kreuzte im Stadion mit einer Manchester United-Krawatte auf, die ihm seine Frau in England gekauft und die auch schon gegen Manchester Glück gebracht hatte. Stadionsprecher Norbert Dickel hielt während des gesamten Spiels einen Glückspfennig in der Hand, einen zweiten Glückstaler hatte er vor dem Finale Trainer Hitzfeld in die Brusttasche gesteckt. Hitzfeld selbst hatte ein Madonnen-Bild von Auxerres Trainer Guy Roux und einen weiteren „geheimen“ Glücksbringer dabei. Und Jörg Heinrich telefonierte vor dem Spiel mit einem alten Freund aus Jugendtagen. „Seit dem Auxerre-Spiel funktioniert das. Wir haben immer gewonnen.“

Noch vor Spielbeginn gab es auf Seiten der Dortmunder bereits einen Verlierer: Wolfgang Feiersinger. Der österreichische Nationalspieler entwickelte sich in der verletzungsbedingten Abwesenheit Matthias Sammers zum wertvollen Ersatz und stand in allen K.O.-Spielen in der Champions-League für die Dortmunder auf dem Platz. Da sich Hitzfeld für die Finalaufstellung jedoch für den soeben wieder genesenen Sammer entschied, musste Feiersinger das Finale von der Tribüne aus verfolgen. „Menschlich wäre es gerecht gewesen, Feiersinger zu berücksichtigen, dem Verein gegenüber hatte ich keine Wahl, nur Tretschok kam als Joker (auf der Ersatzbank, Anm.) in Frage. Schweren Herzens teilte ich Wolfgang Feiersinger meinen Entscheid mit“, erinnerte sich Hitzfeld später in seiner Biografie.

Die Partie wurde um 20:30 Uhr angepfiffen, keine zwei Stunden später hatte sich Dortmund im Münchner Olympiastadion zum ersten deutschen Champions-League-Sieger gekürt. Die in Matthias Sammer gelegten Hoffnungen als Leitwolf sollten sich erfüllen, doch zum Star sollte an diesem Abend der in der 70. Spielminute für Stephane Chapuisat eingewechselte Lars Ricken avancieren. Die Borussia führte zur Halbzeit dank zweier Tore von Kalle Riedle mit 2:0. In der 66. Minute erzielte Alessandro del Piero den Anschlusstreffer zum 2:1. Hitzfeld reagierte umgehend und brachte mit Heiko Herrlich und Lars Ricken zwei frische Offensivkräfte. Ausgerechnet Lars Ricken, der auf dem Weg nach München wichtige Tore beigesteuert hatte und unzufrieden war, dass er nicht in der Startelf stand. „Keine 60 Sekunden auf dem Platz, schnappte sich Lars Ricken den Ball und schlenzte ihn aus rund 28 Metern über Keeper Angelo Peruzzi hinweg ins Tor – wie einst ‚Stan‘ Libuda beim ersten BVB-Europacupsieg 1966 über den FC Liverpool, schwärmen sie heute noch in Dortmund“, schildert Hitzfeld-Biograf Josef Hochstrasser den entscheidenden Moment im Spiel. Ricken hatte zuvor die Zeit auf der Bank dazu genutzt, den italienischen Torwart und seine Spielweise zu analysieren. „Es war mir auf der Bank aufgefallen, dass Torhüter Peruzzi oft weit vor dem Tor stand. Da war dieser Bogenschuss für mich die sinnvollste Alternative.“ „Die Gebrüder Grimm drehen sich im Grabe um. Das sind Märchen, die gibt es nicht“, kommentierte Marcel Reif den Treffer Rickens im Fernsehen. Dortmund führte 3:1 und sollte sich diesen Vorsprung nicht mehr nehmen lassen.

Nach dem Schlusspfiff ließen sich die Dortmunder von den mitgereisten 30.000 Fans ausgiebig feiern. Ottmar Hitzfeld wurde in seinem grauen Trenchcoat gleich mehrfach von den Spielern in die Luft geworfen. Die Pokalübergabe nach dem Spiel wurde für einen Spieler des BVB ein ganz besonders emotionaler Moment, der im Finale nur eine untergeordnete sportliche Statistenrolle spielte: Michael Zorc wurde in der 89. Minute für Andreas Möller eingewechselt. Dem damals 34-Jährigen war es danach vergönnt, den Pokal als erster Dortmunder in den Münchner Nachthimmel heben zu dürfen. Matthias Sammer, der als Kapitän eigentlich das Vorrecht gehabt hätte, ließ dem Dortmunder Urgestein den Vortritt. „Der Mannschaftsrat entschied spontan: Ich sollte nach vorn“, so Zorc.

Als sich die Feierlichkeiten vom grünen Rasen in die Spielerkabine verlegten, ereignete sich für Andreas Möller ein tragisches Schicksal. „Mein Trikot mit der Nummer 10 sollte einen Ehrenplatz in meinem Haus in Villigst kriegen. Aber es wurde mir geklaut! Aus der Kabine! Der Diebstahl passierte, als ich vor der Tür mit meinen Eltern in Frankfurt telefonierte. Als ich zurückging, war mein Kulturbeutel leer. Aus Frust setzte ich mich ins Entmüdungsbecken, wo die Schampus-Flaschen kreisten und Paulo Sousa mit seiner Unterwasser-Kamera auf Tauchstation ging“, schrieb Möller wenige Tage später in seinem Reisebericht in der Sport-Bild. Um Dieben den Diebstahl der Pokal-Trophäe zu verunmöglichen, nahm Dortmunds Zeugwart Peter Wewer in der Nacht nach dem Finale das gute Stück mit auf sein Zimmer (Nr. 1134) im Sheraton-Hotel. „Ich hatte die ganze Nacht eine Hand am Pott“, berichtete Wewer später.

Auf der feuchtfröhlichen Titelfeier im Kongresssaal des Sheraton erklärte BVB-Präsident Gerd Niebaum seinen Klub zur „Nummer eins in Europa“. Ottmar Hitzfeld dirigierte, ausgestattet mit Pickelhaube und Zigarre, den Marsch der „Alten Kameraden“ und es ertönten die Klänge von „Wir halten fest und treu zusammen“. Arbeitsminister Norbert Blüm freute sich mit den „Millionen Malochern im Ruhrgebiet“ und 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser jubelte über den UEFA-Cup-Platz für sein Team, der ihm durch den Dortmunder Finalsieg beschert wurde. „Unvermeidlich war, dass auch noch der Sänger Roberto Blanco auftrat“, notierte der Tagesspiegel ein musikalisches „Highlight“ der Feier.

Für Ottmar Hitzfeld war es die letzte Saison als Trainer des BVB. Schon unmittelbar nach der Feier sagte er zu seinem Bruder Bernd: „Dem Schweizer Fernsehen habe ich im Interview gesagt, dass der Cupsieg mit Aarau der schönste Erfolg war. Da konnte man sich noch richtig freuen, jetzt herrscht nur noch Druck, Druck, Druck.“ Der Coach hatte in den erfolgreichen Dortmunder Jahren zuviel Kraft gelassen, zudem fehlte der Rückhalt von Präsident Gerd Niebaum, der Spieler wie Steffen Freund öffentlich Kritik am Trainer üben ließ. Und auch das Verhältnis zwischen Hitzfeld und Sammer hatte sich deutlich abgekühlt. „Bezeichnend für die getrübte Beziehung war auch die Tatsache, dass Sammer sich nach dem Champions-League-Sieg öffentlich bei Präsident Niebaum bedankte, Hitzfeld aber nicht erwähnte“ (Hochstrasser). Auch für Abwehrchef Sammer neigte sich die Dortmunder Zeit als Spieler dem Ende zu. Nach nur drei weiteren Spielen in der Saison 97/98 beendete er seine aktive Karriere, Verletzungen und sein ramponierter Rücken ließen weitere Auftritte in Deutschlands höchster Liga nicht mehr zu.
Eine anstrengende, aber letztlich von Erfolg gekrönte Saison lag hinter den Borussen. Das sah auch Jürgen Kohler so: „Nach dem letzten Saisonspiel löte ich mir die Birne mal richtig zu. Ich habe es mir verdient.“

 

Die Aufstellung des BVB am 28. Mai 1997: Klos – Kohler, Sammer, Kree, Reuter, Lambert – Sousa, Heinrich, Möller (Zorc) – Riedle (Herrlich), Chapuisat (Ricken)

 

Dazu passend auf Youtube gefunden: WDR-Reportage zum CL-Finale / Die drei Dortmunder Tore (schlechte Qualität) / Das 3:1 von Lars Ricken / Anschlusstreffer von Alessandro del Piero

 

Das gibt es in der Nähe dieser Station außerdem zu sehen:

  • Englischer Garten mit seinen Biergärten, dem Chinesischen Turm sowie dem Monopteros und dem Eisbach (sowie dazugehörigen Surfern auf der Eisbachwelle). Auf einer Fläche von 375 Hektar erstreckt sich hier eine der größten zusammenhängenden Parkanlagen des Kontinents (zu Fuß via Isarring, www.muenchen.de).
  • Prinzregententheater (Prinzregentenplatz 12, www.prinzregententheater.de) und Friedensengel (Europaplatz 1, www.muenchen.de) – jeweils drei Stationen mit der U4 bis zur Haltestelle Prinzregentenplatz

 

 

→ Weiter geht’s zur letzten Station der München-Tour für Fans des BVB. Mit der U4 geht’s zurück zum Odeonsplatz. Von dort fahren wir mit der U6 (Richtung Garching-Hochbrück) bis zur Allianz-Arena (Fröttmaning), wo der BVB den FC Bayern im Jahr 2011 gleich zweimal besiegte. Wegzeit: 60 Minuten

 

 
Station 5 (5 Spiele-5 Siege): Allianz Arena, Werner-Heisenberg-Allee 25 (Schwabing-Freimann)

Allianz-Arena, ©bundesligaindeinerstadt

Allianz-Arena, ©bundesligaindeinerstadt

Fünf Siege in fünf Pflichtspielen gegen den FC Bayern, das schaffte neben Borussia Dortmund bisher kein anderes Bundesliga-Team. Zwischen Oktober 2010 und Mai 2012 gelang dem BVB dieses Kunststück, das Torverhältnis in den Duellen mit dem FC Bayern in diesen 19 Monaten betrug 12:3 für die Westfalen. Die Krönung der Erfolgsserie war der 5:2-Triumph im DFB-Pokalfinale 2012.

In diesen Zeitraum fielen auch zwei Dortmunder Siege in der Allianz-Arena: Dem 3:1 am 26. Februar 2011 folgte ein 1:0-Erfolg im November 2011. Der Erfolg im Frühjahr bedeutete gleichzeitig den ersten Auswärtserfolg gegen den FC Bayern seit Oktober 1991 (damals 3:0 durch M. Rummenigge, Povlsen und ein Eigentor von Markus Münch). Der Auftakt zur Dortmunder Siegesserie fiel am 7. Oktober 2010 im Dortmunder Westfalenstadion. Lucas Barrios und Nuri Sahin sorgten für einen sorgenfreien Abend gegen „biedere Münchner“.

Dass der Meistertitel im Jahr 2011 nach Dortmund gehen würde, stand dann schon lange vor dem folgenden Auswärtsspiel beim Titelhalter in München im Februar 2011 fest. Dass sich die Spieler des BVB nicht unbedingt als Außenseiter sahen, zeigten die Statements einiger Spieler vor der Partie. „Wir fahren mit 10.000 Fans da runter, werden Vollgas geben und werden das Spiel gewinnen“, erklärte ein selbstbewusster Kevin Großkreutz. Zehn Punkte betrug der Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus Leverkusen, auf die Münchner Bayern waren es vor dem Spiel in der Allianz-Arena gar 13 Punkte.

Trotzdem wurde der 3:1-Erfolg der Borussen als eigentliches Meisterstück der Dortmunder gefeiert. „Die Dortmunder bewiesen nicht nur, dass sie das typische Münchner Ballyhoo nicht aus der Fassung bringt. Sie zeigten auch, dass ihre Fußballphilosophie zumindest in dieser Saison die erfolgreichere ist. ‚Die Bayern haben ein richtig gutes Spiel gemacht, das macht unseren Sieg noch schöner’“, zitierte die Berliner Morgenpost Jürgen Klopp. Der BVB ließ sich beim Bundesliga-Debüt von Mitchell Langerak auch nicht vom typischen Ballbesitz-Spiel des FC Bayern (70 Prozent Spielanteil) aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil, während die Bayern noch damit beschäftigt waren, in Ruhe ihr Spiel aufzuziehen, gingen die Dortmunder aggressiv dazwischen und störten die Münchner schon im Ansatz. Nach neunzig Minuten feierten die Dortmunder dank Toren von Barrios, Sahin und Hummels ein nie gefährdetes 3:1. Nach Sahins Treffer stürmte der 22-Jährige so euphorisiert auf seinen Trainer zu, dass Jürgen Klopps Brille zu Bruch ging. „Das Teil ist eigentlich unkaputtbar, aber Nuri hat es geschafft“, sagte ein erstaunter Jürgen Klopp. Die Brille wanderte anschließend in Borussias Vereinsmuseum, glücklicherweise hatte der Dortmunder Trainer ein Ersatzexemplar dabei.

Neun Monate später schauten die Dortmunder als regierender Meister erneut in der Münchner Allianz-Arena vorbei. Vor dem 13. Spieltag der Saison 2011/12 standen die Bayern jedoch ganz oben in der Tabelle, Dortmund folgte mit fünf Punkten Rückstand auf Platz zwei. „In der Münchener Allianz-Arena müssen alle besonders zusammenhalten, denn dort kämpft Dortmund im Gipfeltreffen um seine Perspektive. Es ist die große Chance, heranzurücken. Es ist aber auch die letzte Chance, noch eine Hand an die Schale zu bringen“, schrieb das Westfalen-Blatt im Vorfeld. Dortmunds Trainer formulierte es so: „Die Münchner befinden sich in herausragender Verfassung. Aber wir haben die Möglichkeiten, den FC Bayern durch taktische Maßnahmen auf unser Niveau herunterziehen.“ Klopps Plan sollte aufgehen, wobei keine Rede davon sein konnte, dass die Dortmunder jemanden auf ihr Niveau hätten herunterziehen müssen. „Nach einer Viertelstunde sah man Ribéry an der Seitenlinie mit Trainer Jupp Heynckes bei der ersten Standup-Debatte: Trainer, wir müssen uns was überlegen“, beobachtete die Welt das Geschehen. Denn Dortmund hielt den FC Bayern ziemlich auf Trab.

In der 69. Minute dann die spielentscheidende Szene: „Nach einem Doppelpass von Götze und Kagawa produzierten sie einen Querschläger, Jerome Boateng irrlichterte im Kreis um die eigene Achse, gedanklich um Lichtjahre hinter Götze – der aus zehn Metern flach zur Führung einschob.“ Zum siebten Mal in Folge gerieten die Münchner in einem Spiel gegen Dortmund in Rückstand. Und so wie auch im Februar 2011 gelang es ihnen trotz einiger Großchancen nicht, das Spiel noch zu drehen. Die Medien schrieben den Bayern in der Folge einen „veritablen Dortmund-Komplex“ zu und der Meister nutzte den 1:0-Erfolg als eigentlichen Start in die Saison. Denn in der Folge blieb der BVB ungeschlagen, setzte sich am 20. Spieltag an die Tabellenspitze und wurde schließlich im Mai 2012 mit acht Punkten Vorsprung auf den FC Bayern erneut Deutscher Meister. Als Sahnehäubchen folgte mit dem 5:2-Erfolg gegen den FC Bayern der Gewinn des DFB-Pokals. Erst im Februar 2013 gelang den Münchnern wieder ein Sieg gegen die Westfalen. Im DFB-Pokal-Viertelfinale setzte man sich mit 1:0 durch. Doch in der Bundesliga ist Dortmund seit Februar 2010 in der Allianz-Arena ungeschlagen.

 

Die Aufstellung des BVB am 26.2.2011: Langerak – Großkreutz (da Silva), Piszcek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Sahin (Kehl), Götze – Lewandowski, Barrios (Blaszczykowski)

 

Die Allianz-Arena wurde 2005 eröffnet und bietet in der Bundesliga Platz für 71.000 Zuschauer (66.000 bei internationalen Spielen). Die Stadionrechte liegen mittlerweile alleine beim FC Bayern, die Arena wird aber nach wie vor auch vom derzeit zweitklassigen TSV 1860 München für Heimspiele genutzt. Zwischen 1860 und dem BVB kam es in der Allianz-Arena erst zu einem Aufeinandertreffen: Im September 2013 gewann der BVB im Pokal-Viertelfinale 2:0 nach Verlängerung. Informationen zum Vereinsmuseum des FCB sowie zu Stadiontouren unter: www.allianz-arena.de

 

Dazu passend auf Youtube gefunden: FCB-BVB 19.11.2011 / Fans feiern die BVB-Spieler nach dem 3:1-Sieg im Februar 2011 / Das Aktuelle Sportstudio nach dem 3:1-Sieg

 

Weitere Orte in München mit Bezug zum BVB:

Flughafen München: Aufgrund einer Bombendrohung konnte die Maschine mit den Dortmunder Champions-League-Helden 1997 nicht abheben. Nachdem das Flugzeug wieder zurück zum Rollfeld gerollt war, organisierte Manager Michael Meier ein Kleinflugzeug, das die Spieler zur Siegesfeier nach Dortmund brachte. „Die Spielerfrauen mussten in München ausharren, bis die Sprengstoffexperten ihre erfolglose Suche abgeschlossen hatten, und flogen später nach Münster. Gegen 17.30 Uhr waren auch sie in Dortmund“, hielt der Tagesanzeiger fest.

Funkhaus des Bayerischen Rundfunks, Arnulfstraße 42-44: Hier bat der Bayrische Rundfunk den ehemaligen BVB-Trainer Max Merkel 1961 um eine erste Einschätzung als Trainer des TSV 1860. Merkels Antwort: „Schauen’s meine Herren, München ist eine wunderschöne Stadt und hat eine Million Einwohner, aber in puncto Fußball ist es doch noch immer Provinz.“

Harthauser Straße 10: Hier wohnte der spätere BVB-Spieler Michael Rummenigge (88-93) nach seinem Wechsel zum FC Bayern im Jahr 1981.

Isarstraße, Neubiberg: Hier wohnte Anfang der 1970er der spätere BVB-Trainer Udo Lattek während seiner Zeit als Trainer des FC Bayern.

Koboldstraße, Waldperlach: Max Merkel wohnte hier bevor er den TSV 1860 im Jahr 1967 in Richtung Nürnberg verließ. 1974/75 trainierte Merkel den TSV in der 2. Bundesliga erneut, wurde aber vorzeitig im April 1975 entlassen.

Reithalle München, Heßstraße 132: Hier lud Lothar Matthäus aus Anlass seines Karriereendes im Mai 2000 die nationale und internationale Fußballprominenz zu einer Feier, darunter auch Ottmar Hitzfeld und Matthias Sammer. Bei dieser Gelegenheit riet Hitzfeld seinem ehemaligen Abwehrchef zur Ergreifung des Trainerpostens bei Borussia Dortmund. „Matthias, mach es, nimm Dein Herz in beide Hände, übernimm die Verantwortung, Du schaffst es“, soll Hitzfeld zu Sammer gesagt haben. Drei Tage später wurde Sammer als neuer Trainer der Borussia vorgestellt (Matthias Sammer-Der Feuerkopf, Sportverlag Berlin).

Restaurant Käfer, Prinzregentenstraße 73: Hier feierte Michael Rummenigge mit dem FC Bayern 1984 den Pokalsieg, nachdem er im Finale gegen Gladbach den entscheidenden Elfmeter zum 7:6 verwandelte.

Trattoria Da Fausto, Helmtrudenstraße 1: In seinem Stammlokal (früherer Standort am Tierpark) durfte Miroslav Stevic ab März 1998 ein Jahr lang gratis essen, nachdem ihm im Spiel gegen seinen späteren Arbeitgeber Borussia Dortmund (99-2002) ein Traumtor per Freistoß gelang.

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